Wann greifen die Maßnahmen?

Corona im Freistaat: Bereits acht Regionen sind "dunkelrot"

Markus Söder (rechts) und Münchens OB Dieter Reiter (SPD) machen sich große Sorgen um die Entwicklung der Infektionszahlen in der Landeshauptstadt und im Freistaat.

Markus Söder (rechts) und Münchens OB Dieter Reiter (SPD) machen sich große Sorgen um die Entwicklung der Infektionszahlen in der Landeshauptstadt und im Freistaat.

Bild: Peter Kneffel, dpa

Markus Söder (rechts) und Münchens OB Dieter Reiter (SPD) machen sich große Sorgen um die Entwicklung der Infektionszahlen in der Landeshauptstadt und im Freistaat.

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Das Gesundheitssystem ist besser vorbereitet als noch im Frühjahr, sagt Ministerpräsident Söder. Auch wenn die Corona-Zahlen weiter steigen.
Markus Söder (rechts) und Münchens OB Dieter Reiter (SPD) machen sich große Sorgen um die Entwicklung der Infektionszahlen in der Landeshauptstadt und im Freistaat.
dpa
22.10.2020 | Stand: 17:20 Uhr

Wegen ungebremst steigender Corona-Zahlen gelten von Freitag an in mittlerweile drei Viertel der Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern eine verschärfte Maskenpflicht, strikte Kontaktbeschränkungen und eine Sperrstunde in der Gastronomie. Acht Regionen haben sogar die von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eingeführte neue "dunkelrote" Warnstufe erreicht - dort dürfen Veranstaltungen nur noch mit maximal 50 Teilnehmern stattfinden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) rechnet damit, dass die Corona-Infektionszahlen zunächst weiter deutlich steigen und mahnt zur Geduld. Er befürchte, dass die Infektionszahlen bald wieder exponentiell in die Höhe schnellen dürften, sagte Söder am Donnerstag im Gesundheitsamt in München. "Wir hoffen, dass dann in zwei Wochen Wirkungen kommen von den Maßnahmen."

"Gefahr deutlich reduziert"

Dennoch sei das Gesundheitssystem besser vorbereitet als noch zu Beginn der Pandemie, betonte Söder: "Die Gefahr, dass es uns so erwischt wie im Frühjahr, die Alten-, die Pflegeheime, die Krankenhäuser, ist deutlich reduziert." Die Nachverfolgung von Infektionsketten müsse trotz der rasch ansteigenden Zahlen so lange wie möglich gewährleistet werden, sagte der Ministerpräsident und rief erneut alle Menschen zu Vorsicht und Umsicht auf. "Wenn wir jetzt ein bisschen mehr machen, dann bleibt uns vieles andere dann erspart." Nötig seien Geduld, gute Nerven, Disziplin, Rücksichtnahme und Solidarität.

Sieben-Tage-Inzidenz: Münchens Wert liegt über 82

Die neuen Beschränkungen in den "dunkelroten" Corona-Hotspots mit drastischen Zahlen weit jenseits der bisherigen Warnstufen gelten nun von Freitag an. Das ist einen Tag später als zunächst angekündigt: Ursprünglich hätten die neuen Auflagen - also die Begrenzung für Veranstaltungen aller Art auf maximal 50 Teilnehmer und eine Sperrstunde ab 21.00 Uhr - schon am Donnerstag in Kraft treten sollen.

In der Landeshauptstadt München stieg die Infektionsrate je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen am Donnerstag auf über 82, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) – die Zahl sei "unglaublich hoch". Mithilfe der Maßnahmen erhoffe er sich aber eine Entspannung der Situation: "Ich bin sicher, dass wird die Ergebnisse spätestens zu Ferienbeginn sehen werden. Ich hoffe darauf, dass die Inzidenzwerte nicht weiter steigen und dass wir gemeinsam dieses Thema in den Griff bekommen."

Immer mehr Landkreise mit 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner

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Über dem Wert von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lagen am Donnerstag laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Stadt und Landkreis Schweinfurt, der Landkreis Neustadt an der Waldnaab, Weiden in der Oberpfalz, Augsburg, der Landkreis Passau sowie der Kreis Berchtesgadener Land mit einer Rekord-Sieben-Tage-Inzidenz von 292. Zusammen mit dem Kreis Rottal-Inn - der nach Angaben eines Sprechers ebenfalls über der 100er-Marke lag, wegen eines technischen Übermittlungsfehlers aber in der LGL-Liste mit einem falschen Wert geführt wurde - sind somit acht Landkreise und kreisfreie Städte von der Stufe "dunkelrot" betroffen.

In 46 weiteren Landkreisen und kreisfreie Städten steht die bayerische Corona-Ampel auf Rot, weil dort der Wert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten wurde. Dort dürfen sich nur noch zwei Hausstände oder maximal fünf Personen treffen, Gaststätten müssen um 22.00 Uhr schließen, und es gilt eine Maskenpflicht im Unterricht auch für Grundschüler - von dieser Regel sind aber inzwischen einige Städte und Landkreise abgewichen, darunter auch die Landeshauptstadt.

In 21 weiteren Landkreisen und kreisfreien Städten mit einem Corona-Wert zwischen 35 und 50 steht die Ampel auf Gelb: Dort gilt eine Sperrstunde ab 23.00 Uhr und es dürfen sich nur zwei Hausstände oder maximal zehn Personen treffen. Und schon ab dem 35er-Wert, also aktuell in 75 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte, gilt eine verschärfte Maskenpflicht auch am Arbeitsplatz sowie auf stark frequentierten öffentlichen Plätzen, etwa in Fußgängerzonen.