Aus für Software gegen Einbrecher

Ruhestand für Kommissar Computer: Ein Opfer des eigenen Erfolgs?

Nachdem die Software "Precobs" zuerst in Bayern bei der Polizei eingesetzt wurde, zogen andere Bundesländer wie Baden-Württemberg schließlich nach. Nun wird das Programm zur Prognose von Einbrüchen  im Freistaat abgesetzt.

Nachdem die Software "Precobs" zuerst in Bayern bei der Polizei eingesetzt wurde, zogen andere Bundesländer wie Baden-Württemberg schließlich nach. Nun wird das Programm zur Prognose von Einbrüchen  im Freistaat abgesetzt.

Bild: Wolfram Kastl, dpa (Archiv)

Nachdem die Software "Precobs" zuerst in Bayern bei der Polizei eingesetzt wurde, zogen andere Bundesländer wie Baden-Württemberg schließlich nach. Nun wird das Programm zur Prognose von Einbrüchen  im Freistaat abgesetzt.

Bild: Wolfram Kastl, dpa (Archiv)

Einbrüche mithilfe einer Software vorhersehen und verhindern - das wollte die bayerische Polizei mit "Precobs" schaffen. Die Reaktionen zum Ende sind gespalten.
##alternative##
dpa
27.10.2021 | Stand: 17:01 Uhr

Gut sieben Jahre nach dem Test-Start hat die bayerische Polizei die für den Kampf gegen Einbrecher eingesetzte Software "Precobs" dauerhaft aussortiert. Das Prognose-Programm werde seit 1. Oktober nicht mehr genutzt, sagte der stellvertretende Leiter der zuständigen Abteilung beim Bayerischen Landeskriminalamt (LKA), Michael Grünleitner, am Mittwoch.

Der Software habe die Datengrundlage gefehlt, nachdem während der Pandemie deutlich weniger Einbrüche gemeldet worden seien.

Probleme mit "Precobs" - Programm schlug zu selten Alarm

"Wir bräuchten eine Software, die mit geringen und hohen Fallzahlen arbeiten kann", sagte Grünleitner. Weil "Precobs" bei zu wenigen Fällen zu selten Alarm gab, habe die Polizei das Programm auch nicht wie anfangs angedacht für die Bekämpfung anderer Verbrechen nutzen können. Das LKA arbeite nun daran, weiterhin mit Hilfe von Software Risikoanalysen erstellen zu können. Eine Art Nachfolge-Programm für "Precobs" zu entwickeln, sei dabei "nicht ausgeschlossen".

Mit der Software hatte das LKA in München und Nürnberg Kriminalitätsschwerpunkte besser herausfiltern wollen, um vor allem bei Einbrüchen professioneller Täter früher vor Ort zu sein. Die Funktion der Software beruht auf der Erfahrung, dass rund um den Ort eines Einbruchs innerhalb der nächsten Woche oft erneut eingebrochen wird. Bayern hatte 2014 als erstes deutsches Bundesland testweise mit dem Einsatz begonnen, andere Länder folgten. Datenschützer hatten zu Beginn Bedenken gegen das Programm geäußert.

Software wurde zuerst in Bayern eingeführt - andere Bundesländer zogen nach

Wie erfolgreich "Precobs" war, sei "schwierig zu beurteilen, weil man nicht messen kann, wie viele Einbrüche verhindert wurden", sagte Grünleitner. "Wir können nicht sagen, ob es sich gelohnt hat." Doch die Software habe vor Corona ausreichend oft Alarm geschlagen, die Erfahrungen mit dem Programm seien bei der Weiterentwicklung in diesem Bereich "ein wertvoller Baustein". Insgesamt habe der Einsatz von "Precobs" in Bayern "einen sechsstelligen Betrag" gekostet.

Lesen Sie auch
##alternative##
"Precobs"

Bayerische Polizei nutzt Prognose-Software gegen Einbrecher nicht mehr

Der polizeipolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Alfred Grob, bezeichnete die Software als "Erfolg". Die Zahl der Einbrüche sei "in Bayern seit 2014 Jahr für Jahr zurückgegangen". Zwar sei das zuletzt vor allem auf die Corona-Pandemie zurückzuführen gewesen, ein Stück weit sei "Precobs" aber auch Opfer des eigenen Erfolgs.

Das Logo vom bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) ist an der Tür zu einem Serverraum in einem Rechenzentrum vom bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) zu sehen. Gut sieben Jahre nach dem Start hat das BLKA die Nutzung der Software «Precobs» zum Kampf gegen Einbrecher eingestellt.
Das Logo vom bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) ist an der Tür zu einem Serverraum in einem Rechenzentrum vom bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) zu sehen. Gut sieben Jahre nach dem Start hat das BLKA die Nutzung der Software «Precobs» zum Kampf gegen Einbrecher eingestellt.
Bild: Matthias Balk, dpa (Archiv)

Ähnlich äußerte sich der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft in Bayern, Jürgen Köhnlein: "Dass jetzt aufgrund der rückläufigen Zahlen das Projekt auf Eis gelegt wird, ist sicherlich hinsichtlich des positiven Grundes zu verschmerzen."

Vor sieben Jahren ging "Precobs" im Freistaat an den Start

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Schuster, sieht "Precobs" dagegen als gescheitertes Vorzeigeprojekt der Staatsregierung. "Das jetzige Aus war absehbar", sagte Schuster. Schon 2017 sei festgestellt worden, dass der Effekt der Software "deutlich kleiner als erhofft ist". Dass es in Bayern weniger Wohnungseinbrüche gebe, liege vor allem an der Arbeit der Polizisten.

Ähnlich bewertete der Sprecher für Digitalisierung der Grünen-Landtagsfraktion, Benjamin Adjei, das Aus: "Das Projekt muss eingestellt werden, da es aufgrund niedriger Fallzahlen zu wenig Daten für eine solide Datenanalyse gibt. Daran zeigt sich, wie wichtig die Arbeit unserer Polizistinnen und Polizisten ist." (Lesen Sie auch: Digitale Supermärkte: Sieht so das Einkaufen der Zukunft aus?)

Stimmen aus der Politik zum Ende des Projektes sind gemischt

Auch der innenpolitische Sprecher der Freien Wähler im Landtag, Wolfgang Haubner, betonte: "Wir sind der Ansicht, dass die Polizei am besten draußen bei den Menschen in der Fläche Bayerns eingesetzt ist – nicht in Stuben oder Stäben hinter Hochleistungsrechnern." Der stellvertretende FDP-Fraktionssprecher, Alexander Muthmann, sagte, "angesichts des geringen Nutzens" könne das Programm letzlich "nicht als Erfolg bewertet werden".

Der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Richard Graupner, nannte das Aus für die Software "folgerichtig". Gerade zu Beginn des Projekts habe das Programm zwar zu Erfolgen geführt, später habe die Qualität der Prognosen aber abgenommen. (Lesen Sie auch: Zuckerberg will Facebook-Apps auf junge Nutzer ausrichten)