Einsatzzahlen

Vatertag im Allgäu: Dutzende Parkverstöße und noch mehr Ausflugsverkehr

Die Kenzenhütte im Ostallgäu war an Christi-Himmelfahrt beinahe überlaufen.

Bild: Benedikt Siegert

Die Kenzenhütte im Ostallgäu war an Christi-Himmelfahrt beinahe überlaufen.

Bild: Benedikt Siegert

Der Run auf die Berge geht weiter: Tausende Tagesausflügler strömten trotz Corona-Beschränkungen am Vatertag ins Allgäu. Wurden die Corona-Regeln eingehalten?

22.05.2020 | Stand: 17:54 Uhr

Aktualisiert am 22. Mai, 12 Uhr - Tausende haben das gute Wetter am Vatertag genutzt, um einen Tagesausflug ins Allgäu zu machen. Wie die Polizei am Freitagmittag mitteilte, hat der Ausflugsverkehr gegenüber den letzten Wochenenden nochmals deutlich zugenommen. "Dies führte vielerorts zu einer angespannten Parksituation", heißt es. Rund um beliebte touristische Hotspots - wie Schwangau und Oberstdorf - sowie an den See- und Wanderparkplätzen in gesamten Allgäu herrschte den ganzen Donnerstag großer Andrang. Die erste Bilanz: Mehr als 960 Kontrollen, dutzende Parkverstöße und 33 Unfälle mit Motorradfahrern und Radfahrern. Die Einsätze im Detail:

 

Oberstdorf: Lange Staus auf der B19

Viele Tagesausflügler kamen nach Oberstdorf. Die Polzei musste Strafzettel verteilen, zog trotz der zahlreichen Besucher eine positive Bilanz: „Bis auf ein paar Kleinigkeiten war alles ruhig“, sagte ein Sprecher. Auch auf unsere Nachfrage am Montag hieß es: "Wir sind sehr zufrieden. Die meisten Leute haben sich an die Vorgaben gehalten." Lediglich zu Parkverstößen und wenigen Alkoholfahrten sei es gekommen. Eine Gruppe Radfahrer stürzte, nachdem sie Alkohol getrunken hatte.

Bereits am Donnerstagvormittag bildeten sich auf der Bundesstraße B 19 in Richtung Oberstdorf lange Staus. Und schnell waren die Wanderparkplätze voll besetzt. Im Oberstdorfer Ortsteil Reichenbach im Bereich der Gaisalpe haben deshalb hunderte Fahrer ihre Wagen wild am Straßenrand abgestellt. Zudem wurden im Umkreis abgemähte Wiesenflächen verbotenerweise als Parkflächen verwendet. Weil es zu Beschwerden von Anwohnern kam, stellte die Gemeinde Oberstdorf im gesamten Ortsbereich ein absolutes Haltverbot auf, das laut Polizei größtenteils beachtet wurde. 

Im Bereich der Polizeiinspektion Oberstdorf wurden 25 Verkehrsordnungswidrigkeiten und 56 Anzeigen nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz verfolgt, insbesondere weil Autos verbotenerweise im Bereich von Landschaftsschutzgebieten abgestellt waren.

Hunderte Autos parkten kreuz und quer am Straßenrand.
Hunderte Autos parkten kreuz und quer am Straßenrand.
Bild: Michael Mang

 

Auch im Königswinkel war viel los

Sehr viel los war am Vatertag im Königswinkel vor allem an der Kenzenhütte auf 1294 Meter bei Halblech im Ostallgäu. Viele Mountainbiker, die wegen der Abstandsregeln auf der Hütte keinen Platz fanden, setzten sich in die angrenzende Wiese. Das Berggasthaus liegt idyllisch am Fuße der bekannten Gipfel Hochplatte und Geiselstein. Es kann über eine Forststraße oder per Pendelbus erreicht werden.

Das südliche Ostallgäu war mit Weißensee, Hopfensee, Forggensee, Schwansee sowie Hohenschwangau laut Polizei generell ein besonders beliebtes Ausflugsziel: Gegen Mittag waren fast alle Parkplätze vollständig belegt.

Parkverstöße bei den Buchenegger Wasserfällen

Wie die Polizeit berichet, gab es bei den Buchenegger Wasserfällen trotz einer neuen Verkehrsregelung (Beschilderung: Parkverbotszone und Anlieger frei) erneut 30 Parkverstöße. Im Vergleich zum zurückliegenden Wochenende sei die Situation in diesem Bereich aber dank der neuen Beschilderung am Feiertag deutlich entspannter gewesen.

Dafür waren die Parkflächen im Bereich der Hündle-Talstation mit rund 300 Autos und der Hochgrat-Talstation mit etwa 350 Fahrzeugen voll ausgelastet. Dort kam es zeitweise zu einer Überlastung.

Rettungswege bei Sonthofen zugeparkt

In Hinang, Hinterstein und Burgberg wurden zeitweise Rettungswege durch Ausflügler zugeparkt. "Auch hier wurden Parkverstöße konsequent geahndet", heißt es.

Autos parkten rund um Grüntenlift im Naturschutzgebiet

Rund um den Grüntenlift gab es am Vatertag ebenfalls ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Allein im Bereich Kammeregg stellte die Polizei beispielsweise etwa 150 Autos fest. Acht Anzeigen wurden dort aufgenommen, weil Fahrzeuge im Naturschutzgebiet parkten.

 

Mehrere Unfälle in der Region

Bei dem traumhaften Wetter am Vatertag waren im gesamten Allgäu sehr viele Freizeitsportler und Radfahrer unterwegs. "Auf den Straßen waren noch einmal mehr Motorradfahrer festzustellen, als bereits am zurückliegenden Wochenende", teilt die Polizei mit. In der Zeit von 10.30 Uhr bis 19.45 Uhr ereigneten sich im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West insgesamt 33 Zweiradunfälle, davon 27 mit Fahrradfahrern und sechs mit Motorradfahrern. Zu lebensgefährlichen Verletzungen kam es nicht.

 

Wurden die Regeln zum Infektionsschutz am Vatertag eingehalten?

Nach Angaben des Kemptener Polizeisprechers wurden am Donnerstag Abstands- und Hygieneregeln eingehalten. Die Maskentragepflicht werde gut akzeptiert. „Es gehört für uns inzwischen zum Tagesgeschäft, die Einhaltung des Infektionsschutzgesetzes zu kontrollieren.“ Man habe alles im Gespräch lösen können. Verstöße nach den bestehenden Kontaktbeschränkungen wurden nur vereinzelt festgestellt. Wegen des Corona-Virus durften die Ausflügler nur mit Angehörige eines weiteren Hausstandes unterwegs sein.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West fanden an Christi Himmelfahrt 962 Kontrollen statt. "Hierbei kam es zur Ahndung von 17 Verstößen, hierunter im Gros Verstöße gegen Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum", heißt es weiter.

 

Restaurants und Biergärten haben geöffnet

Restaurants und Biergärten durften am Himmelfahrtstag fast überall aufsperren. Der Besuch ist aber generell mit Auflagen verbunden: Oft müssen zum Beispiel die Kontaktdaten im Restaurant hinterlegt werden. Das Wandern an Seen oder in den Bergen ist in der Regel kein Problem. In aller Regel dürfen sich maximal die Mitglieder von zwei Haushalten treffen, in vielen Bundesländern muss aber trotzdem der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden.

In der Tat hätten einige Verbandsmitglieder die Sorge geäußert, "dass am Vatertag Feiernde vor den Biergärten stehen und die Regeln dann nicht mehr so genau nehmen", sagte Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga Bayern). "Ich kann nur appellieren, dass man es dem Wirt nicht zu schwer macht." Alle Betriebe würden ohne Ausnahme auf die Vorgaben achten. "Gesundheit steht an erster Stelle." Das war am Vatertag erlaubt und das nicht. 

 

Deutschlandweit blieb es ruhig

Nach einer ersten Bilanz der Polizeistellen in ganz Deutschland siegten bei vielen Ausflüglern die Vernunft am Vatertag - Männer zogen zwar - gern feuchtfröhlich - umher, dennoch meldeten die Dienststellen bislang keine besonderen Vorkommnisse. 

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