Nachwuchs im Allgäu

Allgäuer Kliniken erleben Baby-Boom

Babyboom an Universitätsfrauenklinik in Leipzig

Im vergangenen Jahr wurden in den Allgäuer Krankenhäusern Tausende Babys geboren – Tendenz steigend.

Bild: Waltraud Grubitzsch, dpa (Symbolbild)

Im vergangenen Jahr wurden in den Allgäuer Krankenhäusern Tausende Babys geboren – Tendenz steigend.

Bild: Waltraud Grubitzsch, dpa (Symbolbild)

In vielen Krankenhäusern steigen die Geburtenraten. Das liegt laut den Häusern an der guten medizinischen Versorgung. Hat auch die Pandemie einen Einfluss?
15.01.2022 | Stand: 05:45 Uhr

„Im vergangenen Jahr war ein regelrechter Baby-Boom in der Aklepios Klinik Lindau zu verzeichnen“, sagt Geschäftsführer Boris Ebenthal. Auch in anderen Allgäuer Häusern ist diese Entwicklung zu beobachten. Am Klinikum Kempten kamen im vorigen Jahr 2120 Babys zur Welt. Zum Vergleich: 2020 waren es knapp 150 Säuglinge weniger. Und in Füssen sprang die Zahl von 391 auf 457. Doch woran liegt das? Gibt es so etwas wie einen „Corona-Effekt“?

„Meines Erachtens hat die Pandemie für viele Paare ein zeitliches Fenster geöffnet, in dem eine Schwangerschaft willkommen erscheint. Und ich denke, dass das noch eine Weile so bleiben wird“, sagt Professor Ricardo Felberbaum, Chefarzt der Frauenkliniken Kempten und Immenstadt. Dr. Winfried Eschholz, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Füssen, freut sich darüber, dass junge Paare sich von Corona zumindest nicht davon abbringen lassen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen: „Vielleicht hat das Nachdenken über die Pandemie auch Anregungen dazu gegeben, was im Leben wirklich wichtig ist: Menschlicher Kontakt, Zweisamkeit, Paarbeziehung und Eltern-Sein ist sicherlich aufgewertet worden gegenüber Fernreisen oder Autos“, sagt Eschholz. Er glaube aber nicht, dass es einen Kindersegen gebe, weil den Menschen anderweitige Freizeitbeschäftigungen verwehrt sind: „Eine Zeugung aus Langeweile spielt offensichtlich keine Rolle.“

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472 Babys kamen 2021 in der Aklepios-Klinik in Lindau zur Welt

In der Lindauer Aklepios-Klinik sind 2021 exakt 472 Babys auf die Welt gekommen – 71 mehr als im Jahr zuvor. Den Anstieg führt Geschäftsführer Ebenthal allerdings nicht auf Corona zurück, zumal es im Landkreis Lindau vergangenes Jahr nicht wesentlich mehr Neugeborene als 2020 gegeben habe. Viel eher sei die Attraktivität der Geburtenstation mit ihren drei neuen Kreißsälen für den Zulauf ausschlaggebend. Auch in Füssen beruft man sich auf die intensive Betreuung der Patienten. In Kempten sei die enge Zusammenarbeit mit der Kinderklinik ein Grund dafür, dass sich viele Eltern für eine Geburt dort entscheiden, sagt Dr. Melanie Kaiser, Oberärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe. Eine Rolle spiele auch die breit aufgestellte Pränataldiagnostik, durch die die Familien die Klinik bereits vor der Geburt kennenlernen könnten.

Mehr Babys im Krankenhaus Kaufbeuren: Mit Corona hat das nichts zu tun

Im Gegensatz zu anderen Allgäuer Häusern ist die Geburtenrate am Kaufbeurer Klinikum in den vergangenen fünf Jahren in etwa gleich geblieben. Allerdings: Im Vergleich zu vor 20 Jahren hat sich die Zahl mehr als verdoppelt – von damals etwa 400 Geburten jährlich auf jetzt rund 900. Ein entscheidender Grund dafür ist laut Klinikum die Schließung des Krankenhauses im benachbarten Marktoberdorf. Auch der Zuzug in den Raum Ostallgäu spiele eine Rolle. 2021 wurden im Kaufbeurer Krankenhaus 32 Babys mehr geboren als im Jahr zuvor. Mit Corona habe das aber nichts zu tun: „In Deutschland und in einigen anderen Ländern wie zum Beispiel der Schweiz oder Finnland hat die Pandemie keine Auswirkung auf die Geburtenrate“, sagt Dr. Daniela Dieterle, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Kaufbeuren. In Ungarn oder Italien habe die Pandemie sogar zu weniger Geburten geführt. Gründe dafür seien unter anderem wirtschaftliche Unsicherheit und gesundheitliche Aspekte.

Corona bereitet werdenden Eltern Sorge

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Sorgen wegen Corona machen sich auch hierzulande viele (werdende) Eltern, sagt die Kemptener Medizinerin Kaiser. Die Angst vor einer Infektion sei groß. „Gerade Schwangere, die bereits ein Kind im Schul- oder Kindergartenalter haben, befürchten, dass sie sich anstecken könnten.“ Unberechtigt seien die Sorgen nicht: „Mit jeder Infektion, ob nun Corona oder etwas anderes, steigt die Gefahr einer Frühgeburt“, sagt Kaiser. Dennoch blickt sie zuversichtlich ins neue Jahr. „Ich glaube, dass die Geburtenrate weiter auf einem hohen Niveau bleibt und ich freue mich auf jedes Kind, das bei uns zur Welt kommt.“

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