Obergünzburg/Ostallgäu

Bergkäse-Bällchen auf Tour

Foodtruck

Foodtruck

Bild: Stefanie Gronostay

Foodtruck

Bild: Stefanie Gronostay

Wenn man den Begriff Essen auf Rädern hört, sind die Assoziationen zahlreich. So mancher mag an rüstige Rentner, dampfgegartes Gemüse auf Kartoffelbrei und an Schonkost denken. Doch eine Maultaschencurrywurst oder ein knallroter Truck gehören wahrscheinlich zu den letzten Dingen, die einem in den Sinn kommen. Dies ist aber bei Christian Hielscher aus Obergünzburg im Ostallgäu der Fall. Seit über zwei Jahren bietet der Koch eine etwas andere Version von Essen auf Rädern an. Mit seinem Foodtruck „Essmalwas“ bringt er Allgäuer Speisen neu interpretiert auf die deutschen Straßen. Statt sonntags zum Schweinebraten, werden die Knödel auf dem Burger gegessen, und statt in der Küche gekocht, wird im Truck gebraten.

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Von Stefanie Gronostay
20.12.2019 | Stand: 16:36 Uhr

„King of the Kitchen“, steht auf einem Schild, dass bei Hielscher am Arbeitsplatz hängt. Dieser ist genau sieben Quadratmeter groß – heute hier und morgen dort. In seinem „Foody“, wie Hielscher seinen Truck liebevoll nennt, bereitet Hielscher die ungewöhnlichsten Speisen zu. Statt Kartoffel- und Einheitsbrei stehen hier Maultaschencurrywurst in schwarzer Semmel und Leberkäse-Wrap auf der Speisekarte. „Alles Eigenkreationen“, sagt Hielscher, während er neue Burgerpaddies auf den Grill legt. Es ist Sonntagmittag und der gelernte Koch ist samt „Foody“ und Frau Anna in Kaufbeuren bei der Eröffnung eines Ladens. Bereits um 12 Uhr ist die Schlange vor dem Truck lang. Kunden rufen ihre Bestellungen über die Theke und sehen dabei zu, wie ihr Essen frisch zubereitet wird. Extrawünsche? „Kein Problem. Ich koche das, was sich der Kunde wünscht“, sagt Hielscher. Das könne vom Burger über Kässpatzen bis hin zum Kaiserschmarrn alles sein, solange es umsetzbar sei.

Mit ausgefallenen Ideen und Rezepten bildet Hielscher ein Pendant zur Currywurstbude um die Ecke. Als erster Foodtruck-Betreiber im Ostallgäu, wie er selbst sagt, setzt er auf Allgäuer Speisen im neuen Gewand. Die heimische Küche dient ihm dabei als Versuchslabor. „Meine Frau Anna muss dann immer Probe kosten“, sagt er und lacht. Seiner Kreativität setzt Hielscher dabei keine Grenzen. Er hat nur eine Regel: „Wir verkaufen nur das, was wir vorher selbst probiert haben“, sagt er. Inspiriert werde er häufig im Alltag. So sei auch der Knödelburger eher durch Zufall entstanden: „Auf einer Geburtstagsfeier bat uns ein Gast, statt Fleisch einen Knödel auf die Semmel zu legen“, sagt Hielscher. Der Burger kam so gut an, dass er in die Speisekarte aufgenommen wurde.

Einst arbeitete Hielscher in den Küchen von Sternerestaurants. Nun steht er in seinem Truck und bereitet Bergkäsebällchen mit Zwiebelringen vor, sogenannten „Foodys Alpen-Snack“. Fast jedes Wochenende ist das Ehepaar gemeinsam auf Tour. Zu Reibereien kommt es abseits des Spätzlehobelns nicht. „Die Rollen sind klar verteilt: Ich stehe am Herd und brate das Fleisch. Anna belegt und richtet an.“ Der Rekord der beiden lag bei 213 Portionen in eineinhalb Stunden.

Anstrengend finden die Hielschers ihre Arbeit nicht. Im Gegenteil: „Es macht richtig Spaß, besonders im Kontakt mit den Kunden“, sagt Hielscher. Er betreibt den Foodtruck nebenberuflich am Wochenende und verkauft auf Firmenveranstaltungen und Messen, aber auch auf privaten Feiern. Unter der Woche arbeitet er in der Logistik-Branche. Die Idee zum eigenen Truck kam ihm auf einer Streetfood-Meile. Die Umsetzung gestaltete sich jedoch schwierig. „Wir haben lange gebraucht, einen bezahlbaren Trailer zu finden“, sagt Hielscher. Sein „Foody“ war schließlich ein richtiger Glücksgriff. Schon von Weitem sieht man den leuchtend roten Wagen im Oldtimer-Design. Natürlich sei am Anfang die Angst groß gewesen, dass der Truck nicht läuft, sagt der 47-Jährige.

Eine Angst, die sich als unbegründet herausstellte. „Wir müssen uns die Wochenenden bewusst freihalten, sonst wären wir komplett ausgebucht“, sagt Hielscher. So kämen pro Woche schon mal fünf Anfragen rein. Bei all der Arbeit ist Hielscher umso glücklicher, dass seine Frau ihn bei seinem Traum unterstützt. „Ohne Anna wäre das alles nicht machbar. Sie unterstützt mich, wo sie nur kann“, sagt er und nimmt die nächste Bestellung auf.

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