Wahlen in Weißrussland

Neue Proteste gegen Wahlfälschungen in Belarus

Autoritärer Präsident: Alexander Lukaschenko bei der Stimmenabgabe in einem Wahllokal.

Autoritärer Präsident: Alexander Lukaschenko bei der Stimmenabgabe in einem Wahllokal.

Bild: Sergei Grits/dpa

Autoritärer Präsident: Alexander Lukaschenko bei der Stimmenabgabe in einem Wahllokal.

Bild: Sergei Grits/dpa

Staatschef Lukaschenko wurde laut Wahlleitung mit 80 Prozent zum Sieger erklärt. Die Herausforderin Swetlana Tichanowskaja erkennt das Ergebnis nicht an.
dpa
10.08.2020 | Stand: 20:44 Uhr

Nach der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl in Belarus (Weißrussland) ist es erneut zu Protesten gekommen. In der Hauptstadt Minsk zogen am Montagabend viele Menschen ins Zentrum, wie auf Videos in sozialen Netzwerken zu sehen war. Genaue Zahlen lagen zunächst nicht vor. Uniformierte mit schwarzen Schutzmasken nahmen dabei auch Demonstranten fest. Ganze Straßen waren abgesperrt. Zu sehen war auch, wie Demonstranten vor Einsatzkräften wegliefen. Andere blockierten Kreuzungen.

Aufrufe zu Protesten gegen Wahlfälschung gab es auch in anderen Städten des Landes. Auch von dort gab es Berichte, dass Polizisten zentrale Plätze mit Schutzgittern abgesperrt haben. Zuvor hatte die Wahlleitung der ehemaligen Sowjetrepublik den amtierenden Staatschef Alexander Lukaschenko mit 80 Prozent der Stimmen zum Sieger erklärt. Herausforderin Swetlana Tichanowskaja kam demnach auf nur 10 Prozent. Sie erkennt das Ergebnis nicht an und verlangt eine Neuauszählung der Stimmen.

Lukaschenko regiert mit harter Hand

Den Protesten will sich Tichanowskaja ihrem Wahlkampfstab zufolge zunächst nicht anschließen, um die Polizei nicht zu provozieren. Lukaschenko, der bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert an der Macht ist, regiert das Land zwischen Polen und Russland mit harter Hand. Bereits in der Nacht zum Montag waren landesweit Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Es kam zu blutigen Zusammenstößen mit mehr als 3000 Festnahmen und vielen Verletzten.

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Blutige Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten in Belarus

Schon Stunden vor den neuen Aktionen zogen die Behörden Sicherheitskräfte im Zentrum von Minsk zusammen. Nicht angeschraubte Bänke und Mülleimer an Haltestellen seien entfernt worden - wohl aus Angst, Demonstranten könnten sie gegen die Sicherheitskräfte einsetzen. Zudem seien Einkaufszentren vorzeitig geschlossen worden, berichteten Medien aus der Hauptstadt. Menschen schrieben in sozialen Netzwerken, dass das Internet gestört wird.