Gegen "Rummelplatz"

Rot gekleidete Demonstranten bilden Fragezeichen am Grünten

Ein Fragezeichen bildeten Demonstranten am Samstagvormittag am Grünten. Mit der Aktion foderten sie eine Offenlegung der Pläne der Investorenfamilie.

Bild: Ralf Lienert

Ein Fragezeichen bildeten Demonstranten am Samstagvormittag am Grünten. Mit der Aktion foderten sie eine Offenlegung der Pläne der Investorenfamilie.

Bild: Ralf Lienert

Die Bürgerinititative "Rettet den Grünten" fordert ein Offenlegen der aktuellen Planung. Die Investorenfamilie äußert sich bislang nicht.

19.07.2020 | Stand: 14:06 Uhr

Rotweiße Absperrbänder flattern im hohen Gras. Alle 1,50 Meter steckt dazwischen ein kleiner Stab im Boden. Als an jedem der gut 100 Stäbe ein rotgekleideter Mensch steht, wird klar , was das Ganze soll. Zumindest sehen die Fotografen dank Drohne von oben welche Formation die "Roten" auf die grüne Wiese "schreiben": ein Fragezeichen.

Es steht für das Konzept der Grünten Bergwelt, das im April 2019 vorgestellt und dann von der Investorenfamilie immer wieder abgespeckt wurde. Wie der Stand aber jetzt ist, das weiß in der Region kaum einer, kritisieren Sprecher der Bürgerinititative "Rettet den Grünten".  Sie fordern ein Offenlegen der aktuellen Planung und demonstrieren dafür mit rund 100 Unterstützern am Grünten, oberhalb der Alpe Kammeregg.  Wegen der Corona-Pandemie waren Regeln vom Landratsamt vorgegeben.

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"Wer den Mindestabstand von 1 Meter 50 nicht einhalten kann, der soll einen Mund-Nasenschutz tragen", sagt Thomas Karl von der Bürgerinitiative (BI) vor dem Beginn der Fragenzeichen-Demo. Er reicht auch ein Hand-Desinfektionsmittel in die Menge. Alles geht ruhig und friedlich zu. Die Sonne scheint.

Es ist morgens halb zehn und schon jetzt kommen im Zwei-Minuten-Takt  Wanderer an der rotgekleideten Menge vorbei.  Sie laufen auf Trampelpfaden den Berg hinauf.  "Natürlich könnte das Fragezeichen auch dafür stehen, wo geht im Allgäu die Reise im Tourismus hin, wollen wir immer mehr Skywalks und Attraktionen oder einzelne Oasen mit naturnahem Tourismus?", sagt einer der Initiatoren der BI, Max Stark aus Sulzberg. Aber an diesem Tag steht der Grünten im Fokus. Die Investorenfamilie Hagenauer hat im April 2019 Planungen für eine Grünten Bergwelt vorgestellt. 

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Nach massiven Protesten, vor allem der BI "Rettet den Grünten", sind die Pläne, die unter anderem eine Zehner-Gondelbahn und eine Hütte mit Restaurant und Sonnenterrasse vorsehen, abgespeckt worden: Die Hütten-Terrasse soll nur noch 300 und nicht mehr 400 Sitzplätze bekommen. Die umstrittene Walderlebnisbahn (in einem Gurt hängend an Bäumen vorbei den Berg hinab) wurde  Ende 2019 ganz gestrichen.  "Seitdem haben die Leute in der Region nichts mehr gehört", kritisiert Thomas Karl von der BI. Der Petersthaler vermutet eine "Salamitaktik", also eine "scheibchenweise Erneuerung und dann kommt doch immer noch was dazu".  Die BI möchte, dass der Verzicht auf die Walderlebnisbahn juristisch abgesichert wird. Dass also ausgeschlossen ist, dass die Bahn in einigen Jahren doch noch kommt, wenn beispielsweise der Wintertourismus nicht mehr läuft. "Dann könnten die Investoren sagen, wir brauchen eine solche Attraktion, um die defizitäten Wintermonate auszugleichen," befürchtet Karl. 

Bilderstrecke

Demonstranten bilden Fragezeichen am Grünten

Ursprünglich war die Aktion am Geröllfeld oberhalb der Grüntenhütte geplant. Aber die Alpgenossenschaft Grünten habe dafür keine Genehmigung gegeben, sagt Adrian Gioja von der BI. Weiter westlich oberhalb der Alpe Kammeregg, lässt eine andere Genossenschaft im Sommer die Jungrinder weiden. Dort gab es keine Vorbehalte gegen die Aktion.  "Ja, die Rettenberger sind tief gespalten in der Frage, ob die Grünten Bergwelt mit ganzjährig betriebener Gondelbahn gut für die Gemeinde ist", sagt der Rettenberger Gioja. Er selbst habe Skifahren an den Grüntenliften gelernt, die es seit den 1960-er Jahren gibt.  Er würde sich auch weiterhin über einen "kleinen Winterbetrieb" freuen.

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Wenn das aber nur mit einem Ganzjahreskonzept und einer Gondelbahn möglich wäre, wie im Konzept vorgesehen, dann würde der Rettenberger "lieber auch aufs Skifahren am Grünten verzeichten, denn der Berg ist jetzt schon an der Kapazitätsgrenze".  Wanderer sind am Grünten zuhauf im Sommer unterwegs. Auch frühmorgens zum Sonnenauf- oder abends zum Sonnenuntergang. Selbst nachts mit Stirnleuchte.  "Mit einer Bahn kämen noch mehr Leute on top" , sagt Gioja. "Dann lieber keine Bahn." 

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Gefragt sei jetzt aber ein aktuelles Gesamtkonzept. "Erst dann können wir uns ein Bild machen und darüber reden", sagt Max Stark. Der Kreistag  wird  demnächst über den Neubau der Grüntenhütte abstimmen, "und das, obwohl die Gesamtplanung derzeit nicht vorliegt".  Für die Bürgerinitiative, die seit einem Jahr besteht, "ein Unding". Da müsse alles auf den Tisch. Familie Hagenauer aber hält sich seit Monaten auch gegenüber der Presse  bedeckt, will sich über den aktuellen Stand der Planung nicht äußern. Beim Landratsamt Oberallgäu, so heißt es auf Anfrage, sind noch keine Pläne für den Neubau der Bahn eingereicht worden.