Corona-Politik

Getrübte Freude und neue Sorgen wegen Schulöffnungen in Bayern

Die Schulen in Bayern dürfen wieder öffnen. Die Freude darüber ist in einigen Städten und Landkreisen getrübt.

Die Schulen in Bayern dürfen wieder öffnen. Die Freude darüber ist in einigen Städten und Landkreisen getrübt.

Bild: Peter Kneffel, dpa

Die Schulen in Bayern dürfen wieder öffnen. Die Freude darüber ist in einigen Städten und Landkreisen getrübt.

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Nach Wochen des Distanzunterrichtes wird es an Bayerns Schulen wieder lauter. Doch nicht nur die steigenden Corona-Zahlen bereiten Unbehagen.
Die Schulen in Bayern dürfen wieder öffnen. Die Freude darüber ist in einigen Städten und Landkreisen getrübt.
dpa
22.02.2021 | Stand: 16:06 Uhr

Die Freude über die lange ersehnte Rückkehr von weiteren Kindern in Bayern an Schulen und Kitas wird in einigen Regionen von wieder steigenden Corona-Infektionszahlen getrübt. Gerade in den Städten und Landkreisen, in denen die Werte um die entscheidende Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche liegen, gab es zum Wochenstart große Verunsicherung bei Eltern, Lehrern und Kindern. Auch die sich immer weiter ausbreitenden Virusmutationen sorgen landesweit für Sorgen.

Ministerpräsident Söder warnt vor dritter Welle

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnte am Morgen vor der Gefahr einer dritten Pandemiewelle, hält die weiteren Schulöffnungen aber dennoch für richtig. "Nein, es ist kein Fehler", sagte der CSU-Chef am Montag vor einer Sitzung des Parteivorstands in München. Die Schüler brauchten eine Perspektive. Zur Erinnerung: Bayern geht mit der Öffnung ab diesem Montag schneller voran, als es Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Konferenz von Bund und Ländern vertreten hatte. Sie hatte Öffnungen vor dem 1. März abgelehnt.

"Wir haben jetzt Wechsel-Unterricht, wir haben eine Inzidenz-Abhängigkeit, wir haben Maske, wir haben Testkonzepte, also viel mehr an Sicherheitsfragen, das geht fast nicht", betonte Söder. In den kommenden zehn Tagen werde sich zeigen, wie sich die Öffnungen auf die Ausbreitung des Virus auswirkten.

Kultusminister Piazolo hat wegen Schulöffnungen "gemischte Gefühle"

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sprach auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur von "gemischten Gefühlen", wenngleich an diesem Tag die Freude überwiege, "dass wir wieder mehr Schüler an den Schulen haben". Nun müsse genau beobachtet werden, wie sich die Infektionszahlen weiter entwickeln, die Entscheidungen zu den einzelnen Schulen beim Überschreiten der 100er-Grenze würden dann in den jeweiligen Kommunen getroffen. Klar sei aber, dass die Gesundheit von Schülern und Lehrern immer Priorität habe.

Über dem kritischen Inzidenzwert von 100 lagen am Montag im Freistaat nach Angaben des Robert Koch-Instituts die Städte Nürnberg, Passau, Hof und Weiden in der Oberpfalz sowie die Landkreise Cham, Bayreuth, Schwandorf, Passau, Kulmbach, Neustadt an der Waldnaab, Hof, Wunsiedel und Tischenreuth. Aber auch die Stadt Bayreuth sowie die Landkreise Amberg-Sulzbach und Traunstein liegen mit einem Wert über 90 nahe an der 100er-Grenze.

Präsenzunterricht bei stabiler Inzidenz unter 100

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Nur wenn die Inzidenz in einer Region stabil unter 100 liegt, gibt es sicher wieder Präsenzunterricht für Grundschüler und eingeschränkten Normalbetrieb in den Kitas. Auch eine nächtliche Ausgangssperre gilt wieder ab dem 100er-Wert. Ob und wann die Schulen aber wieder in den Distanzunterricht und die Kitas wieder in die Notbetreuung wechseln, ist nicht einheitlich geregelt.

Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) teilte am Montagmittag mit, dass hier wegen der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen nach nur einem Tag die meisten Schüler wieder von zu Hause aus lernen müssten. Auch die Kitas kehren zur Notbetreuung zurück. Die Inzidenz lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Nürnberg am Montag bei 101,5. Ausgenommen von dem Distanzunterricht sind nach wie vor die Abiturklassen und bestimmte Abschlussklassen beruflicher Schulen, die bereits seit 1. Februar wieder an den Schulen lernen.

Landkreis Schwandorf will Infektionslage beobachten

Dagegen teilte der Landkreis Schwandorf in der Oberpfalz mit, die Infektionslage erst einmal beobachten zu wollen. Schulen und Kitas sollen demnach geöffnet bleiben. Am Dienstag will der Landkreis weitere Entscheidungen treffen. Der Landkreis Cham hatte schon am Sonntag die geplante Öffnung von Schulen und Kitas wieder rückgängig gemacht. Für die Abiturklassen, die schon seit 1. Februar wieder in der Schule sind, bleibe es aber beim Präsenzunterricht. In Passau blieben die Schulen direkt bis Mittwoch geschlossen, eine Entscheidung, wie es dann weitergeht, war zunächst noch unklar.

Der Landkreis Traunstein teilte schon am Freitag mit, dass es in dem Fall dann nach einer amtlichen Bekanntmachung ab dem Folgetag wieder Distanzunterricht geben werde. Der Landkreis Bayreuth erklärte nach längeren Überlegungen, dass die Schulen und Kitas diese Woche geschlossen blieben.

Gesundheitsbehörden vor Ort entscheiden über Schulöffnungen in Bayern

Grundsätzlich obliegt es den jeweiligen Gesundheitsbehörden vor Ort in Absprache mit der jeweiligen Bezirksregierung zu entscheiden, wie mit den Schulöffnungen oder eben Schließungen zu verfahren ist.

Seit Mitte Dezember sind wegen der Corona-Krise die Schulen in einem Notbetrieb. Nachdem wochenlang alle Schüler nur im Distanzunterricht waren, kehrten Anfang Februar die Abiturklassen von Gymnasien, Fachoberschulen (FOS) und Berufsoberschulen (BOS) sowie bestimmte Abschlussklassen beruflicher Schulen in den Präsenzunterricht unter strengen Hygieneauflagen zurück.

Nun folgten auch alle anderen Abschlussjahrgänge, etwa von Real-, Mittel- und Wirtschaftsschulen, sowie der Förderschulen. Auch sämtliche Grundschüler sind wieder im Wechselunterricht. In Summe sind damit theoretisch rund 40 Prozent der rund 1,7 Millionen Schüler nicht mehr im Distanzunterricht, nicht berücksichtigt sind bei den Zahlen die Schüler aus Regionen mit einer Inzidenz von mehr als 100.

Mindestabstand ist bei Präsenzunterricht einzuhalten

Auch dort, wo es wieder Präsenzunterricht gibt, dürfte eher selten die komplette Klasse gemeinsam im Klassenzimmer sitzen: Der Mindestabstand von 1,50 Metern muss zwingend eingehalten werden. Weil dies die meisten Räume platztechnisch nicht hergeben, werden die Klassen in der Regel geteilt und im tages- oder wochenweisen Wechsel unterricht werden.