Bundestagswahl im Allgäu

AfD-Kandidat im Oberallgäu: So tickt Peter Felser

Kreistag Fraktionssprecher

Peter Felser, seit 2017 im Deutschen Bundestag, hat gute Chancen, über die bayerische Landesliste der AfD wieder ins Parlament zu kommen.

Bild: Ralf Lienert

Peter Felser, seit 2017 im Deutschen Bundestag, hat gute Chancen, über die bayerische Landesliste der AfD wieder ins Parlament zu kommen.

Bild: Ralf Lienert

Peter Felser durfte nicht mehr als AfD-Direktkandidat im Wahlkreis Oberallgäu antreten. Dennoch hat er gute Chancen, wieder in den Bundestag einzuziehen.
15.09.2021 | Stand: 09:09 Uhr

Wer schafft es aus dem Allgäu in den Bundestag? Vor der Wahl am 26. September informiert die AZ in einer kurzen Reihe über Wahlbewerber aus der Region, die gute Chancen haben, (wieder) ins Parlament einzuziehen. Heute geht es um Peter Felser. Er kandidiert auf dem aussichtsreichen Platz 11 der bayerischen Landesliste der AfD.

Als Fundamentalopposition etwas zu erreichen, ist schwer – zumal andere Fraktionen mit der AfD nichts zu tun haben wollen. Bei einem Thema sieht sich Peter Felser allerdings bestätigt – dem Afghanistan-Desaster: „Da haben wir die ersten Schlachten gut geschlagen im Plenum“, erinnert er sich auf Youtube an die Anfänge im Parlament ab 2017. Die AfD habe den Einsatz stets „rigoros abgelehnt“. „Er diente nie deutschen Interessen“, sagt Felser.

2019 habe er sich in Kundus ein Bild gemacht und damals schon gefordert, das „sinnlose“ Engagement zu beenden. Jetzt lüden die Amerikaner Tausende, Zehntausende „uns vor der Tür ab“, sagte er am Samstag bei einem AfD-Treffen in Kempten zu den Rettungsflügen: „Kein Asylant aus Afghanistan hat hierbei etwas zu suchen.“

AfD im Oberallgäu: "Sind die Partei der legalen Waffenbesitzer"

Die Corona-Politik der Bundesregierung nennt Felser „panisch“. Sie schade dem Land massiv. Von einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems könne „keine Rede sein“. Aktuell macht sich der 51-jährige Abgeordnete aus Sonthofen gegen restriktive Neuerungen im Waffengesetz stark: „Wir sind die Partei der legalen Waffenbesitzer, der Jäger und Sportschützen“, sagt Felser.

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Jagd und Wald beschäftigen ihn auch als Mitglied des Landwirtschaftsausschusses: „Wie vieles da unter sogenannten Klimazielen untergeordnet wird“, stört ihn. AfD-Vertreter leugnen den Klimawandel oder bezweifeln, dass er menschengemacht oder beeinflussbar sei. Felser erntete ein Schmunzeln politischer Gegner, als er 2020 ein „forst- und jagdpolitisches Leitbild“ vorstellte. Es enthält den Satz: „In Anbetracht der absehbaren klimatischen Veränderungen auch in unseren Breiten treten die Fachpolitiker der AfD für die Entwicklung klimastabiler Mischwälder ein.“

Medienzentrum soll "Gegenöffentlichkeit" zu kritischer Berichterstattung herstellen

In der AfD-Fraktion ist Felser stellvertretender Vorsitzender. Dass er weniger als andere aus der Fraktionsspitze öffentliche Präsenz erreicht, hat einen Grund: Felser gilt als emsiger Hintergrund-Arbeiter. Für seine Fraktion hat er die IT-Struktur mit aufgebaut und ein Medienzentrum mit TV-Studio: Filme und Video-Clips sollen eine „Gegenöffentlichkeit“ zu kritisch-unabhängigen und öffentlich-rechtlichen Medien bilden. „Glaubt nicht dem, was in der Zeitung steht“, warnte Felser Parteifreunde am Samstag auch vor diesem Artikel; ein Gespräch mit unserer Redaktion hatte er im Vorfeld abgelehnt.

Als Felser 2017 in den Bundestag kam, galt er als unbeschriebenes Blatt. Dann wurde bekannt, dass seine Werbeagentur wk&f lange Geschäftsverbindungen in die rechte und rechtsextreme Szene unterhielt. Felser sprach damals von „Rufmord“ und dem „Versuch, mich in die rechte Ecke zu schieben“. Inzwischen geht er selbst freimütiger mit seiner Vergangenheit um: Er sei seit über 30 Jahren „wirklich politisch mit dran“, beschrieb er jüngst auf Youtube seine Jahrzehnte alte Verwurzelung im rechten Milieu: So habe er sich seinerzeit beim Aufbau der Jungen Freiheit eingebracht.

Konkurrent schnappte die Direktkandidatur weg

Mit der Postille hält Herausgeber Dieter Stein neurechte Leser bei Laune. Ihn kennt Felser aus der völkisch-nationalistischen Deutschen Gildenschaft, der er sich in den 1990ern anschloss – ebenso wie den rechtsradikalen Verleger Götz Kubitschek. Erst 2020 beteiligte sich Felser an Publikationen aus dessen vom Verfassungsschutz beobachteten Medienunternehmen. Felser war in den 1990er Jahren Mitglied der Republikaner. Die Bundeswehr stufte den Zeitsoldaten deshalb als Extremisten ein und bremste seine Offizierskarriere aus.

Im Oberallgäuer Kreistag sitzt Felser seit dem Jahr 2020. Ab 2016 war er Chef des AfD-Kreisverbands Oberallgäu-Kempten-Lindau. Hier löste ihn heuer Rainer Rothfuß ab, der ihm zuvor auch die Bundestags-Direktkandidatur im Wahlkreis 256 Oberallgäu weggeschnappt hatte.

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