Curling

WM-Bilanz: Daniela Jentsch spricht von "Himmel und Hölle"

Daniela Jentsch sagt nach acht Tagen WM: "Für uns war es ein riesiges Auf und Ab. Auf ein paar Dinge können wir richtig stolz sein."

Daniela Jentsch sagt nach acht Tagen WM: "Für uns war es ein riesiges Auf und Ab. Auf ein paar Dinge können wir richtig stolz sein."

Bild: Steve Seixeiro / WCF

Daniela Jentsch sagt nach acht Tagen WM: "Für uns war es ein riesiges Auf und Ab. Auf ein paar Dinge können wir richtig stolz sein."

Bild: Steve Seixeiro / WCF

Nach 13 Spielen werden dem Team aus Füssen 3,4 Zentimeter zum Verhängnis. Der neunte Platz, hauchdünn hinter dem punktgleichen Schottland, könnte fatale finanzielle Folgen haben.
11.05.2021 | Stand: 10:44 Uhr

Die deutsche Curling-Nationalmannschaft der Frauen hat bei der Weltmeisterschaft im kanadischen Calgary ein furioses Finale erlebt, der Traum von der Play-off-Teilnahme und damit der direkten Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking ging allerdings nicht in Erfüllung. Im entscheidenden letzten Match gegen den Favoriten Schweiz gab es eine klare 3:8-Niederlage, was nach 13 Vorrunden-Partien Tabellenplatz neun bedeutete. Wir ziehen in unserem WM-Ticker Bilanz, haben mit Skip Daniela Jentsch und Bundestrainer Uli Kapp gesprochen... Mehr zu den Corona-Fällen im deutschen Team lesen Sie hier.


UPDATE, DIENSTAG, 7 UHR:
Daniela Jentsch spricht von "Himmel und Hölle"

Kapitänin Daniela Jentsch exklusiv gegenüber allgaeuer-zeitung.de: "Für uns war das ein riesiges Auf und Ab. Es war ja im Vorfeld nicht klar, ob wir überhaupt starten können. Immer diese Ungewissheit. Wir mussten immer auf Ergebnisse und Entscheidungen von anderen warten. Dazu noch das Wissen, dass Teamkollegen krank sind bzw. das Virus in sich tragen, das hat es am Anfang enorm anstrengend und stressig für uns gemacht. An den ersten Tagen war es schon enorm schwierig, die Leistung aufs Eis zu bringen.
Wir übrig gebliebenen drei Spielerinnen und die zwei Betreuer haben sich da aber richtig gut durchgebissen, und versucht, das Maximum rauszuholen. Aber im Endeffekt bleibt nur die Endplatzierung stehen und das macht es jetzt nicht wirklcih besser. Dieser neunte Platz ist mehr als unbefriedigend. Wir wollten unbedingt Rang acht haben, hätten auch Platz sechs schaffen können, und jetzt ist es wieder nur der neunte Platz. Das ist super undankbar. Aber wir haben auch gelernt, dass man über sich hinauswachsen kann, wenn's drauf ankommt und dass man körperliche Leistungen bringen kann, obwohl es fast unmöglich scheint. Darauf sind wieder schon superstolz.
Ich halte nicht viel davon, hinterher zu sagen, hätten wir gegen die oder die gewonnen. Dann hätten wir ja vielleicht auch gegen die verloren, gegen die wir jetzt überraschend gewonnen haben. So kann man nicht rechnen. Man muss sehen: wir hatten die ganze Woche einen guten Spirit auf dem Eis. und ja, wir haben in jedem Spiel gekämpft bis zum Schluss und alles probiert, was nur möglich ist. Deswegen: alles in allem eine super erfolgreiches Woche, natürlich mit einem nicht so schönen Outcome. Aber das ist halt so im Sport, da liegen Himmel und Hölle oft sehr nah zusammen. Deswegen hoffen wir jetzt, dass wir alle gesund nach Hause kommen, dass die Mädels wieder richtig gesund werden und das mental gut verarbeiten können. Und dann starten wieder in die Vorbereitung auf die nächste Saison."
Das deutsche Curling-Team der Frauen landete bei der WM in Kanada am Ende auf einem enttäuschenden neunten Platz. Unser Bild zeigt vorne von links Analena Jentsch, Mia Höhne und Daniela Jentsch, hinten Physiotherapeutin Juliane Strähle und Bundestrainer Uli Kapp.
Das deutsche Curling-Team der Frauen landete bei der WM in Kanada am Ende auf einem enttäuschenden neunten Platz. Unser Bild zeigt vorne von links Analena Jentsch, Mia Höhne und Daniela Jentsch, hinten Physiotherapeutin Juliane Strähle und Bundestrainer Uli Kapp.
Bild: Steve Seixeiro/WCF

UPDATE, MONTAG, 8 UHR:
Trainer Uli Kapp: "Ich bin mächtig stolz auf die Mädels"

Bitter-süß fällt auch die WM-Bilanz von Uli Kapp (50/Füssen) aus: "Ich bin mächtig stolz auf das, was die drei Mädels auf dem Eis geleistet haben. Die internationale Anerkennung, die wir so zahlreich erfahren haben, haben sich die Spielerinnen verdient, auch wenn wir uns davon nix kaufen können. Aber auf dieser Basis können wir für die Zukunft aufbauen. Man hat gesehen, wir haben nicht gejammert und uns nicht unterkriegen lassen, sondern die Challenge angenommen. Dafür kann ich nur den Hut ziehen.

Aber die Pille, dass wir nicht belohnt wurden mit der Olympia-Qualifikation, ist schon schwer zu schlucken. Da hätte die Mannschaft zu dritt sicher auch ein Stück Sportgeschichte geschrieben. So war es nur der neunte Platz. Das ist von daher extrem schade, denn mit Platz acht wären alle Einzelathletinnen auch in den Olympiakader aufgerückt und wir hätten alle mehr Förderung bekommen. Am Ende fehlten im direkten Vergleich mit Schottland im sogenannten Draw-Shot-Competition nur 3,4 Zentimeter. Das müssen wir uns zwar selbst auf die Fahne schreiben, aber bitter ist es auf jeden Fall. Wir wollen aber nicht jammern. Jetzt müssen wir einfach schauen, dass wir Ende November in Lillehammer eine gute EM spielen und dann Anfang Dezember möglichst die zweite Quali-Chance für Olympia nutzen."

Bundestrainer Uli Kapp aus Füssen gibt Daniela Jentsch wertvolle Anweisungen.
Bundestrainer Uli Kapp aus Füssen gibt Daniela Jentsch wertvolle Anweisungen.
Bild: Steve Seixeiro für WCF

UPDATE, SAMSTAG, 0.30 UHR:
Statt Happy End gibt's eine Tapferkeitsmedaille

Aus, Schluss, vorbei. Einer turbulenten Wettkampf-Woche, bei der sich das Team von Bundestrainer Uli Kapp zu dritt mehr als achtbar aus der Affäre zog, fehlte eigentlich nur das Happy End. Bis zuletzt hatten die Frauen des CC Füssen an sich geglaubt, aber der Druck des Gewinnen-Müssens - ausgerechnet gegen das Spitzenteam aus der Schweiz - war am Ende doch zu groß. Die Eidgenössinnen zogen voll durch, weil sie sich als Vorrundensieger eine bessere Ausgangsposition für die Play-offs schaffen wollten. Zwar spielten Daniela Jentsch, Analena Jentsch und Mia Höhne eine solide Partie, am Erfolg der Schweizerinnen gab es aber während der zweistündigen Spielzeit nie Zweifel. Als das Endergebnis zum 3:8 feststand, gab es beim deutschen Team keine Verbitterung: "Schee war's", hörte man eine der Spielerinnen bei der Live-Übertragung im Internet noch im schönsten Allgäuer Dialekt sagen, alle drei klatschten sich ab - und das TV-Bild wurde schwarz....

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Nach der Niederlage fiel das deutsche Team in der WM-Schlusstabelle auf Rang neun zurück, punktgleich mit dem Achten Schottland und dem Zehnten China. Vorrundensieger wurde die Schweiz, das Tabellenende zieren Italien und Estland. Jene beiden Nationen also, gegen die die Mannschaft um Daniel Jentsch bittere Niederlagen kassierte. Wären diese beiden Spiele gewonnen worden, wäre Deutschland auf Rang fünf gelandet - und hätte Gastgeber Kanada aus den Play-offs gekegelt. So oder so: Mit dem Malus von zwei Corona-Ausfällen gestartet, hat sich das deutsche Trio bei dieser WM zumindest die Tapferkeitsmedaille verdient.

allgaeuer-zeitung.de sagt Danke für Ihr Interesse am WM-Ticker. Die Redaktion wird sicher noch Reaktionen einholen und verweist schon jetzt auf die ausführliche WM-Bilanz sowohl auf unserem Nachrichtenportal als auch in der Print-Ausgabe der Allgäuer Zeitung.

Alle Vorrunden-Ergebnisse der deutschen Frauen im Überblick:

  • Freitag, 30. April: D – RUS 4:8
  • Samstag, 1. Mai: D – USA 8:7
  • Samstag, 1. Mai: D – Schottland 6:7
  • Sonntag, 2. Mai: D – Korea 10:9
  • Sonntag, 2. Mai: D – Italien 6:10
  • Montag, 3. Mai: D – Kanada 6:2
  • Dienstag, 4. Mai: D – Estland 9:11
  • Dienstag, 4. Mai: D –Dänemark 6:7
  • Mittwoch, 5. Mai: D – Japan 7:6
  • Donnerstag, 6. Mai: D – China 7:5
  • Donnerstag, 6. Mai: D – Schweden 1:6
  • Freitag, 7. Mai: D – Tschechien 9:8
  • Freitag, 7. Mai: D – Schweiz 3:8

Hier geht's zur aktuellen Tabelle des Weltcurlingverbandes. Die ersten sechs der insgesamt 14 Mannschaften der Vorrunde erreichen die Play-offs und qualifizieren sich automatisch für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking.


UPDATE, FREITAG, 1 UHR:
Fokus liegt auf vorletzter Partie gegen Tschechien

Diese Niederlage gegen Schweden war vermutlich einkalkuliert. Dass sie mit 1:6 in nur zwei Stunden aber überdeutlich ausgefallen ist, mag manchen Beobachter aber dann doch überraschen. Das Team um Kapitänin Daniela Jentsch hatte nicht den Hauch einer Chance, kam nur im vierten End zu einem Ehrenpunkt. Die Olympiasiegerinnen aus Skandinavien spulten ihr Programm humorlos runter und lagen nach dem achten End uneinholbar vorn. Bundestrainer Uli Kapp hatte den Fokus schon früh darauf gelegt, alle Kraft in die Freitagspartie gegen Tschechien zu packen. "Die müssen wir schlagen, wenn wir die Top-6 noch schaffen wollen", sagte Kapp unserer Redaktion. Auch gegen die starken Schweizerinnen rechnete er sich noch eher Siegchancen aus als gegen Schweden. Und das, obwohl die Eidgenossinen die Mannschaft der Stunde sind: Sie haben nach Siegen über Russland und USA nach elf Partien die Tabellenführung im WM-Klassement übernommen. Fakt ist: Die deutschen Curlerinnen sind nach der Niederlage gegen Schweden auf Tabellenplatz acht zurückgefallen und können aus eigener Kraft allein nicht mehr hochrücken auf Platz sechs. Dazu wären sie auf Mithilfe anderer Nationen angewiesen.

UPDATE, DONNERSTAG, 10 UHR:
Bundestrainer Kapp: "Jetzt haben wir einen Lauf"

"Hadde-ihn'-gesmeggt?" Ja, das hat den deutschen Curlerinnen und den Fans zuhause sehr wohl geschmeckt. Gar köstlich waren die Darbietungen gegen Japan und China. Aus Calgary meldete sich ein zufriedener Bundestrainer Uli Kapp, der den Grund für die zwei Siege auch darin sieht, dass sich sein Team auf das Spiel zu dritt nun langsam eingestellt habe und die coronabedingten Ausfälle von Klara Hermine Fomm und Emira Abbes in den Köpfen der restlichen Spielerinnen nun richtig verarbeitet seien. "Vor allem hintenraus hat das gegen China super geklappt. Auch wenn Daniela Jentsch erst mit dem letzten Stein den Sieg unter Dach und Fach brachte, habe ich nie an usnerem Erfolg gezweifelt", sagt Kapp. Sein Bruder Andreas, der die WM von zuhause aus aufmerksam verfolgt, fängt beim Blick auf die Tabelle (derzeit ist das DCV-Team Siebter) an zu rechnen: "Wenn wir die beiden verschossenen Elfmeter gegen Italien und Estland verwandelt hätten, würden die Mädels jetzt mit 7:3-Punkten auf Platz drei stehen." Und weiter: "Egal. Sie kämpfen zu dritt, was das Zeug hält." Ob's für die Olympia-Quali reicht, wird sich nach der einkalkulierten Niederlage gegen Olympiasieger Schweden am späten Donnerstagabend dann in den beiden letzten Vorrunden-Begegnungen gegen Tschechien und die Schweiz zeigen."

UPDATE, MITTWOCH, 22 UHR:
Jubel nach der zweiten Verlängerung

Normal geht irgendwie nicht bei den deutschen Curlerinnen. Auch die neunte Partie gegen den Tabellenelften Japan wurde zur Zitterpartie für das nach wie vor personell geschwächte Team des CC Füssen. Erst nach über dreistündiger Spielzeit und zwei Zusatz-Ends stand der knappe 7:6-Erfolg gegen die Asiatinnen fest. Die Spielstatistik der erfolgreichen Steinschübe fiel mit 82 Prozent gegenüber 74 Prozent etwas deutlicher für die DCV-Auswahl aus. Mit diesem Sieg ist die deutsche Nationalmannschaft weiter auf Tabellenrang neun, der Rangsechste (derzeit Kanada) hat nur einen Sieg mehr auf der Habenseite. Die restlichen vier Vorrunden-Begegnungen haben es aber schon noch in sich für Jentsch & Co.: China (aktueller Tabellenplatz 7), Schweden (3), Tschechien (11) und die Schweiz (2) sind harte Brocken. Gleichwohl: für Überraschungen ist dieses deutsche Team bei dieser WM allemal gut; auch wenn es nur zu dritt antritt.

UPDATE, MITTWOCH, 9 UHR:
Serie gerissen: erstmals zwei Niederlagen hintereinander

Geht dem deutschen Rumpf-Team nun doch langsam die Kraft und die Konzentration aus? In der achten WM-Partie gegen Dänemark verlor die Mannschaft von Bundestrainer Uli Kapp in der Nacht auf Mittwoch gegen Dänemark mit 6:7. Wie bislang fast alle deutschen Spiele endete auch der Vergleich gegen das Nachbarland im Norden hauchdünn. Im zehnten End hätten den Deutschen zwei Steine gereicht, um noch die Verlängerung zu erzwingen, doch es sollte nicht reichen. Mit nun drei Siegen und fünf Niederlagen belegen Daniela Jentsch & Co. Rang neun in der WM-Tabelle.

UPDATE, DIENSTAG, 9 UHR:
Last-Minute-Drama gegen Estland

Und täglich grüßt das Murmeltier. Die deutschen Curlerinnen haben es bei der WM in Calgary auch nach sieben Begegnungen nicht geschafft, zwei Siege hintereinander einzufahren. Der Dämpfer gegen Estland war um so bitterer, als die Deutschen bei einer 9:7-Führung im neunten End eigentlich einen Elfmeter vor sich liegen hatten, diesen aber nicht verwerten konnten. Im zehnten End glichen die Estinnen zum 9:9 aus und auch das Extra-End, also die Verlängerung, ging mit 2:0-Punkten an die Spielerinnen aus dem Baltikum. Eine schmerzhafte Niederlage nach dreistündiger Nervenschlacht. In der Tabelle tritt Deutschland damit als Siebter auf der Stelle. Ein Sieg gegen Estland hätte - bei einer gleichzeitigen 6:7-Niederlage der USA gegen Dänemark - mit vier Siegen sogar den Sprung auf Platz vier ermöglicht. Ein Blick aufs Tabellenende beweist die Unbeständigkeit der deutschen Frauen bei diesem Turnier. Die beiden Schlusslichter Estland und Italien haben nur einen Sieg verbucht - und zwar beide gegen Deutschland ...

UPDATE, MONTAG, 21 UHR:
Überragende Daniela Jentsch ebnet Sieg gegen Kanada

Rauf, runter, rauf, runter - das deutsche Curling-Nationalteam bleibt bei der WM dem Ruf einer Fahrstuhl-Mannschaft treu. Der unerwarteten Niederlage gegen Italien folgte am Montagabend ein nicht weniger überraschender 6:2-Sieg gegen Gastgeber Kanada. Andy Kapp, Ex-Nationalspieler und Bruder des aktuellen Bundestrainers Uli Kapp, schrieb unserer Redaktion nach dem Erfolg per WhatsApp: "Mal wieder etwas fürs Curling-Geschichtsbuch. Mit einer sensationellen Leistung zu dritt haben wir Kanada in den Abgrund gestürzt. Dani Jentsch sticht mit einer sensationellen Spielleistung mit 92 Prozent heraus." Schon vor der Partie strotze Bruder Uli Kapp vor Selbstbewusstsein: "Wir müssen und können es für uns nutzen, dass Kanada mit einem Sieg und vier Niederlagen einen richtig schlechten Start hingelegt hat und gegen uns extrem unter Druck steht." Letztlich beherzigten seine Athletinnen die Marschroute, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Die Partie war lange heiß umkämpft. Nach sieben Ends stand es gerade einmal 3:2 für Deutschland. Der achte Durchgang ging mit einem Punkt an Jentsch & Co, der neunte mit 2:0. Der Triumph war vollbracht. Während Kanada auf den vorletzten Tabellenplatz abrutschte, kletterte das deutsche Team wieder einen Rang nach oben auf Platz sieben. Der Traum von der direkten Olympia-Qualifikation lebt wieder...

UPDATE, MONTAG, 1 UHR:
Lange Gesichter nach Niederlage gegen Italien

Niederlage, Sieg, Niederlage, Sieg - dieser Serie ist die deutsche Curling-Nationalmannschaft der Frauen treu geblieben. Im fünften WM-Match unterlag das Team von Bundestrainer Uli Kapp (Füssen) der bisher noch sieglosen Auswahl Italiens mit 6:10. Dabei hatte Kapp einen Erfolg gegen die Italienerinnen fest einkalkuliert. Schaut man sich das Ergebnis genauer an, liegt die Vermutung nahe, dass dem dezimierten deutschen Team nach vier kräftezehrenden Partien zu dritt die Puste, vor allem aber die Konzentration ausgehen könnte. Nach dem siebten End hatten die Deutschen noch 6:3 geführt und sahen schon wie der sichere Sieger aus. Doch das achte End ging mit 5:0 und das neunte End mit 2:0 an die Italienerinnen um Skip Stefania Constantini. Die nach dem Sieg gegen Korea genährten Hoffnungen auf eine direkte Olympia-Qualifikation haben einen herben Dämpfer bekommen. Das deutsche Team ist auf Tabellenrang acht abgerutscht. Die dahinter liegenden Däninnen und Japanerinnen haben zwei Partien weniger. Wegen weiterer Corona-Fälle bei Fernseh-Teams mussten am Sonntag vier Partien der siebten Vorrunden-Session verschoben werden. Ein neuer Zeitplan soll im Laufe des Montags veröffentlicht werden. Bis Dienstag sind alle Live-Übertragungen gestrichen.

UPDATE, SONNTAG, 18 UHR:
Großes Lob vom Verbandschef

Positiv überrascht vom bisherigen Abschneiden der deutschen Curling-Frauen ist auch der Präsident des Deutschen Curling-Verbandes, Bernhard Mayr. Der 54-jährige gebürtige Münchener, früher selbst aktiver Curler und verheiratet mit der ehemaligen Europameisterin Christina Haller, schickt nach einem Gespräch mit allgaeuer-zeitung.de Glückwünsche aus dem heimischen Schwenningen nach Kanada: "Toll, wie die Mädels kämpfen. Eigentlich haben sie zu dritt keine Chance, wachsen aber jetzt bei den ersten WM-Spielen über sich hinaus." Die Füssener Eissportlerinnen, so der Automobil-Manager, würden es schaffen, negative Energie in positive umzuwandeln. Mayr wörtlich: "Unser Team nimmt die schwiergie Situation nach den Corona-Infektionen an und zeigen eine tolle Einstellung. Ihr Fokus scheint zu stimmen", so Mayr.

UPDATE, SONNTAG, 10 UHR:
Zweiter Sieg bringt Trainer in Verzückung

Damit war nun wirklich nicht zu rechnen. In der Nacht auf Sonntag haben die deutschen Curlerinnen ihr viertes WM-Spiel gegen Korea, den Silbermedaillen-Gewinner von Pyeongchang 2018, denkbar knapp mit 10:9 für sich entschieden. Damit hat das dezimierte Team um Skip Daniela Jentsch seine Bilanz ausgeglichen. Mit zwei Siegen und zwei Niederlagen belegt das DCV-Team nach sechs von insgesamt 23 Sessions Tabellenplatz sieben. Die ersten sechs Mannschaften kommen in die WM-Play-Offs und sichern sich die direkte Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Vor der Partie gegen Korea und nach dem Sieg gegen die USA hatte Bundestrainer Uli Kapp noch gesagt: "Wenn uns in den Spielen drei und vier gegen Schottland und Korea ein weiterer Sieg gelingen würde, dann wäre das der absolute Wahnsinn." Der ist nun - trotz des widrigen WM-Starts mit den beiden positiven Corona-Fällen im deutschen Team Realität.

UPDATE, SAMSTAG, 20 UHR:
Füssener bringen Schottland ins Wanken

Besser als erwartet kamen die Jentsch-Schwestern Daniela und Analena sowie Mia Höhne (alle CC Füssen) zu dritt auch im dritten WM-Spiel zurecht. Gegen den haushohen Favoriten und Tabellenführer Schottland unterlagen die Deutschen äußerst knapp nur mit 6:7. Nach dem sechsten End war die Partie beim 5:5 noch vollkommen offen, am Ende hat die Spielerinnen von der Insel die Nase knapp vorn. Damit haben die deutschen Curlerinnen die Vorgaben von Bundestrainer Uli Kapp erneut erfüllt. Er hatte vor der Partie gemeint: "Gegen Schottland geht es darum, einfach dagegenzuhalten und unsere Chancen zu suchen." Ein Sieg werde nicht erwartet, auch nicht in der folgenden Partie gegen den Olympia-Zweiten Korea, die in der Nacht auf Sonntag stattfindet.

UPDATE, SAMSTAG, 9 UHR:
Trainer Kapp lobt seine Mädels

Bundestrainer Uli Kapp hat sich vor dem Ins-Bett-gehen noch bei uns in der Redaktion gemeldet. Der 50-jährige Füssener erklärt die Besonderheiten des Spiels zu dritt: "Analena Jentsch auf Position eins und Mia Höhne auf Position 3 übernehmen die Rolle der ausgefallenen Spielerin und müssen vorneweg jeweils drei Steine spielen. Das ist eine festgelegte Regelung, die verhindert, dass Skip Daniela Jentsch hintenraus die Steine spielen darf." Kapp verweist zudem auf die Schwierigkeit, dass "natürlich eine Wischerin fehlt". Man müsse sich die Kräfte gut einteilen. Auch die Spielweise muss angepasst werden." Insgesamt zieht der Bundestrainer den Hut vor seinen Athletinnen: "Das verlangt den Mädels schon einen komplett anderen Spielrhythmus ab."

Kapp zu den ersten beiden Partien: "Gegen Russland haben wir versucht, erst einmal Bindung zum Eis zu bekommen. Wir waren nicht darauf aus, jetzt gleich einen Überraschungscoup zu landen. Es war schon okay, aber in manchen Bereichen auch noch recht wackelig. Gegen die USA hat es dann sehr gut geklappt, das Niveau weiter nach oben zu bringen. Wir sind mit etwas Pech in Rückstand geraten, aber im Mittelteil haben die Mädels das sehr, sehr gut gemacht. Wenn wir weiter so auftreten, haben wir gute Chancen, auch zu dritt als Sieger vom Eis zu gehen. Vor zwei Tagen war wir raus aus dem Wettbewerb, jetzt sind wir mittendrin. Wir sind dafür sehr dankbar und sagen uns: Alles, was wir noch spielen dürfen, ist in unserer Situation Bonus. Der Sieg gegen die USA war enorm wichtig für die Moral und den Kopf."

Startrecht erst kurz vor WM-Beginn

Deutschland hatte erst wenige Stunden vor WM-Beginn vom Internationalen Curling-Verband eine Sondergenehmigung und damit das Startrecht für die WM bekommen. Die beiden infizierten Spielerinnen, die aus Datenschutzgründen nicht namentlich genannt werden, sind weiter in Quarantäne.

In einer Pressemitteilung des Weltcurlingverbandes WCF hieß es: „ Nach einer Untersuchung und zusätzlichen Tests - einschließlich Tests auf bedenkliche Varianten - wurde festgestellt, dass Personen aus dem Team Deutschland, die durchweg negative COVID-19-Ergebnisse erzielt haben, nun an der LGT-Curling-Weltmeisterschaft der Frauen 2021 teilnehmen dürfen.

Der verantwortliche Medizinische Leiter, Dr. Yuhao Shi, sagte: „Wir sind durch die zahlreichen negativen Ergebnisse beruhigt und zuversichtlich, dass durch verbesserte Tests und genaue Überwachung kein signifikantes Risiko für die anderen Wettbewerber besteht. “

Noch strengere Regeln für DCV-Auswahl

Für die drei verbliebenen Spielerinnen Daniela Jentsch, Mia Höhne und Analena Jentsch sowie die beiden Betreuer gelten nun noch strengere Regeln: Sie werden jeden Morgen zwei Stunden vor der ersten Sitzung des Tages einem Schnelltest unterzogen, gefolgt von einem sofortigen PCR-Test. Lesen Sie dazu auch unseren WM-Vorbericht mit der Füssenerin Daniela Jentsch.

Auch das weitere Vorgehen im Falle von weiteren Infektionen ist geklärt: „In der Situation, in der die Schnelltests ein positives Ergebnis liefern, werden alle deutschen Spiele für diesen Tag verschoben, bis die bestätigenden Ergebnisse ihres PCR-Tests vorliegen. Die Auswirkungen verschobener Spiele auf den Wettbewerbsplan würden vom Internationalen Verband einzeln bewertet. Der straffe Zeitplan der WM bietet aber kaum Möglichkeiten, sodass das DCV-Team bei weiteren Infektionen wohl davon ausgehen muss, dass die ausgefallenen Begegnungen am grünen Tisch als Niederlage gewertet werden.