Corona-Test für alle

Ministerpräsident Söder verteidigt Corona-Massentests und fordert bundesweite Nachahmer

ARCHIV - 05.05.2020, Bayern, München: Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, kommt nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts zu einer Pressekonferenz. (zu dpa: Bayern kündigt Corona-Tests für jedermann an) Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Söder verteidigt die bayerische Strategie, Corona-Test für jedermann anzubieten.

Bild: Sven Hoppe, dpa

Söder verteidigt die bayerische Strategie, Corona-Test für jedermann anzubieten.

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Wie viele Tests braucht es, damit die Gefahr unbemerkter Ansteckungen möglichst gering bleibt? Bayerns Prinzip "Masse für alle" stößt in Berlin auf Kritik.

dpa
29.06.2020 | Stand: 12:37 Uhr

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat die Kritik von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an den geplanten Corona-Tests für jedermann in Bayern zurückgewiesen. "Das ist die einzige ernsthafte Option, es wird sonst zu wenig getestet", sagte der CSU-Chef am Montag in München. Der Freistaat Bayern erweitere das Testangebot jetzt: "Wir warten nicht auf endlose Gespräche zwischen einzelnen Kostenträgern, sondern wir gehen in Vorleistung, weil wir glauben, dass neben Abstand halten Testen die einzige ernsthafte Chance ist, Infektionsketten zu unterbrechen."

Jeder könne sich in Bayern  testen lassen

Spahns Kritik, viele Corona-Tests ohne systematisches Vorgehen seien nicht zielführend, treffe auf Bayern nicht zu. "Wir haben ja genau ein System entwickelt", sagte Söder. Zunächst gebe es Serientests für das gesamte medizinische Personal sowie für die Bereiche Altenpflege und Behinderteneinrichtungen. Ferner werde dies auch Lehrern und Erziehern angeboten, da hier gerade nach den Ferien Gefahren für eine erneute Ansteckungswelle bestünden. Zum Konzept gehöre auch, dass es für jeden, der Krankheitssymptome verspüre, eine 24-Stunden-Garantie gebe, bis ein Testergebnis vorliege, sagte Söder. Auch jeder, der einfach nur unsicher sei, könne sich testen lassen.

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Mit Blick auf die Lage außerhalb Bayerns mahnte Söder "dringend" an, beim Ausbau des Gesundheitssystems nicht nachzulassen. "Dazu gehört dringend, die Gesundheitskapazitäten in den Krankenhäusern zu verbessern, die Gesundheitsdienste auszubauen und eben auch Testen zu stärken", sagte er. "Jeder, der Tests weniger macht, gefährdet damit insgesamt die verbesserte Situation, die wir derzeit haben."

Gesundheitsminister Spahn kritisiert bayerische Teststrategie

Als Beispiel nannte Söder die hohe Zahl an Corona-Fällen im Kreis Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) infolge der Vorkommnisse in einem Schlachtbetrieb. Plötzlich werde wieder alles getestet. "Hätte man das vielleicht ein bisschen eher gemacht, hätte man manches vielleicht verhindern können." Für Bayern bleibe es dabei: "Wir wollen einfach eine größere Testkapazität haben. Patientenschützer bedanken sich dafür und wollen es auch in ganz Deutschland."

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Spahn hatte am Montag bei Twitter das geplante Angebot von Corona-Tests für jedermann in Bayern kritisiert: "Einfach nur viel testen klingt gut, ist aber ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend. Denn es wiegt in falscher Sicherheit, erhöht das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belastet die vorhandene Testkapazität." der Gesundheitsminister betonte: "Testen, testen, testen - aber gezielt." Das entspreche der mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) entwickelten nationalen Teststrategie. "Dies beinhaltet umfassendes präventives Testen im Gesundheitswesen und bei lokalen Ausbrüchen wie in Gütersloh." Auch wie in Nordrhein-Westfalen in Schlachthöfen zweimal die Woche zu testen, habe Sinn.

Bayern will als erstes Bundesland Corona-Tests für alle ermöglichen - auf Wunsch auch für Menschen ohne Symptome und ohne besonders hohes Infektionsrisiko. Dafür übernimmt das Land Kosten, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden.