Attentat von Halle

Familie des Angeklagten schweigt im Halle-Prozess

Der Angeklagte Stephan Balliet wird vor dem vierten Prozesstag von Justizbeamten aus dem Hubschrauber gebracht. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann 13 Straftaten vor, unter anderem Mord und versuchten Mord.

Der Angeklagte Stephan Balliet wird vor dem vierten Prozesstag von Justizbeamten aus dem Hubschrauber gebracht. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann 13 Straftaten vor, unter anderem Mord und versuchten Mord.

Bild: Ronny Hartmann/dpa

Der Angeklagte Stephan Balliet wird vor dem vierten Prozesstag von Justizbeamten aus dem Hubschrauber gebracht. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann 13 Straftaten vor, unter anderem Mord und versuchten Mord.

Bild: Ronny Hartmann/dpa

Am vierten Prozesstag zum Anschlag in Halle 2019 steht auch die Familie des Angeklagten im Fokus. So reagierten die Verwandten im Gerichtssaal.
Der Angeklagte Stephan Balliet wird vor dem vierten Prozesstag von Justizbeamten aus dem Hubschrauber gebracht. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann 13 Straftaten vor, unter anderem Mord und versuchten Mord.
dpa
29.07.2020 | Stand: 11:39 Uhr

Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle wollen sich die Eltern und die Halbschwester des Angeklagten nicht äußern. Die drei erklärten zu Beginn des vierten Prozesstages am Mittwoch in Magdeburg, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch zu machen. Der Vater nickte seinem Sohn kurz zu, die Halbschwester wich den Blicken des Angeklagten aus. Ein Anwalt der Nebenklage versuchte, die Halbschwester, welche die gleiche Mutter hat wie der Angeklagte, davon zu überzeugen, auszusagen. Die Richterin unterband das. Im Anschluss sollten der Ex-Freund der Schwester sowie ehemalige Mitschüler und Lehrer des Angeklagten vernommen werden.

>> Halle-Attentat 2019: Das Wichtigste zur Schießerei in Halle, zum Attentäter und zum Prozess <<

Familie soll nichts mit Anschlag zu tun gehabt haben

Der Beschuldigte hatte an den ersten drei Prozesstagen immer wieder betont, seine Familie habe nichts mit dem Anschlag zu tun, sie habe von seiner Radikalisierung und seiner Bewaffnung nichts gewusst. Die Nebenklage bezweifelt, dass Verwandte und Bekannte des Angeklagten nichts von dessen rechtsextremem Weltbild gewusst haben. Auch dass die Eltern nicht bemerkt haben, dass der Mann seit Jahren Waffen in seinem Kinderzimmer lagerte, bezweifeln die Vertreter der Nebenklage. Zudem sollten am Mittwoch noch frühere Mitschüler und Lehrer des Angeklagten gehört werden.

Bundesanwaltschaft wirft Halle-Attentäter 13 Straftaten vor

Der Prozess gegen den 28 Jahre alten Stephan Balliet läuft seit Dienstag vergangener Woche vor dem Oberlandesgericht Naumburg. Das Gericht wich für die Verhandlung in die Räume des Landgerichts Magdeburg aus, weil dort ein größerer Verhandlungssaal zur Verfügung steht. Die Bundesanwaltschaft wirft Balliet 13 Straftaten vor, darunter Mord und versuchten Mord.

Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn eingeräumt, am 9. Oktober 2019 schwer bewaffnet versucht zu haben, in die Synagoge von Halle einzudringen, um dort möglichst viele Juden zu ermorden. In dem Gotteshaus feierten zu dem Zeitpunkt 52 Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Der Angeklagte scheiterte an der Tür der Synagoge und erschoss daraufhin eine 40-jährige Passantin. Später erschoss er in einem Dönerimbiss einen 20-Jährigen.