Marco Friedhoff betreibt ein ungewöhnliches Nebengewerbe. Der 44-Jährige aus Oy-Mittelberg im Oberallgäu ist einer der wenigen professionellen Photovoltaik- und Solar-Reiniger in der Region. Über 500 Dachaufbauten hat er schon von Schmutz befreit.
Er betreibt sein Kleingewerbe „Solar&PV-Reinigung Kempten“ seit fast zwölf Jahren – neben seinem Hauptberuf im Außendienst einer großen Firma. Als Friedhoff 2011 anfing, war er einer der ersten im Allgäu, heute ist er ein gefragter Mann in der Region.
Bis zu 30 Prozent Mehrertrag nach Reinigung
Sein Erfolgsrezept: Ein spezielles Gerät, das mit rotierenden Bürsten, einem leicht sauren Reinigungsmittel und Wasserdruck arbeitet. Damit sorgt er dafür, dass verschmutzte PV- und Solar-Anlagen wieder ihre maximale Leistung erbringen können. Denn durch Verunreinigungen an der Oberfläche könnten Module leicht bis zu 30 Prozent Ertrag einbüßen.
Beauftragt wird Friedhoff meist von Unternehmen und Landwirten, aber auch von Privatpersonen. 70 Prozent davon seien Stammkunden: „Ich bin im Umkreis von etwa 100 Kilometern um Kempten im Einsatz“, sagt er. Immer wieder gebe es auch Anfragen von Kunden außerhalb der Region.
Besonders gefragt sind Friedhoff und sein Team im Frühjahr und Herbst. „Die Auftragslage ist stark von der Saison abhängig“, sagt er. Extrem sei es beispielsweise während des Saharastaubs diesen Frühling gewesen. „Da hatten wir Tage mit 30 Anfragen“, erzählt der Oberallgäuer. Im Winter sei es dagegen ruhig. Doch auch in der kalten Jahreszeit habe die professionelle Reinigung einen positiven Effekt.
Das von Friedhoff verwendete spezielle Putzmittel habe eine wasserabweisende Wirkung: „Dadurch rutscht auch Schnee schneller von den Modulen.“ Daneben gebe es weitere Vorteile. Das Wasser wird vor Ort eingespeist und in einer Kartusche von Mineralien befreit. Das sei wichtig, da sonst vor allem Kalk auf den Solar- und PV-Modulen zurückbleiben und nach der Reinigung wiederum für einen verminderten Ertrag bei der Energiegewinnung sorgen würde, sagt Friedhoff.
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Friedhoff und sein Team sind mit Klettergurten gesichert
Die Arbeit auf den Dächern birgt auch Risiken. Friedhoff und sein Team sind immer mit Klettergurten und einem Seil gesichert. Das 25 Kilo schwere Reinigungsgerät hängt ebenfalls an einem Seil. „Gesteuert wird es von Hand“, erzählt Friedhoff. Je nach dem Ausmaß der Verschmutzung und der Größe der Fläche dauert der Einsatz unterschiedlich lang. Die Anlage eines normalen Einfamilienhauses schaffe er in ein bis zwei Stunden. Für andere Aufbauten habe er allerdings auch schon drei Tage auf einem Dach verbracht.
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Doch kann man seine Solar- oder PV-Anlage auch selbst reinigen? „Ja, aber nicht so wie wir“, sagt Friedhoff. Privatleuten fehle vor allem die richtige Ausrüstung. „Mit normalem Wasser und einer Teleskopbürste erzielt man nicht das gleiche Ergebnis“, sagt der Oberallgäuer.
SunBrush aus Lachen verfolgt anderen Ansatz
Im Unterallgäuer Lachen gibt es ein Unternehmen, das einen anderen Ansatz verfolgt: Die SunBrush mobil GmbH hat sich auf die Herstellung von Reinigungsanlagen für Solar- und PV-Aufbauten spezialisiert. Die Firma produziert schwenkbare Bürstenwalzen, die mit Traktoren, Baggern oder Kränen hydraulisch betrieben werden. „So muss niemand direkt aufs Dach. Sicherheit steht bei uns an erster Stelle“, sagt Geschäftsführer Franz Ehleuter.
Das 2010 gegründete Unternehmen, das gerade zehn Millionen Euro in eine neue Produktionshalle investiert, verzeichne einen starken Zuwachs bei den verkauften Anlagen und beliefere mittlerweile 30 Dienstleister in Deutschland sowie Kunden in 60 Ländern weltweit.
Auch Friedhoff sieht großes Potenzial in der Branche: „Unsere Arbeit wird immer mehr werden.“
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