Corona-Impfstoff

Patientenschützer äußern Kritik an möglichen Corona-Impfungen in Messehallen

Gesundheits-Minister Jens Spahn hat Überlegungen geäußert, Corona-Massen-Impfungen in Messehallen zu starten. Das gefällt nicht jedem.

Gesundheits-Minister Jens Spahn hat Überlegungen geäußert, Corona-Massen-Impfungen in Messehallen zu starten. Das gefällt nicht jedem.

Bild: Christoph Schmidt, dpa (Symbolbild)

Gesundheits-Minister Jens Spahn hat Überlegungen geäußert, Corona-Massen-Impfungen in Messehallen zu starten. Das gefällt nicht jedem.

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Die Debatte um die erwarteten Reihen-Impfungen gegen Corona-Infektionen nimmt Fahrt auf. Sind Messehallen ein geeigneter Ort?
Gesundheits-Minister Jens Spahn hat Überlegungen geäußert, Corona-Massen-Impfungen in Messehallen zu starten. Das gefällt nicht jedem.
dpa
02.10.2020 | Stand: 08:08 Uhr

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat Überlegungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu Corona-Impfungen in Messehallen kritisiert. "Pflegebedürftige in Messehallen zu karren, kann nicht die Lösung sein", sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Die 900.000 Heimbewohner gehören zur Hochrisikogruppe", sagte Brysch. "Diese Menschen müssen als erste die Chance bekommen, vor Covid-19 geschützt zu werden." Ohne Zweifel werde das eine logistische Herausforderung. "Deshalb gilt es, zügig an einer aufsuchenden Impfstrategie zu arbeiten."

Spahn hatte am Donnerstag gesagt, er glaube, dass die Impfungen in Zentren gestartet werden müssten, wenn es einen Impfstoff gebe. "Das sind aus meiner Sicht eher keine Turnhallen, sondern eher Messehallen", sagte Spahn. "Da sind wir jetzt in der Diskussion auch mit den Ländern." Die Vorsitzende des Krankenkassen-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, hatte die Frage aufgeworfen, ob Turnhallen gemietet werden sollten, durch die Menschen in Reihenimpfungen geschleust werden.

Corona-Impfstoff: Wer soll zuerst geimpft werden - und wo?

Spahn nannte zur Frage, wer bei zuerst begrenzten Impfstoffmengen als erstes geimpft wird, als Beispiele die Beschäftigten des Gesundheitswesens oder bestimmte Risikogruppen.

Brysch forderte eine Bestandsaufnahme, welche der 12.000 Heime die Bedingungen für die Lagerung des Impfstoffes erfüllen. "Denn nicht alle Einrichtungen haben eine geeignete Kühlkammer." Wo das nicht der Fall sei, müssten mobile Teams mit Tiefkühl-Fahrzeugen zum Einsatz kommen.

Als einen Grund dafür, dass wahrscheinlich große Impfzentren eingerichtet werden, hatte Spahn die Beschaffenheit der erwarteten Stoffe genannt. "Die Impfstoffe werden wahrscheinlich (...) bei Minusgraden - und zwar nicht bei minus 2, sondern eher bei minus 20 bis minus 70 Grad - transportiert werden und gelagert werden müssen. Sie werden wahrscheinlich in größeren Gebinden kommen." (Lesen Sie auch: Grippewelle 2020/2021: Nicht jede Kasse zahlt die Grippeschutzimpfung)

Brysch sagte: "Schon heute weiß der Gesundheitsminister, welche technischen Anforderungen zu erfüllen sind." Also müsse Spahn mit Experten eine Vertriebsstrategie erarbeiten. "Schließlich liefern Bofrost oder Eismann täglich Tiefkühl-Produkte mit Kleinfahrzeugen an deutsche Haushalte. Das muss auch bei der Verteilung des Impfstoffes für Pflegeheime möglich sein." Pflegekräfte, die die Schutzimpfung vornehmen könnten, gebe es dort genügend.

Laut Spahn soll es bis Ende Oktober Expertenvorschläge zur wohl nötigen Prioritätensetzung bei der Corona-Impfung geben. Vorschläge zu Kriterien solle nun der Deutsche Ethikrat, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission machen.