Coronakrise

450.000 Tote und viele Sorgen: Seit sechs Monaten hält Corona die Welt in Atem - auch das Allgäu

Ein Mitarbeiterin des Robert Koch-Instituts (RKI) beschriftet eine Blutprobe für einen Antikörpertest. An Bilder wie diese hat sich die Menscheit in den vergangenen sechs Monaten gewöhnt.

Ein Mitarbeiterin des Robert Koch-Instituts (RKI) beschriftet eine Blutprobe für einen Antikörpertest. An Bilder wie diese hat sich die Menscheit in den vergangenen sechs Monaten gewöhnt.

Bild: Marijan Murat/dpa

Ein Mitarbeiterin des Robert Koch-Instituts (RKI) beschriftet eine Blutprobe für einen Antikörpertest. An Bilder wie diese hat sich die Menscheit in den vergangenen sechs Monaten gewöhnt.

Bild: Marijan Murat/dpa

Ein winziges Virus stürzt die Menschheit in eine beispiellose Krise. In sechs Monaten gab es 450.000 Corona-Tote. Die Welt hofft auf einen Impfstoff.
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dpa
24.06.2020 | Stand: 11:52 Uhr

Vom chinesischen Wuhan um die ganze Welt: Selten trifft eine Krise so weltumspannend alle Menschen wie in diesem Jahr Corona. Sechs Monate nach ersten Meldungen über ein mysteriöses neues Virus sind fast neun Millionen Infektionen und über 450 000 darauf zurückgehende Todesfälle in Statistiken gelistet. Die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle gilt als immens.

Ein Tiermarkt gilt als Ursprung der Ansteckungswelle 

Wohl niemand ahnte Anfang des Jahres, welches Ausmaß die Pandemie bekommen und welch schlimme Folgen sie für Wirtschaft und Gesellschaft haben würde. Anfang Dezember, vielleicht schon im November treten in der Millionenmetropole Wuhan erste Fälle einer bis dahin unbekannten Lungenerkrankung auf. Am 31. Dezember werden sie offiziell an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet. Ein Tiermarkt gilt als Ursprung der Ansteckungswelle.

Im Februar sagt der Berliner Virologe Christian Drosten: "Ich glaube nicht mehr daran, dass eine Pandemie vermeidbar ist." Und so immens die Infektionszahlen inzwischen wirken: Wir stehen noch immer am Anfang. Etwa 7,8 Milliarden Menschen leben auf der Erde. Selbst ein sehr ansteckendes Virus braucht eine Weile, eine solche Population zu erobern - zumal alle Regierungen der Welt mit gezielten Maßnahmen gegensteuern, wenn auch manche nur verhalten.

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Corona im Allgäu: Eine Chronologie der Krise in Bildern

Deutschland gehört zu den recht rasch und massiv reagierenden Ländern. Mit grauenhaften Bildern aus bereits stark betroffenen Staaten wie Italien konfrontiert, beschließt die Politik zahlreiche strenge Maßnahmen. Manche - wie Schulschließungen und Maskenpflicht - sind anfangs oder bis heute umstritten. Einzelne Bundesländer wie Bayern preschen mit besonders strengen Regelungen voran. Ein unguter Überbietungswettbewerb sei da im Gang, sagen Kritiker.

Neuinfektionen erreichten in Deutschland Ende März, Anfang April ihren Höchststand

Ende März, Anfang April erreicht die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland ihren Höhepunkt, dann sinkt sie deutlich. Erste Lockerungen folgen. Mit der Entspannung mehren sich kritische Stimmen, die sagen, der Lockdown sei doch eigentlich gar nicht nötig gewesen.

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Urteil

Wiesendanger darf Drosten keine gezielte Täuschung vorwerfen

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck sagt, schon das Verbot von Großveranstaltungen habe zu einem Rückgang geführt, weitere Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen hätte man vom weiteren Verlauf abhängig machen sollen. Die Virologin Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) zieht hingegen ein weitgehend positives Fazit. "Ich denke, dass wir im Großen und Ganzen richtig gehandelt haben."

Kommt eine zweite Welle?

Momentan wird das Infektionsgeschehen hierzulande von einzelnen Ausbrüchen wie beim Schlachtbetrieb Tönnies in Ostwestfalen bestimmt. Sie lassen die sonst ruhige Situation trügerisch wirken und geben einer entscheidenden Frage neuen Auftrieb: Kommt sie, die zweite Welle? Eine sichere Antwort darauf haben Experten nicht. Virologe Drosten blickt skeptisch in die Zukunft: "Ich bin nicht optimistisch, dass wir in einem Monat noch so eine friedliche Situation haben wie jetzt, was die Epidemietätigkeit angeht." Man müsse alle Alarmsensoren wieder anschalten. Die Bevölkerung müsse einsehen, dass die Gesundheitsbehörden Unterstützung und Konsens bräuchten.

Suche nach Corona-Medikamenten läuft auf Hochtouren

Derweil läuft die Suche nach Medikamenten gegen die vom Virus verursachte Krankheit Covid-19 auf Hochtouren. Derzeit hat ein einziger Wirkstoff - Remdesivir - in den USA und Japan eine Sonderzulassung gegen Covid-19. In der EU liegt ein Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA). Mitte Juni wurden vorläufige Studiendaten zum Entzündungshemmer Dexamethason bekannt: Der Wirkstoff senkt demnach die Sterberate bei künstlich beatmeten Patienten um ein Drittel. Für eine abschließende Beurteilung sei es aber zu früh, warnen Experten.

Klar sind inzwischen auch einige Faktoren, die zu bedrohlichen Erkrankungen führen. "Wir wissen mittlerweile, dass es bei schweren Verläufen neben der Entzündung der Lunge häufig zu Gerinnungsstörungen kommt, die die Behandlung erschweren", nennt Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, ein Beispiel. Behandelt werde nun von Anfang an prophylaktisch mit gerinnungshemmenden Medikamenten.

Wann gibt es endlich einen Impfstoff? 

Ein echtes Aus für die Pandemie könnte ohnehin nur ein Hilfsmittel bringen: gut wirksame Impfstoffe. Ob ein Impfstoff noch in diesem Jahr für erste Massenimpfungen zur Verfügung stehen wird, ist fraglich - zudem muss der erste Impfstoff nicht zwingend der mit der besten Schutzwirkung sein. Die Schnelligkeit dürfte nicht zulasten der Sicherheit gehen, wird immer wieder gemahnt.

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Anfang Juni liefen weltweit mindestens 130 Impfstoff-Projekte, einige Kandidaten werden bereits am Menschen getestet. Am weitesten fortgeschritten ist die Forschung am Impfstoff AZD1222, entwickelt an der britischen Universität Oxford. Etliche Länder - auch Deutschland - haben mit dem Konzern AstraZeneca Verträge über insgesamt mindestens zwei Milliarden Dosen dieses Impfstoffes abgeschlossen.

Auch Deutschland hat vielversprechende Projekte zu bieten: Beim Mainzer Unternehmen Biontech und beim Tübinger Unternehmen CureVac laufen erste klinische Studien zu Impfstoffen. Ob sie am Ende zu den Wirkstoffen gehören werden, die der Corona-Pandemie ihren Schrecken nehmen, wird sich zeigen.

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