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Minister Blume unter Druck: Raubkunst und Missstände bei Bayerischen Staatsgemäldesammlungen

Kunst in Bayern

Ärger um Raubkunst und Missstände: Gemäldesammlungen bringen Minister Blume unter Druck

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    Auch die Pinakothek der Moderne und die Alte Pinakothek (im Hintergrund) in München gehören zu den Staatsgemäldesammlungen. Doch seit einigen Monaten sorgt dieses Flaggschiff des Kulturstaats Bayern vor allem für Negativ-Schlagzeilen.
    Auch die Pinakothek der Moderne und die Alte Pinakothek (im Hintergrund) in München gehören zu den Staatsgemäldesammlungen. Doch seit einigen Monaten sorgt dieses Flaggschiff des Kulturstaats Bayern vor allem für Negativ-Schlagzeilen. Foto: Sven Hoppe, dpa

    Was ist nur los bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, dem Flaggschiff des Kulturstaats Bayern? Anfang des Jahres sorgte zunächst der Vorwurf für Schlagzeilen, die dem Münchner Kunstminister Markus Blume (CSU) unterstehende Institution verschleppe vorsätzlich die Rückgabe von hunderten Werken potenzieller NS-Raubkunst.

    Der Minister selbst sprach Ende Februar im Landtag von einem „Zustand der Unerträglichkeit“, der beendet werden müsse. Doch echte Transparenz, was denn nun stimmt an den Vorwürfen und wie künftig alles besser werden soll, gibt es bis heute nicht. Gar bis Ende 2026 will sich Blumes Ministerium nun Zeit lassen, um einen Fragenkatalog der Landtags-Grünen zu diesem Thema zu beantworten. Für manche der betagten NS-Opfer und ihrer Nachfahren, die ohnehin schon lange genug hingehalten wurden, könnten diese Antworten vielleicht zu spät kommen.

    Wertvolle Gemälde neben Reinigungsmitteln in Putzräumen gelagert?

    Seit April gärt nun auch noch ein weiteres unschönes Thema rund um die Staatsgemäldesammlungen, zu der die drei Münchner Pinakotheken, das Museum Brandhorst, die Sammlung Schack und zwölf Staatsgalerien in ganz Bayern gehören: Von haarsträubenden Missständen berichteten der „Deutschlandfunk“ und die „Süddeutsche Zeitung“: So sollen wertvolle Gemälde alter Meister in Putzräumen neben Eimern und Reinigungsmitteln gelagert worden sein. Mitarbeiter seien aufgefordert worden, Kollegen zu bespitzeln, etwa was die Dauer von Toilettenbesuchen betrifft. Externe Sicherheitskräfte seien ohne Sicherheitsprüfung und Anmeldung beschäftigt worden. Tür-Codes zu den unschätzbar wertvollen Kunstsammlungen habe man trotzdem kaum jemals geändert, die Alarmanlagen tagsüber ausgeschaltet und keinen Überblick über Entnahmen von Kunstwerken aus den Depots gehabt.

    Manche dieser Vorwürfe stimmten schlicht nicht, hört man dazu aus Blumes Ministerium. Der Minister selbst hatte jedoch Anfang April den bisherigen Generaldirektor Bernhard Maaz durch den früheren Münchner Kulturreferenten Anton Biebl ersetzt. „Es gab und gibt Hinweise und Vorwürfe zu Fehlverhalten und an manchen Stellen auch Organisationsversagen“, räumte Blume damals ein. Biebl solle nun „dieses Schiff wieder auf Kurs“ bringen.

    Was aber tatsächlich faul war und ist im Münchner „Tempel der Kunst“ und wie derartiges Fehlverhalten künftig verhindert werden soll, bleibt auch knapp vier Monate später immer noch unklar. Die Grünen versuchten deshalb nun im Landtag mit der Forderung nach einem Minister-Bericht zu der von ihm versprochenen Aufklärung und Neuorganisation Licht ins Dunkel zu bringen, scheiterten damit aber an der Landtagsmehrheit von CSU und Freien Wählern.

    CSU und Freie Wähler: Druck aus dem Landtag für schnelle Aufklärung unnötig

    „Da braucht man eben etwas Geduld“, erklärte der CSU-Mann Robert Brannekämper die Ablehnung: Blumes Ministerium habe alle Fragen ohnehin längst „auf dem Radar“ - Druck aus dem Landtag sei also überflüssig. Man müsse erst „abwarten, was da kommt“, findet auch der Freie Wähler Michael Piazolo: Es werde aber wohl noch „eine Weile dauern, bis man über alles Bescheid weiß“. Vielleicht im Herbst könne sich Blume im Landtag äußern, erklärte eine Vertreterin seines Ministeriums.

    Soll da etwa ein unangenehmes Thema auf der langen Bank verhungern? „Wenn ein Problem derart schwelt, wäre schnelle Aufklärung nötig“, findet jedenfalls die Grünen-Kulturpolitikerin Sanne Kurz. Blume finde zwar viele schöne Worte: „Trotzdem wissen wir immer noch nix.“ Doch der Druck auf den Minister, seinen Worten endlich Taten folgen zu lassen, steigt: Blume spreche schon seit Monaten von Transparenz und Veränderung bei den Staatsgemäldesammlungen, kritisiert Kurz: „Faktisch passiert aber viel zu wenig für einen echten Kulturwandel dort.“

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