Filialschließungen

Karstadt und Galeria Kaufhof: vom kleinen Anfang bis zur Corona-Krise

Die Blütezeit der Warenhauskonzerne Galeria Kaufhof und Karstadt ist vorüber.

Die Blütezeit der Warenhauskonzerne Galeria Kaufhof und Karstadt ist vorüber.

Bild: Oliver Berg, dpa

Die Blütezeit der Warenhauskonzerne Galeria Kaufhof und Karstadt ist vorüber.

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Aus zwei kleinen Geschäften entstanden zwei große deutsche Warenhauskonzerne, die eine lange Blütezeit erlebten. Wie es zur großen Krise kam.

Die Blütezeit der Warenhauskonzerne Galeria Kaufhof und Karstadt ist vorüber.
dpa
19.06.2020 | Stand: 15:47 Uhr

Zwei deutsche Unternehmer nehmen Ende des 19. Jahrhunderts etwa 120 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt ihr Geschäft auf. In Stralsund vor der Insel Rügen steht die Wiege von Kaufhof. Dort öffnet Leonhard Tietz 1879 seinen kleinen Bekleidungsladen mit 25 Quadratmetern Verkaufsfläche. Zwei Jahre später legt der Färbersohn Rudolph Karstadt in Wismar mit einem Tuchgeschäft den Grundstein für die spätere Warenhauskette unter seinem Namen. Die Kaufleute setzen auf feste Preise und Barzahlung statt auf Feilschen und Handeln.

Um 1890 zieht Tietz ins wirtschaftlich aufblühende Rheinland, macht sein Unternehmen zu einer Aktiengesellschaft und ebnet den Weg dafür, dass die Leonhard Tietz AG 40 Jahre später schon 43 Kaufhäuser besitzt. 1931 gehört das Unternehmen zu den drei Top-Warenhäusern in Deutschland. Größer sind seinerzeit nur die von seinem Onkel Hermann Tietz gegründete Kette Hertie - und an der Spitze: Karstadt. Dessen Expansion hatte bereits drei Jahre nach dem ersten Geschäft in ganz Norddeutschland begonnen. 1931 sind es rund 90 Kaufhäuser.

Verluste während Weltwirtschaftskrise

Beide Firmen müssen in der Weltwirtschaftskrise tiefe Einschnitte hinnehmen, Filialen schließen. Die Nationalsozialisten stellen Kaufhäuser als "jüdische Erfindung" dar. Karstadt unterwirft sich den Forderungen, Angestellte zu entlassen. Die Leonhard Tietz AG wurde 1933 wie andere Häuser mit jüdischen Eigentümern auch (etwa Hertie und Schocken) enteignet - und in "Westdeutsche Kaufhof AG" umbenannt. Nach dem Krieg wurde die Familie Tietz entschädigt.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg sind 35 der 40 ehemaligen Tietz-Filialen von Bomben zerstört. Konkurrent Karstadt verliert außerdem Häuser in den abgetretenen deutschen Ostgebieten und auf dem Territorium der DDR. Doch nach der Währungsreform geht es durch den zunehmenden Wohlstand der Bevölkerung in Westdeutschland und die erhöhte Nachfrage nach Konsumgütern für beide bergauf. Die frühere Tietz AG expandiert in der ganzen Bundesrepublik und trägt von 1953 an den Namen Kaufhof. Die Warenhäuser werden immer größer, sowohl bei der Verkaufsfläche als auch im Sortiment. Nach Angaben des Fachmagazins "Textilwirtschaft" erleben Kaufhäuser in den 1970er Jahren ihre große Blütezeit und erobern einen Marktanteil von etwa 15 Prozent.

Internet-Bestellungen machen Karstadt und Kaufhof zu schaffen

Mit der Entstehung der Shopping-Center, die verschiedene Läden unter einem Dach vereinen und damit auch ein volles Sortiment anbieten, verlieren Warenhäuser ab den 1980er Jahren stetig Marktanteile. 1980 steigt der Großhandelskonzern Metro bei Kaufhof ein. Zwei Jahre bevor die beiden und weitere Gesellschaften endgültig zur Metro AG fusionieren, schluckt Kaufhof 1994 noch den Konkurrenten Horten. Und auch Karstadt geht in den 1990ern auf Einkaufstour: Das Unternehmen verleibt sich Hertie ein - und damit etwa auch die Nobelkaufhäuser KaDeWe in Berlin und das Alsterhaus in Hamburg.

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Im Internet-Zeitalter machen dem Warenhaus-Sektor auch Online-Shops wie Amazon und Billiganbieter wie H&M zu schaffen. Bei Karstadt steigt 1997 die Schickedanz-Gruppe mit ihrem Versandhaus-Flaggschiff Quelle ein. Doch muss der angeschlagene KarstadtQuelle-Konzern in der Folge immer wieder neues Geld besorgen. 2009 geht die mittlerweile in Arcandor umbenannte Karstadt-Mutter in die Insolvenz, es kommt zu einem umfangreichen Stellenabbau und zu Filialschließungen.

Warenhaus wird aufgekauft

2010 kauft der Privatinvestor Nicolas Berggruen die Warenhaus-Tochter heraus. Im selben Jahr wird das Insolvenzverfahren aufgehoben. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Berggruen hält nicht lange an Karstadt fest. Zuerst übernimmt der österreichische Immobilieninvestor René Benko die Mehrheit an den Sport- und Luxushäusern, im August 2014 geht dann ganz Karstadt für einen symbolischen Euro an Benkos Signa-Holding. Kaufhof wird 2015 Teil der kanadische Hudson's Bay Company (HBC).

Immer wieder gab es Pläne, Karstadt und Kaufhof zu einem Konzern zusammenzulegen. 2019 ist es dann soweit: Die Signa Holding übernimmt alle Anteile von HBC. Der fusionierte Konzern nennt sich nun Galeria Karstadt Kaufhof. Als Folge der Corona-Pandemie müssen die Warenhäuser im Frühjahr 2020 viele Wochen geschlossen werden. Der Konzern gerät in eine neue schwere Krise.