Auftakt bei Regenwetter

Karl Geiger behält in der Qualifikation der Vierschanzentournee in Oberstdorf die Nerven

Bei widrigen Wetterverhältnissen zeigte Karl Geiger mit dem zweiten Platz in der Qualifikation von Oberstdorf seine starke Form.

Bei widrigen Wetterverhältnissen zeigte Karl Geiger mit dem zweiten Platz in der Qualifikation von Oberstdorf seine starke Form.

Bild: Ralf Lienert

Bei widrigen Wetterverhältnissen zeigte Karl Geiger mit dem zweiten Platz in der Qualifikation von Oberstdorf seine starke Form.

Bild: Ralf Lienert

Bei widrigen Wetterverhältnissen springt Karl Geiger in der Qualifikation für das Auftaktspringen auf Platz zwei. Ein deutscher Routinier überrascht.
28.12.2021 | Stand: 22:44 Uhr

Der Regen flog zeitweise quer durch das Skistadion am Schattenberg. Die Helfer des SC Oberstdorf deckten die Anlaufspur auf der Schanze zwischenzeitlich mit Planen ab, um nicht komplett neu fräsen zu müssen. Auf gut schwäbisch herrschte ein Sauwetter am späten Dienstagnachmittag, als die Skispringer ihre Duelle für den ersten Wettkampf der Vierschanzentournee in Oberstdorf am Mittwoch (16.30 Uhr/live in ARD und Eurosport) ermittelten.

Karl Geiger, Vorjahressieger in Oberstdorf und später Zweiter der Gesamtwertung, präsentierte sich in bestechender Form. Der Führende im Gesamt-Weltcup behielt im Regen die Nerven und flog auf den zweiten Platz hinter dem Qualifikationsgewinner Ryoyu Kobayashi. Die 70. Auflage der Vierschanzentournee wird wohl zum erwarteten Duell zwischen dem Allgäuer und dem Japaner.

Karl Geiger zur Quali bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf: "Schön, auch wenn das Wetter nicht mitspielt"

„Ich mag das Stadion hier, ich mag die Leute hier. Es ist schön hier, auch wenn das Wetter nicht so mitspielt“, sagte der Oberstdorfer nach dem Flug ins fast leere Stadion. Wie im Vorjahr waren wegen der Corona-Beschränkungen keine Zuschauer zugelassen. Auf einem Hügel versuchten dennoch ein paar Dutzend Skisprungfans den Wettkampf aus der Ferne zu verfolgen.

Hinter Kobayashi und Geiger landete der Norweger Halvor Egner Granerud auf dem dritten Platz. Aber auch mit Markus Eisenbichler ist wieder zu rechnen. Nach seinem Ausrutscher beim Weltcup im österreichischen Engelberg flog der Siegsdorfer auf den starken sechsten Platz. (Lesen Sie auch: Ein goldener Adler fürs Allgäu? Das sind die Favoriten der 70. Vierschanzentournee)

Für die größte Überraschung aus Sicht der Mannschaft des Deutschen Skiverbandes (DSV) sorgte Severin Freund. Der Team-Senior hatte sich erst mit guten Resultaten im zweitklassigen Continental-Cup einen Platz im Tournee-Aufgebot erkämpft und bestätigte seine aufsteigende Form. „Es ist echt ein bisschen verrückt und schade. Vor Weihnachten war perfektes Winterwetter, das schaut heute leider etwas anders aus“, sagte der 33-Jährige.

Als zweiter Starter im Regen von Oberstdorf flog der Ex-Weltmeister auf 126 Meter und musste anschließend exakt 80 Minuten in der Leaderbox Platz nehmen, inklusive einer halbstündigen Regen- und Windunterbrechung. „Ein zweiter Heizstrahler wäre schon gut gewesen“, sagte Freund beim Abgang ins Warme an den Journalisten vorbei. Mit Rang neun schaffte Freund leicht und locker die Quali für das Springen. Für das Finale der besten 50 Athleten haben sich sechs Deutsche qualifiziert. Olympiasieger Andreas Wellinger fiel als 51. allerdings knapp raus.

Deutsche Springer warten seit 2002 auf den Erfolg

Die deutschen Skisprungfans hoffen auf ein Ende der 20 Jahre währenden Durststrecke. 2002 schnappte sich Sven Hannawald, der als TV-Experte nun die Darbietungen seiner Nachfolger kommentiert, zuletzt den Sieg. In den folgenden Jahren schafften es Karl Geiger, Markus Eisenbichler, aber auch zuvor Severin Freund, Richard Freitag oder Andreas Wellinger nicht, den deutschen Tourneefluch zu beenden. Doch daran verschwendet der Oberstdorfer Geiger keine Gedanken.

Im Vorjahr landete der 28-Jährige in der Gesamtwertung auf Rang zwei. „Ob es 20 Jahre her ist oder 27 oder zwölf, das macht eigentlich keinen Unterschied. Die Tournee geht mit der Quali los, dann geht die zehn Tage. Man muss seine Siebensachen beieinander haben“, sagte der Allgäuer. (Lesen Sie auch: Drei positive Corona-Fälle bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf kümmern kaum)

Der Erfolg beim Auftakt ist keine Garantie auf den Gesamtsieg. Ein starker Auftritt ist jedoch ein deutlicher Fingerzeig, wohin die Reise geht. Das sagen zumindest die Zahlen. In den vergangenen 15 Jahren standen 15 von 16 Gesamtsiegern bereits in Oberstdorf auf dem Treppchen, so auch zuletzt Kamil Stoch als Zweiter.

Deshalb gilt der altbekannte Grundsatz: Du kannst die Tournee beim Auftakt in Oberstdorf nicht gewinnen, aber schon verlieren. Wer auf der Schanze am Schattenberg den Absprung verpasst, landet im Gesamtklassement am Ende nie vorne. Deshalb: Die deutschen Springer „haben ihre Siebensachen beieinander“, wie Geiger formulierte.

Widrige Wetterverhältnisse sind die Springer gewohnt. Geiger blieb gelassen und meinte nach dem guten Auftakt für ihn: „Ein Tag ist immer komisch, vielleicht haben wir den schon abgehakt. Ich glaube es aber nicht, weil der Wetterbericht für morgen auch nicht gut ist.“ Am Mittwoch ist in Oberstdorf noch stärkerer Regen angekündigt.