Die Nachricht hat viele Gläubige und Musikliebhaber in Kaufbeuren überrascht und erschüttert: Das Beschäftigungsverhältnis von Frank Oidtmann, Kantor an der Dreifaltigkeitskirche, wird nach Ablauf der Probezeit zum 31. August 2025 nicht verlängert. Die Entscheidung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern sorgt für große Unruhe in der Gemeinde.
Große Bestürzung und Unverständnis
Mehrere Leserinnen und Leser wandten sich bereits an unsere Redaktion – mit Nachfragen, Sorge und Unverständnis. Denn Oidtmann, der erst vor kurzem die Nachfolge des langjährigen Kirchenmusikers Traugott Mayr angetreten hatte, erfreut sich innerhalb der Gemeinde großer Beliebtheit.
In dieser Woche kam Regionalbischof Klaus Stiegler, zuständig für Schwaben und Altbayern sowie die Kirchenmusik in seinem Sprengel, nach Kaufbeuren. Begleitet wurde er von seinem Referenten, Kirchenrat Christoph Burger. Im Matthias-Lauber-Haus traf er sich zunächst mit Oidtmann selbst sowie dessen Vorgänger Mayr zu einem Gespräch im kleinen Kreis.
Vertrauliche Aussprache
Im Anschluss fand ab 19.30 Uhr eine vertrauliche Aussprache statt, an der Mitglieder der Kantorei, der Kirchenvorstand, Dekanin Dorothee Löser (Kempten), die Referentin im Landeskirchenamt sowie Stadtpfarrer Jost Herrmann teilnahmen. Die Öffentlichkeit war ausgeschlossen.
Petition mit über 100 Unterschriften
Noch vor Beginn der Sitzung übergab Wolfgang Scupin, engagiertes Mitglied der Dreifaltigkeitskirche, eine Petition an den Bischof. Darin wird gefordert, die Entscheidung zu revidieren und eine Weiterbeschäftigung von Oidtmann zu ermöglichen. Innerhalb nur einer Woche, mitten in der Ferienzeit, kamen bereits über 100 Unterschriften zusammen. „Das zeigt, wie sehr Herr Oidtmann die Menschen berührt hat“, so Scupin. „Innerhalb nur einer Woche haben in der Ferienzeit über 100 Personen aus Kaufbeuren und Umgebung für eine Weiterbeschäftigung des beliebten Kantors unterzeichnet“, erklärte Mitunterzeichner Dr. Thomas Melcher, selbst Mitglied im Kirchenvorstand der Dreifaltigkeitskirche in einem Schreiben an unsere Redaktion.

Die Personalentscheidung liegt in den Händen der Landeskirche. Diese hat sich trotz mehrfacher Nachfragen unserer Redaktion bisher nicht zu den Gründen der Kündigung geäußert.
Große Bestürzung in der Gemeinde
Für viele Gemeindemitglieder ist das Aus des Kantors ein herber Schlag. Oidtmann hatte sich nicht nur in der Kirchenmusik, sondern auch im kulturellen Leben Kaufbeurens schnell einen Namen gemacht. Der Zuspruch für die Petition zeigt, dass viele in der Gemeinde und darüber hinaus seine Arbeit fortgesetzt sehen möchten. Ob die Landeskirche ihre Entscheidung noch einmal überdenken wird, ist offen.
Am 21. August hatte Scupin die Petition gestartet. Zuvor sei versucht worden, das Anliegen bei Dekanin Löser und Mitgliedern des Kirchenvorstands vorzubringen – jedoch ohne Erfolg, sagt Scupin. Da die arbeitsrechtlichen Fristen sehr kurz sind, richtete er die Petition direkt an den Landesbischof. Die Unterzeichnenden beschreiben Oidtmann als engagierten und kompetenten Kantor, der in der Zusammenarbeit mit der Kantorei und anderen kirchlichen Gruppen seine Dialog- und Kompromissbereitschaft gezeigt habe.
Unterzeichner fordern Oidtmanns Weiterbeschäftigung
Sie bitten den Landesbischof, auf die Verantwortlichen einzuwirken, um Oidtmanns Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. „Wir haben die Unterschriftenliste aufgrund des Zeitdrucks nur bei drei Veranstaltungen in der Dreifaltigkeitskirche auslegen können. Und trotzdem haben innerhalb so kurzer Zeit 100 Menschen unterschrieben“, betont Scupin. Aufgrund der Hauptferienzeit sei es nicht möglich gewesen, alle Unterstützerinnen und Unterstützer zu erreichen, „aber ich gehe davon aus, dass eine erhebliche Anzahl weiterer Gemeindemitgliedern und kirchennaher Personen die Petition unterstützen würde“.
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