Raubmord in Ravensburg

62-Jährige getötet: Verdächtige (15) kam gerade erst aus der Haft

In Ravensburg nahe des Bahnhofs wurde eine 62-Jährige getötet. Unter Verdacht steht eine 15-Jährige.

In Ravensburg nahe des Bahnhofs wurde eine 62-Jährige getötet. Unter Verdacht steht eine 15-Jährige.

Bild: Felix Kästle, dpa

In Ravensburg nahe des Bahnhofs wurde eine 62-Jährige getötet. Unter Verdacht steht eine 15-Jährige.

Bild: Felix Kästle, dpa

Der Fall sorgt für Entsetzen: Eine 15-Jährige soll in Ravensburg eine Frau erstochen haben. Was die Ermittler über Fall und Verdächtige wissen - und was nicht.
15.02.2021 | Stand: 12:20 Uhr

Knapp eine Woche nach der grausamen Tat von Ravensburg dauern die Ermittlungen weiter an. Eine 15-Jährige soll am vergangenen Dienstag am Ravensburger Hauptbahnhof eine 62-jährige Frau mit mehreren Messerstichen getötet haben.

Wie die Staatsanwaltschaft berichtet, wollte das Mädchen wohl die Handtasche des Opfers stehlen. Als die 62-Jährige sich wehrte, griff die Jugendliche sie den Ermittlungen zufolge unvermittelt an.

Genau das ist es, was die Tat laut Staatsanwalt Wolfgang Angster so ungewöhnlich macht: "Üblicherweise haben wir es bei Tötungsdelikten eher mit Beziehungstaten zu tun." Letztere seien generell eher die Taten, die man Frauen zuschreiben könne, auch wenn diese bei Tötungsdelikten zahlenmäßig unterrepräsentiert sind.

Ravensburg: 15-Jährige riss mehrfach von zuhause aus

Aktuell sitzt das Mädchen, das im Landkreis Ravensburg wohnt, in Untersuchungshaft. Dort hielt sie sich allerdings nicht immer auf: Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt Wolfgang Angster, dass die 15-Jährige in der Vergangenheit mehrfach von zuhause ausriss und mehrere Tage nicht zurückkam.

Für die Polizei ist das Mädchen keine Unbekannte, das bestätigt der Staatsanwalt ebenfalls: "Die Tatverdächtige ist schon mehrfach als Straftäterin in Erscheinung getreten." Sie soll mehrfach gestohlen haben und verbüßte bis vor Kurzem eine Haftstrafe.

Auch aktuell sitzt sie in Untersuchungshaft - und schweigt. "Wir ermitteln gerade, was sich als nicht so einfach erweist, da das Opfer leider nichts mehr dazu sagen kann und die Tatverdächtige keine Angaben macht", sagt Angster. Zeugen gibt es nach Erkenntnis der Staatsanwaltschaft keine. "Es gibt zwar Videoaufnahmen, die zeigen aber nicht den Ort des Geschehens, sondern nur die Umgebung", erklärt der Staatsanwalt. Man könne also nur rekonstruieren, was vor und nach der Tat passiert ist. Die Kameras sorgten aber zumindest dafür, dass die 15-Jährige identifiziert werden konnte. Ein weiterer Hinweis kam von einem Jugendsachbearbeiter der Polizei.

Aktuell sitzt das Mädchen wegen Mordes in Untersuchungshaft

Laut Staatsanwaltschaft ist das Mädchen deutsche Staatsbürgerin, andere Medien berichten, dass sie türkischstämmig ist. Wie genau sich die 15-Jährige entwickelt hat, um solche Gewalt auszuüben, sollen die Ermittlungen zeigen. Hierbei wird auch geprüft, ob das Mädchen wegen Mordes oder Totschlags angeklagt wird. "Der Haftbefehl wurde wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes ausgestellt", sagt Angster.

Beweismittel begründen diesen dringenden Tatverdacht, und da laut dem Staatsanwalt ein Haftgrund besteht - "also Flucht oder Fluchtgefahr" - ist das Mädchen momentan in Untersuchungshaft. Dort soll sie aber nicht allzu lange bleiben, die Verhandlung soll "relativ zeitnah" stattfinden, denn es gibt einen sogenannten Beschleunigungsgrundsatz, wie Angster erklärt: "Man will ja niemanden unnötig lange in Haft halten, also wird darauf geachtet, dass es möglichst schnell zur Hauptverhandlung kommt."

Staatsanwalt zum Fall in Ravensburg: "Lässt einen nicht unberührt"

Ob die 15-Jährige dann wegen Mordes oder auch wegen Totschlags angeklagt wird, sollen die Ermittlungen zeigen. Dabei wird laut Angster auf die sogenannten Mordmerkmale etwa Habgier oder Heimtücke geachtet. Die Höchststrafe für die 15-Jährige wären zehn Jahre Jugendstrafe.

Angeklagt wird das Mädchen dann vor der Jugendkammer des Landgerichts - und die Verhandlung wird nicht-öffentlich sein: "Zum Schutz der Minderjährigen." Da das Mädchen unter 18 Jahre alt ist, will Angster auch keine weiteren Informationen zu ihrem Leben herausgeben. Klar ist aber: Der Fall schockiert allein schon durch das junge Alter - und weil solche Fälle glücklicherweise in der Region eine Seltenheit sind, wie Angster betont: "So ein Fall lässt einen also nicht unberührt."

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