Zwischenbilanz zum 9-Euro-Ticket im Allgäu

Das 9-Euro-Ticket ist ein Stresstest für Busse und Bahnen im Allgäu

Einen ganzen Monat für neun Euro mit Bus und Bahn fahren: Das günstige Monatsticket entpuppte sich zum Start als Kassenschlager. Dabei zeigte sich früh, dass der Fahrschein vor allem in der Freizeit genutzt wird.

Einen ganzen Monat für neun Euro mit Bus und Bahn fahren: Das günstige Monatsticket entpuppte sich zum Start als Kassenschlager. Dabei zeigte sich früh, dass der Fahrschein vor allem in der Freizeit genutzt wird.

Bild: Ralf Lienert

Einen ganzen Monat für neun Euro mit Bus und Bahn fahren: Das günstige Monatsticket entpuppte sich zum Start als Kassenschlager. Dabei zeigte sich früh, dass der Fahrschein vor allem in der Freizeit genutzt wird.

Bild: Ralf Lienert

Das 9-Euro-Ticket gilt nun seit einigen Wochen, mit den Pfingstferien war auch ein Reisehöhepunkt enthalten. Eine Zwischenbilanz zum Andrang im Allgäu.
22.06.2022 | Stand: 08:30 Uhr

Volle Züge und verspätete Busse, in denen vor allem Ausflügler, aber kaum Pendler fahren – vor dem Start des günstigen Monatstickets war die Region gespaltener Meinung. Nun gilt das Ticket seit Anfang Juni und mit dem Pfingstwochenende liegt auch ein klassischer Reisehöhepunkt hinter Verkehrsunternehmen und Fahrgästen. An Pfingsten waren nach Angaben einer Bahn-Sprecherin mehr Fahrgäste als sonst in Bayerns Bussen und Bahnen unterwegs. Das sei auch in den vergangenen Jahren schon so gewesen.

„Was saisonal üblich ist, wurde in diesem Jahr durch das Neun-Euro-Ticket noch leicht verstärkt“, sagte die Sprecherin. Insgesamt blicke man auf einen geregelten Pfingstverkehr zurück. Es habe jedoch „regionale Auslastungsspitzen“ gegeben – vor allem entlang touristischer Strecken. Präzise, aufs Allgäu heruntergebrochene Zahlen habe man jedoch nicht.

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Bodo: Auch dem Verkehrsverbund fehlen detaillierte Fahrgastzahlen zum Ticket

Dieses Problem hat auch der Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo). Detaillierte Fahrgastzahlen könne man noch nicht nennen, sagte Sprecher Felix Löffelholz. Am Pfingstwochenende habe man im Busverkehr keine Überlastung gemeldet bekommen. „Bei der Bahn kam es nur vereinzelt am Bodensee zu Engpässen – und diese waren auch nicht in allen Fällen direkte Effekte des Neun-Euro-Tickets“, sagt Löffelholz. Auch an anderen Wochenenden gab es einen starken Andrang entlang des Bodensees – bei Bus und Bahn. Allerdings seien nur einzelne Fahrten betroffen gewesen, zu einer Überlastung ganzer Linien kam es nicht. „Und das trotz bestem Ausflugswetter“, sagt Löffelholz. Man schließe daraus, dass die Verkehrsunternehmen gut gerüstet seien und die spürbar höheren Fahrgastzahlen gut bewältigen.

Auch beim Busunternehmen „Komm mit“ aus Ofterschwang, das Gesellschafter der Mobilitätsgesellschaft für den Nahverkehr im Allgäu (mona) ist, stellte man ein erhöhtes Fahrgastaufkommen fest – und dass „sicherlich mehr als 80 Prozent der Fahrgäste“ mit dem günstigen Ticket oder einer entsprechenden Monatskarte fahren, erklärte ein Sprecher.

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Bei Go-Ahead Bayern, das die Regionalzüge zwischen München, Memmingen und Lindau betreibt, war ein konkreter Effekt spürbar: Der Berufsverkehr, sagte Sprecher Winfried Karg, sei im Rahmen, man erlebe aber einen starken Ausflugsverkehr. „Morgens bis acht Uhr geht es, dann zieht es sehr schnell an.“ Nachmittags werde es oft unerfreulich, wenn Pendler und Ausflügler auf dem Heimweg seien. „Auch die Wochenenden sind harte Arbeit für unsere Beschäftigten“, sagt Karg. Das war allerdings auch schon vorher so. „Wir hatten schon am letzten Maiwochenende die Situation, dass nicht alle Fahrgäste mitfahren konnten“, räumt Karg ein. Wenn schönes Wetter sei, wollten alle an den Bodensee. Wenn dann ein Gewitter aufziehe, wollen alle schnell heim. „Da gibt es auch auf der A96 einen Stau. Wir können hier keine Wunder bewirken.“

Konkrete Zahlen sind jedoch rar, sieht man von einer Analyse des „Spiegel“ ab, derzufolge das Fahrgastaufkommen in Regional- und S-Bahnen in den vergangenen Wochen um 25 Prozent höher als im Vormonat war. Laut einer Umfrage im Auftrag des Magazins nutzten 55 Prozent der befragten Käufer ihren Fahrschein für Tagesausflüge – für berufliche Anlässe verwendeten es dagegen nur 32 Prozent. Dies bestätigt zum Beispiel die Erfahrungen in den Go-Ahead-Zügen.

So sagt auch Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier, man könne noch nicht sagen, ob die Bahnnutzung durch das Ticket gestiegen sei. „Bei uns kommen ohnehin viele Gäste mit der Bahn“, sagt der Touristiker. Ob überzeugte Autofahrer jetzt umsteigen, wisse er nicht. „Was wir jetzt brauchen, sind fundierte Befragungen der Bahnreisenden, ob sie sonst gar nicht oder mit dem Auto gekommen wären.“ Hier seien die zuständigen Ministerien und die Bahn in der Pflicht.

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