Landwirtschaft

Wie kann ein Allgäuer Bergbauernhof rentabel bleiben?

Elisabeth Mayr und Michael Zeller betreiben gemeinsam mit Michaels Eltern einen Bergbauernhof. Auch Sohn Pius ist gerne im Stall.

Elisabeth Mayr und Michael Zeller betreiben gemeinsam mit Michaels Eltern einen Bergbauernhof. Auch Sohn Pius ist gerne im Stall.

Bild: Matthias Becker

Elisabeth Mayr und Michael Zeller betreiben gemeinsam mit Michaels Eltern einen Bergbauernhof. Auch Sohn Pius ist gerne im Stall.

Bild: Matthias Becker

Um auch künftig von ihren Höfen leben zu können, setzen viele Landwirte auf mehrere Standbeine. Eine Familie aus Kranzegg erzählt, wofür sich entschieden hat.
09.07.2022 | Stand: 20:29 Uhr

Die Tage von Elisabeth Mayr (31) und Michael Zeller (32) sind lang – vor allem jetzt im Sommer. Um sechs Uhr geht es los, Feierabend ist selten vor 21 Uhr. Die beiden betreiben gemeinsam mit Michaels Eltern einen Bio-Bergbauernhof im Oberallgäuer Kranzegg. Damit sie auch in Zukunft davon leben können, setzen sie auf Vielfalt.

„2012 standen wir vor der Entscheidung aufhören oder weitermachen“, sagt Michael Zeller. Den Betrieb mit 16 Kühen und 15 Jungrindern aufrecht zu erhalten, wäre aus wirtschaftlicher Sicht kaum möglich gewesen: „Also haben wir investiert.“ Ein neuer Laufstall wurde gebaut, in dem jetzt 35 Rinder und 25 Jungtiere stehen. Seit vielen Jahren gibt es auf dem Bergbauernhof außerdem Ferienwohnungen, die fast das ganze Jahr über gebucht werden können. „Ein weiteres kleines Standbein ist für uns außerdem die Direktvermarktung“, sagt Mayr.

"Eine Zauberformel für alle gibt es nicht"

Braten, Landjäger, Leberkäse – all das gibt es vom Hof. Mittlerweile habe sich ein treuer Kundenstamm gebildet. Und doch: „Seit der Krieg in der Ukraine ausgebrochen ist, merkt man, dass die Menschen wieder mehr auf den Preis achten“, sagt Zeller. Er verkauft seine Bio-Milch an eine Molkerei im Unterallgäu. „Das klappt gut. Es gibt mittlerweile aber auch Molkereien, die keine zusätzliche Bio-Milch mehr annehmen, weil die Nachfrage fehlt.“ Der Markt schwanke, das Verhalten der Menschen ändere sich stetig. Deswegen sei es wichtig, sich nicht nur von einem Bereich abhängig zu machen. „Eine Zauberformel für alle Betriebe gibt es nicht. Jeder muss seinen Weg finden“, sagt Elisabeth Mayr. Sie selbst kommt von einem Hof nur 15 Minuten von Kranzegg entfernt. „Da sind die Wiesen viel flacher als hier, deswegen kann dort anders gearbeitet werden.“

Mit der Kombination aus Landwirtschaft, Ferienwohnungen und Direktvermarktung fahren Zeller und Mayr gut. „Das eine bezahlt das andere“, sagt Zeller. Ohne die Kühe gäbe es keine Feriengäste und umgekehrt. Seien Investitionen nötig, zum Beispiel für einen neuen Traktor oder Reparaturen in den Wohnungen, könnten die Gewinne aus einem anderen Standbein dafür genutzt werden. Und dass es Produkte direkt vom Hof gibt, komme bei den Gästen gut an. Gerade das Eis, das die Familie aus der eigenen Milch herstellen lässt, sei vor allem bei den Ferienkindern beliebt. Auch könnten die Besucher selbst Eier sammeln, die es dann am nächsten Tag zum Frühstück gibt.

Stillstehen ist keine Option

Stillstehen wollen Mayr und Zeller aber nicht. Aktuell verfolgen sie ein Projekt, das von der Öko-Modellregion Oberallgäu-Kempten gefördert wird. Zusammen mit einem Metzger aus Bad Hindelang und einem Gasthof im nahe gelegenen Vorderburg stellen sie Produkte wie Sülze oder Rinderfond im Glas her. Gefördert wird laut Mayr beispielsweise der Druck der Etiketten oder die Ausarbeitung der Rezepte. „Es braucht mehr Bio-Ware aus der Region und das hat für uns das Risiko minimiert“, sagt Mayr.

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Michael Zeller ist hauptberuflich Landwirt, Elisabeth Mayr arbeitet zudem im Bereich Umweltbildung beim Naturpark Nagelfluhkette. Nicht zuletzt deswegen wollen sie die Natur nicht nur nutzen, sondern auch schützen. „Auf einer unserer Bergwiesen, die einmal pro Jahr gemäht wird, gibt es nachweislich eine enorm hohe Artenvielfalt“, sagt Mayr. „Am Ende kommt es auf die Balance an“, findet Zeller.

Die beiden stecken ihre Zeit gerne in den Hof, mit Sohn Pius (2) gibt es sogar schon einen möglichen Nachfolger – aktuell zumindest packt er gerne im Stall mit an. „Unser großes Glück ist, dass Michaels Eltern noch in vollem Umfang mitarbeiten“, sagt Elisabeth Mayr. „Und wenn das Wetter gut ist und es zum Heuen geht, dann packt sowieso die ganze Familie mit an.“

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