Argenbühl/Wangen

Buslinie gestrichen: Eltern wehren sich

Infrastruktur Nachmittagsverbindung nach Argenbühl fällt weg. Aber es soll Gespräche geben
##alternative##
Von sz
27.09.2019 | Stand: 15:09 Uhr

Aufregung bei Eltern von Schulkindern in Argenbühl: Weil eine Nachmittagsbuslinie von Wangen nach Christazhofen gestrichen wurde, müssen betroffene Kinder nun längere Wartezeiten und Umstiege in Kauf nehmen. Die Eltern wollen sich gegen die Streichung wehren.

„Mein Sohn hat am Sonntag vor Schulbeginn auf der Info-Plattform seiner Schule gelesen, dass der Bus nicht mehr fährt“, sagt Gabriele Henkel aus Ratzenried. Diese Nachricht hat sie überrascht: „Der Bus war immer voll, viele Schüler fahren mit dieser Linie vom Nachmittagsunterricht nach Hause.“ Außerdem nutzten den Bus auch ältere Menschen sowie Asylbewerber, die kein eigenes Auto besitzen.

Konkret geht es um den Bus, der bislang während der Schulzeit um 15.35 Uhr am Wangener Busbahnhof abfuhr. Er habe an vielen Wangener Schulen gehalten, und vom Bahnhof sei er dann über Deuchelried nach Ratzenried und Christazhofen gefahren, sagt Henkel. Ersatzweise könne man zwar den Bus Richtung Leutkirch nutzen, dabei gebe es aber Umstiege und Wartezeiten. Weil sie sich mit der Streichung nicht abfinden wollen, waren einige Eltern in die jüngste Argenbühler Gemeinderatssitzung gekommen, um das Thema bei der Bürgerfragestunde anzusprechen.

Bürgermeister Roland Sauter antwortete, dass auch die Gemeindeverwaltung darüber verärgert sei, dass diese Linie nicht mehr fährt. Sie sei nicht in der ÖPNV-Taktung drin, sondern eine Sonderlinie, erklärte er. Landkreis, Stadt Wangen und Gemeinde Argenbühl hätten sich die Kosten für diese Verbindung bislang geteilt, doch nun zahle der Landkreis seinen Anteil nicht mehr. Es handle sich um 13 000 Euro pro Jahr. „Das kann Argenbühl nicht allein zahlen“, sagte Sauter. Er will mit der Kreisverwaltung das Gespräch suchen, kündigte er an. Unterstützung von Seiten der Bürger sei dabei „sehr hilfreich“.

Das lassen sich die Eltern nicht zweimal sagen: „Wir wollen jetzt Unterschriften sammeln und Briefe ans Landratsamt schreiben“, sagt Gabriele Henkel. Immerhin seien 78 Schüler betroffen. „Da redet man die ganze Zeit, dass der CO2-Ausstoß verringert werden muss, aber wenn jetzt die Eltern ihre Kinder mit dem Auto abholen, ist ja genau das Gegenteil der Fall“, sagt sie.

Lesen Sie auch
##alternative##
Nahverkehr

Busverkehr: Ein neues Taktgefühl im Westallgäu

Für die Organisation der Schülerbeförderung sei der Schulträger zuständig, in dem Fall die Stadt Wangen, teilt das Landratsamt aufSZ-Anfrage mit. Der Schulträger stimme sich in solchen Fällen zunächst mit dem Beförderungsunternehmen ab. Das Busunternehmen, die Firma Omnibusverkehr Wangen Buchmann (OVW), betreibe die Linie 90 eigenwirtschaftlich und sei für das Fahrplanangebot verantwortlich. Das Landratsamt habe den Auftrag nicht erteilt, also habe es die Linie auch nicht streichen können.

Bislang sei die nun gestrichene zusätzliche Fahrt auf der Linie 90 über einen Schülerbeförderungsvertrag zwischen der Stadt Wangen und der OVW geregelt gewesen, der auf der Grundlage einer Übergangsregelung für eine maximale Laufzeit von zehn Jahren zustande kam, so die Kreisverwaltung. Dafür sei der OVW für diese Fahrt ein Zuschuss vom Landkreis Ravensburg, der Stadt Wangen und der Gemeinde Argenbühl gewährt worden. Der Vertrag endete zum 31. Juli.

Das Landratsamt will nun in einem Gespräch mit der Stadt Wangen und dem Busunternehmen OVW eine verträgliche Lösung für alle Beteiligten ausloten. „Ich bin optimistisch, dass wir eine gemeinsame Lösung für die Schüler finden“, sagt Hermann Weinschenk, Hauptamtsleiter der Stadt Wangen. Momentan müssen diese bis zur nächsten Verbindung gegen 17 Uhr warten. Die Stadt als Schulträger hätte die Linie 90 um 15.35 Uhr gerne weiterfahren lassen. Doch nachdem das Landratsamt den Zuschuss für diese Verbindung nicht mehr bewilligte, seien die Kosten für die Stadt alleine zu hoch gewesen.

Die Linie 90 um 15.35 Uhr sei eine offene Verbindung gewesen, so der Amtsleiter, nicht nur für Schüler. Sollte die Verbindung wieder aufgenommen werden, dann mit der Einschränkung, dass nur Schüler mitfahren dürfen.