Curling

WM-Ticker: Happy End für Füssener Frauen beim 7:6-Erfolg gegen Japan

Nach neun WM-Begegnungen verzeichnet das deutsche Team um Skip Daniela Jentsch bislang vier Siege und fünf Niederlagen. Für die Olympia-Qualifikation wird es langsam eng.

Nach neun WM-Begegnungen verzeichnet das deutsche Team um Skip Daniela Jentsch bislang vier Siege und fünf Niederlagen. Für die Olympia-Qualifikation wird es langsam eng.

Bild: Jeff Mcintosh/AP/dpa

Nach neun WM-Begegnungen verzeichnet das deutsche Team um Skip Daniela Jentsch bislang vier Siege und fünf Niederlagen. Für die Olympia-Qualifikation wird es langsam eng.

Bild: Jeff Mcintosh/AP/dpa

Nach den Niederlagen gegen Estland und Dänemark sind die deutschen Curlerinnen wieder in der Spur. Sieg gegen die Asiatinnen ist aber erst nach zwei Zusatz-Ends unter Dach und Fach.
05.05.2021 | Stand: 23:36 Uhr

Die deutsche Curling-Nationalmannschaft der Frauen fährt bei der Weltmeisterschaft im kanadischen Calgary weiterhin Achterbahn. Das Sonderstartrecht, wonach die Deutschen nach zwei Corona-Infektionen kurz vor WM-Beginn auch zu dritt antreten dürfen, hat das Team von Bundestrainer Uli Kapp in ein Wechselbad der Gefühle gestürzt. Einer Niederlage folgte meist ein Sieg, einem Sieg stets wieder eine Enttäuschung. Die Mannschaft um Kapitänin Daniela Jentsch ist aber nach neun WM-Begegnungen immer noch im Rennen um die Top-6-Plätze, die das Ticket für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking bedeuten. Zuletzt gab es einen hart umkämpften 7:6-Sieg gegen Japan. Mehr zu den Corona-Fällen im deutschen Team lesen Sie hier.

UPDATE, MITTWOCH, 22 Uhr:
Jubel nach der zweiten Verlängerung

Normal geht irgendwie nicht bei den deutschen Curlerinnen. Auch die neunte Partie gegen den Tabellenelften Japan wurde zur Zitterpartie für das nach wie vor personell geschwächte Team des CC Füssen. Erst nach über dreistündiger Spielzeit und zwei Zusatz-Ends stand der knappe 7:6-Erfolg gegen die Asiatinnen fest. Die Spielstatistik der erfolgreichen Steinschübe fiel mit 82 Prozent gegenüber 74 Prozent etwas deutlicher für die DCV-Auswahl aus. Mit diesem Sieg ist die deutsche Nationalmannschaft weiter auf Tabellenrang neun, der Rangsechste (derzeit Kanada) hat nur einen Sieg mehr auf der Habenseite. Die restlichen vier Vorrunden-Begegnungen haben es aber schon noch in sich für Jentsch & Co.: China (aktueller Tabellenplatz 7), Schweden (3), Tschechien (11) und die Schweiz (2) sind harte Brocken. Gleichwohl: für Überraschungen ist dieses deutsche Team bei dieser WM allemal gut; auch wenn es nur zu dritt antritt.

Die bisherigen Ergebnisse der deutschen Frauen:

  • Freitag, 30. April: D – RUS 4:8
  • Samstag, 1. Mai: D – USA 8:7
  • Samstag, 1. Mai: D – Schottland 6:7
  • Sonntag, 2. Mai: D – Korea 10:9
  • Sonntag, 2. Mai: D – Italien 6:10
  • Montag, 3. Mai: D – Kanada 6:2
  • Dienstag, 4. Mai: D – Estland 9:11
  • Dienstag, 4. Mai: D –Dänemark 6:7
  • Mittwoch, 5. Mai: D – Japan 7:6

Hier geht's zur aktuellen Tabelle des Weltcurlingverbandes.

Die weiteren Gegner für das deutsche Team

(alle Zeitangaben entsprechen der Mitteleuropäischen Sommerzeit):

  • Donnerstag, 6. Mai, 03.00 Uhr: China
  • Donnerstag, 6. Mai, 22 Uhr: Schweden
  • Freitag, 7. Mai, 17 Uhr: Tschechien
  • Freitag, 7. Mai, 22 Uhr: Schweiz

Die ersten sechs der insgesamt 14 Mannschaften der Vorrunde erreichen die Play-Offs und qualifizieren sich automatisch für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking.

UPDATE, MITTWOCH, 9 UHR:

Serie gerissen: erstmals zwei Niederlagen hintereinander

Geht dem deutschen Rumpf-Team nun doch langsam die Kraft und die Konzentration aus? In der achten WM-Partie gegen Dänemark verlor die Mannschaft von Bundestrainer Uli Kapp in der Nacht auf Mittwoch gegen Dänemark mit 6:7. Wie bislang fast alle deutschen Spiele endete auch der Vergleich gegen das Nachbarland im Norden hauchdünn. Im zehnten End hätten den Deutschen zwei Steine gereicht, um noch die Verlängerung zu erzwingen, doch es sollte nicht reichen. Mit nun drei Siegen und fünf Niederlagen belegen Daniela Jentsch & Co. Rang neun in der WM-Tabelle.

UPDATE, DIENSTAG, 9 UHR:

Last-Minute-Drama gegen Estland

Und täglich grüßt das Murmeltier. Die deutschen Curlerinnen haben es bei der WM in Calgary auch nach sieben Begegnungen nicht geschafft, zwei Siege hintereinander einzufahren. Der Dämpfer gegen Estland war um so bitterer, als die Deutschen bei einer 9:7-Führung im neunten End eigentlich einen Elfmeter vor sich liegen hatten, diesen aber nicht verwerten konnten. Im zehnten End glichen die Estinnen zum 9:9 aus und auch das Extra-End, also die Verlängerung, ging mit 2:0-Punkten an die Spielerinnen aus dem Baltikum. Eine schmerzhafte Niederlage nach dreistündiger Nervenschlacht. In der Tabelle tritt Deutschland damit als Siebter auf der Stelle. Ein Sieg gegen Estland hätte - bei einer gleichzeitigen 6:7-Niederlage der USA gegen Dänemark - mit vier Siegen sogar den Sprung auf Platz vier ermöglicht. Ein Blick aufs Tabellenende beweist die Unbeständigkeit der deutschen Frauen bei diesem Turnier. Die beiden Schlusslichter Estland und Italien haben nur einen Sieg verbucht - und zwar beide gegen Deutschland ...

UPDATE, MONTAG, 21 UHR:
Überragende Daniela Jentsch ebnet Sieg gegen Kanada

Rauf, runter, rauf, runter - das deutsche Curling-Nationalteam bleibt bei der WM dem Ruf einer Fahrstuhl-Mannschaft treu. Der unerwarteten Niederlage gegen Italien folgte am Montagabend ein nicht weniger überraschender 6:2-Sieg gegen Gastgeber Kanada. Andy Kapp, Ex-Nationalspieler und Bruder des aktuellen Bundestrainers Uli Kapp, schrieb unserer Redaktion nach dem Erfolg per WhatsApp: "Mal wieder etwas fürs Curling-Geschichtsbuch. Mit einer sensationellen Leistung zu dritt haben wir Kanada in den Abgrund gestürzt. Dani Jentsch sticht mit einer sensationellen Spielleistung mit 92 Prozent heraus." Schon vor der Partie strotze Bruder Uli Kapp vor Selbstbewusstsein: "Wir müssen und können es für uns nutzen, dass Kanada mit einem Sieg und vier Niederlagen einen richtig schlechten Start hingelegt hat und gegen uns extrem unter Druck steht." Letztlich beherzigten seine Athletinnen die Marschroute, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Die Partie war lange heiß umkämpft. Nach sieben Ends stand es gerade einmal 3:2 für Deutschland. Der achte Durchgang ging mit einem Punkt an Jentsch & Co, der neunte mit 2:0. Der Triumph war vollbracht. Während Kanada auf den vorletzten Tabellenplatz abrutschte, kletterte das deutsche Team wieder einen Rang nach oben auf Platz sieben. Der Traum von der direkten Olympia-Qualifikation lebt wieder...

UPDATE, MONTAG, 1 UHR:
Lange Gesichter nach Niederlage gegen Italien

Niederlage, Sieg, Niederlage, Sieg - dieser Serie ist die deutsche Curling-Nationalmannschaft der Frauen treu geblieben. Im fünften WM-Match unterlag das Team von Bundestrainer Uli Kapp (Füssen) der bisher noch sieglosen Auswahl Italiens mit 6:10. Dabei hatte Kapp einen Erfolg gegen die Italienerinnen fest einkalkuliert. Schaut man sich das Ergebnis genauer an, liegt die Vermutung nahe, dass dem dezimierten deutschen Team nach vier kräftezehrenden Partien zu dritt die Puste, vor allem aber die Konzentration ausgehen könnte. Nach dem siebten End hatten die Deutschen noch 6:3 geführt und sahen schon wie der sichere Sieger aus. Doch das achte End ging mit 5:0 und das neunte End mit 2:0 an die Italienerinnen um Skip Stefania Constantini. Die nach dem Sieg gegen Korea genährten Hoffnungen auf eine direkte Olympia-Qualifikation haben einen herben Dämpfer bekommen. Das deutsche Team ist auf Tabellenrang acht abgerutscht. Die dahinter liegenden Däninnen und Japanerinnen haben zwei Partien weniger. Wegen weiterer Corona-Fälle bei Fernseh-Teams mussten am Sonntag vier Partien der siebten Vorrunden-Session verschoben werden. Ein neuer Zeitplan soll im Laufe des Montags veröffentlicht werden. Bis Dienstag sind alle Live-Übertragungen gestrichen.

UPDATE, SONNTAG, 18 UHR:
Großes Lob vom Verbandschef

Positiv überrascht vom bisherigen Abschneiden der deutschen Curling-Frauen ist auch der Präsident des Deutschen Curling-Verbandes, Bernhard Mayr. Der 54-jährige gebürtige Münchener, früher selbst aktiver Curler und verheiratet mit der ehemaligen Europameisterin Christina Haller, schickt nach einem Gespräch mit allgaeuer-zeitung.de Glückwünsche aus dem heimischen Schwenningen nach Kanada: "Toll, wie die Mädels kämpfen. Eigentlich haben sie zu dritt keine Chance, wachsen aber jetzt bei den ersten WM-Spielen über sich hinaus." Die Füssener Eissportlerinnen, so der Automobil-Manager, würden es schaffen, negative Energie in positive umzuwandeln. Mayr wörtlich: "Unser Team nimmt die schwiergie Situation nach den Corona-Infektionen an und zeigen eine tolle Einstellung. Ihr Fokus scheint zu stimmen", so Mayr.

UPDATE, SONNTAG, 10 UHR:
Zweiter Sieg bringt Trainer in Verzückung

Damit war nun wirklich nicht zu rechnen. In der Nacht auf Sonntag haben die deutschen Curlerinnen ihr viertes WM-Spiel gegen Korea, den Silbermedaillen-Gewinner von Pyeongchang 2018, denkbar knapp mit 10:9 für sich entschieden. Damit hat das dezimierte Team um Skip Daniela Jentsch seine Bilanz ausgeglichen. Mit zwei Siegen und zwei Niederlagen belegt das DCV-Team nach sechs von insgesamt 23 Sessions Tabellenplatz sieben. Die ersten sechs Mannschaften kommen in die WM-Play-Offs und sichern sich die direkte Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Vor der Partie gegen Korea und nach dem Sieg gegen die USA hatte Bundestrainer Uli Kapp noch gesagt: "Wenn uns in den Spielen drei und vier gegen Schottland und Korea ein weiterer Sieg gelingen würde, dann wäre das der absolute Wahnsinn." Der ist nun - trotz des widrigen WM-Starts mit den beiden positiven Corona-Fällen im deutschen Team Realität.

UPDATE, SAMSTAG, 20 UHR:
Füssener bringen Schottland ins Wanken

Besser als erwartet kamen die Jentsch-Schwestern Daniela und Analena sowie Mia Höhne (alle CC Füssen) zu dritt auch im dritten WM-Spiel zurecht. Gegen den haushohen Favoriten und Tabellenführer Schottland unterlagen die Deutschen äußerst knapp nur mit 6:7. Nach dem sechsten End war die Partie beim 5:5 noch vollkommen offen, am Ende hat die Spielerinnen von der Insel die Nase knapp vorn. Damit haben die deutschen Curlerinnen die Vorgaben von Bundestrainer Uli Kapp erneut erfüllt. Er hatte vor der Partie gemeint: "Gegen Schottland geht es darum, einfach dagegenzuhalten und unsere Chancen zu suchen." Ein Sieg werde nicht erwartet, auch nicht in der folgenden Partie gegen den Olympia-Zweiten Korea, die in der Nacht auf Sonntag stattfindet.

UPDATE, SAMSTAG, 9 UHR:
Trainer Kapp lobt seine Mädels

Bundestrainer Uli Kapp hat sich vor dem Ins-Bett-gehen noch bei uns in der Redaktion gemeldet. Der 50-jährige Füssener erklärt die Besonderheiten des Spiels zu dritt: "Analena Jentsch auf Position eins und Mia Höhne auf Position 3 übernehmen die Rolle der ausgefallenen Spielerin und müssen vorneweg jeweils drei Steine spielen. Das ist eine festgelegte Regelung, die verhindert, dass Skip Daniela Jentsch hintenraus die Steine spielen darf." Kapp verweist zudem auf die Schwierigkeit, dass "natürlich eine Wischerin fehlt". Man müsse sich die Kräfte gut einteilen. Auch die Spielweise muss angepasst werden." Insgesamt zieht der Bundestrainer den Hut vor seinen Athletinnen: "Das verlangt den Mädels schon einen komplett anderen Spielrhythmus ab."

Kapp zu den ersten beiden Partien: "Gegen Russland haben wir versucht, erst einmal Bindung zum Eis zu bekommen. Wir waren nicht darauf aus, jetzt gleich einen Überraschungscoup zu landen. Es war schon okay, aber in manchen Bereichen auch noch recht wackelig. Gegen die USA hat es dann sehr gut geklappt, das Niveau weiter nach oben zu bringen. Wir sind mit etwas Pech in Rückstand geraten, aber im Mittelteil haben die Mädels das sehr, sehr gut gemacht. Wenn wir weiter so auftreten, haben wir gute Chancen, auch zu dritt als Sieger vom Eis zu gehen. Vor zwei Tagen war wir raus aus dem Wettbewerb, jetzt sind wir mittendrin. Wir sind dafür sehr dankbar und sagen uns: Alles, was wir noch spielen dürfen, ist in unserer Situation Bonus. Der Sieg gegen die USA war enorm wichtig für die Moral und den Kopf."

Startrecht erst kurz vor WM-Beginn

Deutschland hatte erst wenige Stunden vor WM-Beginn vom Internationalen Curling-Verband eine Sondergenehmigung und damit das Startrecht für die WM bekommen. Die beiden infizierten Spielerinnen, die aus Datenschutzgründen nicht namentlich genannt werden, sind weiter in Quarantäne.

In einer Pressemitteilung des Weltcurlingverbandes WCF hieß es: „ Nach einer Untersuchung und zusätzlichen Tests - einschließlich Tests auf bedenkliche Varianten - wurde festgestellt, dass Personen aus dem Team Deutschland, die durchweg negative COVID-19-Ergebnisse erzielt haben, nun an der LGT-Curling-Weltmeisterschaft der Frauen 2021 teilnehmen dürfen.

Der verantwortliche Medizinische Leiter, Dr. Yuhao Shi, sagte: „Wir sind durch die zahlreichen negativen Ergebnisse beruhigt und zuversichtlich, dass durch verbesserte Tests und genaue Überwachung kein signifikantes Risiko für die anderen Wettbewerber besteht. “

Noch strengere Regeln für DCV-Auswahl

Für die drei verbliebenen Spielerinnen Daniela Jentsch, Mia Höhne und Analena Jentsch sowie die beiden Betreuer gelten nun noch strengere Regeln: Sie werden jeden Morgen zwei Stunden vor der ersten Sitzung des Tages einem Schnelltest unterzogen, gefolgt von einem sofortigen PCR-Test. Lesen Sie dazu auch unseren WM-Vorbericht mit der Füssenerin Daniela Jentsch.

Auch das weitere Vorgehen im Falle von weiteren Infektionen ist geklärt: „In der Situation, in der die Schnelltests ein positives Ergebnis liefern, werden alle deutschen Spiele für diesen Tag verschoben, bis die bestätigenden Ergebnisse ihres PCR-Tests vorliegen. Die Auswirkungen verschobener Spiele auf den Wettbewerbsplan würden vom Internationalen Verband einzeln bewertet. Der straffe Zeitplan der WM bietet aber kaum Möglichkeiten, sodass das DCV-Team bei weiteren Infektionen wohl davon ausgehen muss, dass die ausgefallenen Begegnungen am grünen Tisch als Niederlage gewertet werden.