Bordelle öffnen in Bayern am Freitag, Betreiber aus München: "Geschäft hat sich verändert"

Wenn der Freistaat am Wochenende nach einer langen Corona-Durststrecke wieder in das Nachtleben startet, dürfen auch Bordellbetriebe wieder öffnen. Doch die Pandemie hat das älteste Gewerbe der Welt hierzulande nachhaltig verändert.

Wenn der Freistaat am Wochenende nach einer langen Corona-Durststrecke wieder in das Nachtleben startet, dürfen auch Bordellbetriebe wieder öffnen. Doch die Pandemie hat das älteste Gewerbe der Welt hierzulande nachhaltig verändert.

Bild: Andreas Arnold, dpa (Symbolbild)

Wenn der Freistaat am Wochenende nach einer langen Corona-Durststrecke wieder in das Nachtleben startet, dürfen auch Bordellbetriebe wieder öffnen. Doch die Pandemie hat das älteste Gewerbe der Welt hierzulande nachhaltig verändert.

Bild: Andreas Arnold, dpa (Symbolbild)

Nach monatelanger Zwangspause dürfen Bordelle in Bayern am Freitag wieder öffnen. Der Betreiber eines FKK-Clubs aus München freut sich auf den Neustart.
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dpa
01.03.2022 | Stand: 08:12 Uhr

Diana Aurora Pfaffl hat Tränen in den Augen. "Normalerweise sind hier Leute, ist hier Leben", sagt sie und zeigt in den leeren Raum. "Und jetzt, seit zwei Jahren: nichts mehr." Bestimmt 1000 Liter Getränke habe sie wegschütten müssen. "Das zahlt uns keiner."

Die 35-Jährige arbeitet an der Bar in einem Bordell an der Landsberger Straße in München. Der Laden gehört ihrem Mann Stefan. "Wir haben wegen Corona jetzt Hunderttausende Euro Schulden", sagt sie und zuckt mit den Schultern. "Aber wenn ich daran denke, dass es jetzt wieder losgeht, freue ich mich wahnsinnig."

Zwar ist die Prostitution in Bayern derzeit schon wieder erlaubt. Es handle sich "grundsätzlich um einen Fall der (erlaubten) körpernahen Dienstleistung", teilt das Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. Doch das gilt nicht für Bordellbetriebe wie den des Ehepaars Pfaffl.

Am 4. März ändern sich die Corona-Regeln im Freistaat

In dem in dieser Woche noch geltenden 15. bayerischen Infektionsschutzgesetz heißt es unter Paragraf 12: "Clubs, Diskotheken, Bordellbetriebe und vergleichbare Freizeiteinrichtungen sind geschlossen, Tanzveranstaltungen sind, soweit es sich nicht um Sportausübung handelt, untersagt."

Lesen Sie dazu auch: Illegale Prostitution: Kemptener Puff-Betreiber kritisieren Polizei und Ordnungsamt

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Doch genau das soll sich zum 4. März ändern. Dann tritt der Bund-Länder-Beschluss in Kraft, der es Nachtclubs wieder erlaubt, zu öffnen. Für Diskotheken und Clubs, sogenannte "Tanzlustbarkeiten", soll dann die 2G-plus-Regelung gelten. Darunter fallen auch "FKK-Clubs" wie der der Pfaffls. Der bayerische Ministerrat wird diesen Beschluss voraussichtlich am Mittwoch für den Freistaat umsetzen.

Viele Prostituierte aus Bayern sind in Länder mit weniger strengen Regeln gegangen

"Wir haben jetzt - mit einer kurzen Unterbrechung von zwei Monaten - seit zwei Jahren ununterbrochen zu", sagt Pfaffl. Und so sehr er sich auf den Neustart freut - ganz leicht sei das nicht. Denn das Geschäft hat sich verändert - womöglich nachhaltig. "Es ist gar nicht so einfach, wieder Frauen zu finden, die hier arbeiten. Viele sind abgewandert in Länder wie Holland und die Schweiz, wo die Regeln nicht so streng waren."

Zwischen dem 1. Oktober und dem 23. November 2021 gab es diese kurze Unterbrechung. "Da war hier wahnsinnig viel los", sagt Pfaffl. "Klar, die Leute hatten Nachholbedarf."

Im Übrigen handelt es sich bei der Ausübung der Prostitution grundsätzlich um einen Fall der (erlaubten) körpernahen Dienstleistung. Gemäß der aktuell geltenden 15. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung darf im Hinblick auf geschlossene Räume der Zugang zu diesen Dienstleistungen nur durch Besucher erfolgen, die geimpft, genesen oder getestet sind (3G-Regelung).

Zur Oktoberfestzeit arbeiten mehr Frauen in dem Münchner Bordell

Normalerweise arbeiten acht bis zehn Frauen an einem Abend in seinem Club - als Selbstständige, wie Pfaffl betont. "Zur Wiesn können es auch schon mal 15 sein." Aber ob die auf Dauer alle wiederkommen, wisse er nicht. "Manche haben sich normale, anständige Berufe gesucht und arbeiten jetzt als Kassiererin", sagt er. "Die verdienen da zwar weniger, sind aber glücklich, jetzt ein normales Leben führen zu können."

Das sei die eine, die durchaus positive Seite, sagt der Bordell-Betreiber. "Aber der weitaus größere Teil arbeitet schwarz in irgendwelchen Hotelzimmern - ohne Schutz und zu Preisen, die die Frauen nicht bestimmen können."

Dass Prostituierte zunehmend im Verborgenen arbeiten, beobachtet der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen schon länger. "Corona hat das noch beschleunigt", sagte die politische Sprecherin Johanna Weber schon im vergangenen Jahr. "Viele waren ja gezwungen, während des Lockdowns heimlich zu arbeiten, weil sie keine Unterstützung bekommen haben." Dabei hätten die Frauen gelernt, sich selber zu vermarkten und wollten nun die Abgaben an das Bordell sparen oder die harten Corona-Regeln in den Bordellen umgehen.

Wegen geschlossenen Bordellen: Illegale Prostitution nimmt zu

Tatsächlich sind die Ermittlungsverfahren wegen illegaler Prostitution in München in die Höhe geschnellt: 2019 führte die Staatsanwaltschaft noch 87 Verfahren wegen unerlaubter Prostitution, 2020, im ersten Corona-Jahr, waren es 209 und im vergangenen Jahr sogar 264 Verfahren.

"Auch vorher sind die Zahlen schon leicht angestiegen. Aber dieser verstärkte Anstieg dürfte mit Corona zu tun haben, insbesondere weil die Bordelle geschlossen waren", sagt Anne Leiding, die Sprecherin der Behörde. Wie es bayernweit aussieht, wird nach Angaben des Justizministeriums die Strafverfolgungsstatistik zeigen, die erst Ende des Jahres veröffentlicht wird.

Bordellbetreiber Pfaffl sieht neben den Gefahren für die Prostituierten in der Illegalität noch eine andere unschöne Entwicklung: "Die Aggression hat zugenommen", sagt er. Das sei schon in den wenigen Wochen 2021 spürbar gewesen, als sein Laden offen hatte. "Ich hoffe, dass sich das wieder legt."

Diana Aurora freut sich auf die Gäste. "All die Männer, die hier im Bademantel rumlaufen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal so vermissen würde."

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