Auf dem deutschen Automarkt bahnt sich eine Trendwende an: Die Abneigung gegen Elektroautos schwindet. In einer Yougov-Umfrage im Auftrag des Versicherungskonzerns HUK äußerte sich erstmals eine knappe Mehrheit von 48 Prozent grundsätzlich positiv über E-Fahrzeuge. 45 Prozent bleiben skeptisch, der Rest ist unentschlossen. Gerade unter Menschen, die besonders viel fahren, wächst die Sympathie für Elektroautos. Doch nicht nur das Image scheint sich zu verbessern.
Dudenhöffer: „Preisunterschied zum Verbrenner deutlich gesunken“
Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer nennt noch einen zweiten Grund dafür, dass die Verkaufszahlen in dem bisher überschaubaren Segment steigen: „Der Preisunterschied zwischen E-Autos und Verbrennern ist auf weniger als 3000 Euro gesunken. Die Stromer werden für die Kunden immer günstiger und damit wird die Zahl der Zulassungen kontinuierlich steigen“, sagte er unserer Redaktion. Dudenhöffer ist überzeugt: „Höhere Effizienz in der Produktion und preiswertere Batterien machen das E-Auto spannend. Es wird eine Erfolgsgeschichte.“
Für die scheinbar in der Krise festgefahrene Autoindustrie könnte die Entwicklung zum so dringend ersehnten Hoffnungsschimmer werden. Tatsächlich hat sich die Stimmung in der Branche zuletzt überraschend verbessert. Laut Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts schauen die Unternehmen nicht mehr ganz so pessimistisch in die Zukunft. Noch sei aber unklar, ob das der Beginn einer Erholung ist oder nur ein kurzes Aufatmen, sagte Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl am Montag.
Immer mehr Privatkunden steigen auf Elektroautos um
Wichtig für die Autohersteller: Auch immer mehr Privatkunden entdecken die Elektromobilität laut der HUK-Studie für sich. Von April bis Juni stiegen rund ein Drittel mehr vom Verbrenner auf ein reines E-Auto um als im ersten Quartal. Einen ähnlich starken Anstieg hatte es zuletzt 2023 gegeben, bevor die staatliche Prämie auslief. Die neue Bundesregierung aus Union und SPD hat sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, den Ausbau der Elektromobilität wieder zu fördern. Noch ist allerdings unklar, ob es auch erneut einen Zuschuss für Kunden beim Autokauf gibt. Laut der Umfrage wünscht sich eine deutliche Mehrheit, dass bei einer solchen Kaufprämie nicht mehr nur der Erwerb von Neuwagen, sondern auch von gebrauchten E-Fahrzeugen unterstützt wird.
Höchster Anteil bundesweit: Bayern fährt bei E-Mobilität voraus
Bislang waren die Absatzzahlen vor allem von Dienstwagen getrieben worden. Für einen echten Durchbruch braucht die Branche aber viel mehr Masse: „Ob der Umstieg zur E-Mobilität in Deutschland gelingt, entscheidet sich im privaten Automarkt, denn er umfasst gut 90 Prozent des Gesamtmarktes“, sagt HUK-Vorstandsmitglied Jörg Rheinländer. Bayern fährt hier im Übrigen voraus: Zwar ist auch im Freistaat der Anteil von privat genutzten E-Autos mit 3,73 Prozent am Gesamtbestand noch gering, aber doch höher als in allen anderen Bundesländern. Auch beim Wechsel vom Verbrenner zum Elektroantrieb liegt Bayern mit an der Spitze. Nur in Niedersachsen stiegen in den vergangenen Monaten noch mehr Kunden um. In beiden Bundesländern spielt die Autoindustrie mit Konzernen wie Volkswagen, BMW oder Audi eine wichtige Rolle.
Für Dudenhöffer ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich das Elektroauto auch in der Breite durchgesetzt hat: „Die E-Wende in der Branche wird bereits in wenig Jahren geschafft sein. Das E-Auto wird deutlich vor 2030 genauso günstig oder preiswerter sein als die Verbrenner.“ Die politische Diskussion darüber, ob das Aus für Verbrennungsmotoren doch noch aufgeschoben werden soll, hält er für überflüssig. „Der Markt wird das E-Auto langsam, aber systematisch noch vorne bringen.“
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Registrieren sie sichSie haben ein Konto? Hier anmelden