Sprachstörung

"Das Ziel ist, flüssig zu stottern": Was Joe Biden und andere Betroffene meistern müssen

Joe Biden ist US-Präsidentschaftskandidat. Wird er Präsident, muss er eine große Hürde meistern: das Stottern.

Joe Biden ist US-Präsidentschaftskandidat. Wird er Präsident, muss er eine große Hürde meistern: das Stottern.

Bild: Julio Cortez, AP, dpa

Joe Biden ist US-Präsidentschaftskandidat. Wird er Präsident, muss er eine große Hürde meistern: das Stottern.

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US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden ist einer der prominentesten Betroffenen: Er stottert. Was es mit der Sprachstörung auf sich hat, erklärt eine Logopädin.
01.11.2020 | Stand: 08:21 Uhr

Es ist vielleicht eine seiner größten Hürden, wenn er Präsident werden sollte. Joe Biden stottert. Dabei sind gut gesprochene, freie und eindrucksvolle Reden wohl gerade am Anfang einer Präsidentschaft wichtig. Das könnte für den 77-Jährigen zum Problem werden. Er gilt nicht als der brillanteste Redner.

Stottern, darunter verstehen Logopäden ein Stocken in der Spontansprache. Doch was hindert Menschen wie Joe Biden an einer flüssigen Sprache? Unsere Redaktion hat mit der Logopädin Carén Siedenhaus aus Kempten über Ängste und Lösungen mit der Sprachstörung "Stottern" gesprochen.

Wie US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden: Stottern kann man besiegen

Wiederholungen, Dehnungen und Blockaden sind typische Merkmale für Menschen, die stottern. "Wer wird wohl Prä..Prä..Prä..Präsident?" Wenn das Wort Präsident mit seiner ersten Silbe mehrmals ausgesprochen wird, dann ist das eine Wiederholung. Bei der Dehnung ist es für stotternde Menschen ein "Präääääsident" und bei einer Blockade der "P...Präsident". Stottern ist also eine Art "Sollbruchstelle im Zusammenspiel aller Sprachkomponenten", sagt Siedenhaus. Mit einer guten Therapie könne die Störung jedoch behandelt werden.

Carén Siedenhaus betreut in ihrer Praxis Kinder und Erwachsene mit Sprachstörungen. "Ich glaube nicht, dass die Zahl der Stotterer nachgelassen hat." Aber die Therapien, die seien deutlich besser geworden, sagt Siedenhaus. Was früher oft als die Folge eines Traumas galt, wird heute nicht nur als psychogene Krankheit gesehen. Im Gegenteil. Stottern kann genetisch bedingt sein.

Internationale Pressestimmen zum Sieg von Joe Biden bei der US-Wahl. Der neue Präsident steht vor gewaltigen Aufgaben, heißt es. Was ist ihm zuzutrauen?
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Bild: Jim Bourg, dpa

Stottern kann genetisch bedingt sein

Falsches Schlucken, Sprachfehler oder Probleme im Wortschatz - fiel den Eltern die flüssige Sprache schon nicht leicht, kann sich das auf die Kinder vererben. Eine Behandlung sollte bereits im Kindesalter erfolgen. Denn Kinder haben nur sogenannte weiche Symptome. "Eine leichte Ausprägung" der drei Stotter-Kategorien, sagt Siedenhaus. Wird die Sprachstörung nicht behandelt, können später vermehrt Ängste hinzukommen. Sekundärsymptome können dann die Folge sein. Um ihr Stottern zu überbrücken, beißen sich Stotterer dann auf die Zunge, hauen auf den Tisch oder krallen sich fest. Kommt dann noch emotionaler Druck hinzu, verschlimmert sich das Stottern.

Emotionaler Druck könne auch für Joe Biden ein Thema sein. Für Erwachsene, die vor Publikum sprechen müssen, rät Siedenhaus zu Mut. "Die Angst zu sprechen" müsse man überwinden, sagt die Logopädin.

Logopädin rät Joe Biden: "Er sollte mutig stottern"

"Das Ziel einer Therapie ist, flüssig zu stottern", sagt Siedenhaus. Nur wenige Menschen würden es schaffen, überhaupt keinen Sprachfehler mehr zu haben. Vielmehr gelingt es nach einiger Zeit, mit Sprechtechniken die Bruchstellen so zu übergehen, dass das Gegenüber einen Sprachfehler überhaupt nicht mehr wahrnimmt.

Therapien gibt es viele. Sie unterscheiden sich nach dem Alter der Patienten. Kinder bis sieben Jahre lernen flüssig zu sprechen beispielsweise durch Nachahmung. Eltern und Therapeuten sprechen Sätze vor, Kinder wiederholen sie. Dabei werden nach und nach die Wiederholungen der Silben reduziert. Von "Prä..Prä..Präsdident" zu "Prä..Präsident".

Im Fall Joe Bidens vermutet Siedenhaus, dass der US-Präsidentschaftskandidat überhaupt keine Probleme haben wird. Denn ebenso wie Schauspieler, schlüpfen Redner bei ihrem Auftritt in eine andere Rolle. Sie können dann häufig flüssig sprechen. Carén Siedenhaus Tipp für Joe Biden: "Mutig stottern!". Dann wird es auch etwas mit dem finalen Ziel - flüssiges Stottern.

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