Tierwelt im Westallgäu/Lindau

Polizeieinsatz wegen Rindergeburt: Landwirt erklärt, warum das nicht nötig gewesen wäre

Kälbchen Geburt

Diese Kuh und ihr Junges haben vor wenigen Tagen für einen Polizeieinsatz gesorgt.

Bild: Polizei

Diese Kuh und ihr Junges haben vor wenigen Tagen für einen Polizeieinsatz gesorgt.

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Eine Rindergeburt hat in Lindau für Aufsehen gesorgt. Der Lindauer Kreisbauernobmann Elmar Karg erklärt, warum das nicht nötig gewesen wäre.
29.05.2021 | Stand: 11:51 Uhr

Eine ungewöhnliche Polizeimeldung machte am Mittwochdie Runde: Passanten hatten wegen einer gebärenden Kuh die Polizei gerufen. Sie beobachteten das Tier neben einem Radweg. Als die Beamten eintrafen, war das Kalb bereits auf der Welt und wie seine Mutter wohlauf. Doch war es wirklich nötig, die Polizei zu rufen?

Lindaus Kreisbauernobmann Elmar Karg sieht die Reaktion der Passanten als Zeichen dafür, dass den Menschen weniger bewusst ist, was in der Natur und auf den Höfen passiert. „Eigentlich ist das Kalben das Natürlichste überhaupt“, sagt Karg.

Zwar kalbe die Mehrzahl der Tiere im Stall, aber „die Kuh bevorzugt die Kalbung auf der Weide“, sagt der Landwirt. Dass eine Kuh ihr Kalb draußen zur Welt bringt, sei indes nicht ungewöhnlich. In vertrautem Umfeld auf der Weide fühle sie sich wohl – und habe die nötige Ruhe.

Kühe sind empfindlich während der Schwangerschaft, die von Landwirten genau geplant wird

Damit Milchkühe die gewünschte Leistung bringen, werden sei einmal im Jahr besamt und bringen ein Kalb zur Welt. Sechs bis acht Wochen vor dem Kalben wird das Melken eingestellt. Das sogenannten Trockenstellen ist wichtig, um das Tier auf die Geburt und die folgende Laktationszeit (Melkphase) vorzubereiten. Auch benötigt das ungeborene Kalb viel Energie und Nährstoffe in der letzten Wachstumsphase. Aus diesem Grund stellt der Landwirt auch das Futter der hochträchtigen Kuh um.

Den Zeitpunkt des Kalbens können Landwirte recht genau vorhersagen, erklärt Karg. Natürlich gebe es auch Abweichungen vom Termin, sodass Bauern die Rindergeburt auch mal verpassen.

Polizei wäre bei Kuh-Vorfall in Lindau nicht nötig gewesen

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Der Geburtsvorgang zieht sich über mehrere Stunden. Die Austreibung des Kalbs dauert dagegen nur zehn bis 15 Minuten. Sollten Passanten diese Phase zufällig und ohne die Besitzer des Tiers beobachten – wie bei dem Vorfall in Lindau – rät Karg dazu, Ruhe zu bewahren. Die Polizei müsse nicht gerufen werden.

Wichtig sei, Abstand zum Tier zu halten. „Die Kuh könnte sonst Panik bekommen. Sie will schließlich ihr Kalb beschützen“, erklärt er. Wenn möglich, sollten Beobachter den Besitzer der Kuh aufsuchen oder einen Nachbarn informieren.

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