Corona-Krise

Eishockey-Bayernligisten fühlen sich von der Politik allein gelassen

Ortstermin beim ESC Kempten in Zeiten der Corona-Krise: (von links) ESC-Kassierer Jürgen Kugler, die beiden FW-Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl und Alexander Hold sowie Vereinsvorsitzender Florian Ecker.

Ortstermin beim ESC Kempten in Zeiten der Corona-Krise: (von links) ESC-Kassierer Jürgen Kugler, die beiden FW-Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl und Alexander Hold sowie Vereinsvorsitzender Florian Ecker.

Bild: Stephan Schöttl

Ortstermin beim ESC Kempten in Zeiten der Corona-Krise: (von links) ESC-Kassierer Jürgen Kugler, die beiden FW-Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl und Alexander Hold sowie Vereinsvorsitzender Florian Ecker.

Bild: Stephan Schöttl

Die Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl und Alexander Hold (Freie Wähler) hören sich beim ESC Kempten Ängste, Nöte und Wünsche der Vereinsverantwortlichen an.
26.09.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Seit vielen Wochen schon ist der Allgäuer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Freie Wähler) unterwegs in seiner Mission, für die finanzielle Unterstützung des Teamsports zu kämpfen. Vor allem fürs Eishockey macht sich der Politiker, selbst über zehn Jahre lang Vorsitzender des ESV Kaufbeuren, in diesen schwierigen Zeiten stark. Einen Zweitligisten, neun Oberligisten und zwei Bayernligisten hat Pohl bereits besucht. Am Donnerstag schaute er beim SC Riessersee in Garmisch vorbei, um sich Sorgen, Nöte und Wünsche der Vereinsverantwortlichen in der Corona-Krise anzuhören. Und er wird dort vermutlich Ähnliches gehört haben wie am Freitagmittag bei seiner Stippvisite gemeinsam mit dem Landtagsvizepräsidenten und Kemptener Stadtrat Alexander Hold beim Bayernliga-Aufsteiger ESC Kempten. Während der Bund bereits eine finanzielle Förderzusage für die Mannschaften der ersten drei Ligen gegeben hat, warten die Teams der Bayernliga noch immer auf positive Signale der Politik. ESC-Schatzmeister Jürgen Kugler brachte es auf den Punkt: „Wir sind schlichtweg vergessen worden.“

Durch die Zuschauerbeschränkung fehlen Einnahmen

Der wirtschaftliche Aspekt hat eine hohe Tragweite. Durch die Zuschauerbeschränkungen fehlen den Vereinen Einnahmen, mit denen kalkuliert wurde. Der ESC Kempten beispielsweise hat zwar grünes Licht für sein Hygienekonzept mit 550 Zuschauern bekommen, erlaubt sind aber derzeit trotzdem aufgrund behördlicher Vorgaben nur 200 Besucher. Kugler rechnet vor: „Bei 600 Fans, dem Schnitt in der vergangenen Saison, hätten wir knapp 10 000 Euro Einnahmen pro Spiel. Mit 700 Zuschauern pro Heimspiel könnten wir die Saison überleben.“ In der Vorsaison in der Landesliga machten die Zuschauereinnahmen (ca. 70 000 Euro) etwa ein Fünftel des Etats von 360 000 Euro aus. Wie schnell das Loch in der Kasse demnach größer würde, wenn die Politik das bisherige Limit nicht bald lockert, kann man sich angesichts dieser Zahlen leicht selbst ausrechnen. Denn auf der anderen Seite stehen ständige Ausgaben. Etwa Aufwandsentschädigungen für Spieler und Schiedsrichter sowie laufende Materialkosten (laut Kugler knapp 45 000 Euro pro Saison). ESC-Vorsitzender Florian Ecker lobte in diesem Zusammenhang das Verhalten der großen Sponsoren und meinte: „Sie gehen den Weg mit. Aber irgendwann werden natürlich auch diese Gelder aufgebraucht sein.“

Es geht um gleiche Bedingungen für alle

Auch um gleiche Bedingungen für alle 16 Bayernligisten ging es im Gespräch. Denn momentan gibt es von Ort zu Ort verschiedene Richtlinien. Während an einem Standort wie Kempten nur 200 Zuschauer ins Stadion dürfen, sind es etwa in Schweinfurt 700. Noch geben die örtlichen Gesundheitsämter den Takt vor. „Wir brauchen aber dringend ein einheitliches Konzept für ganz Bayern“, sagte Pohl. Hold, der neben seinen politischen Ämtern auch Vorsitzender der Kemptener Handballer ist, appellierte, bei allen finanziellen Sorgen das Ehrenamt und die Nachwuchsarbeit nicht zu vergessen. „Der Politik muss verdeutlicht werden, dass die gute Jugendarbeit kaputtgemacht wird, wenn es keine staatliche Unterstützung gibt. Das würde den Verein um Jahre zurückwerfen“, sagte er. Letztlich versprachen die beiden Landespolitiker, sich bei Innenminister Joachim Herrmann auch für die Belange der Bayernligisten stark zu machen. Hold: „Eishockey hat in Kempten einen sehr hohen Stellenwert. Und das soll auch noch lange so bleiben.“