Neues zu Krankenhäusern, Impfzentren und Quarantäne

Fast das ganze Allgäu wird zum Hotspot

Wenn ein Landkreis oder eine Stadt zum Hotspot erklärt wird, gilt eine FFP2-Maskenpflicht.

Wenn ein Landkreis oder eine Stadt zum Hotspot erklärt wird, gilt eine FFP2-Maskenpflicht.

Bild: Benedikt Siegert

Wenn ein Landkreis oder eine Stadt zum Hotspot erklärt wird, gilt eine FFP2-Maskenpflicht.

Bild: Benedikt Siegert

Allgäuer Landkreise und kreisfreien Städte überschreiten die Grenzwerte. Gesundheitsämter kommen nicht mehr nach und Operationen werden abgesagt. Ein Überblick.
05.11.2021 | Stand: 19:08 Uhr

Die Pandemie hat in der Region immer massivere Auswirkungen: Voraussichtlich fünf Kreise und Städte werden zu Hotspots, in denen es stärkere Corona-Einschränkungen gibt. Die Gesundheitsämter kommen mit der Kontaktverfolgung von Infizierten nicht mehr nach und in mehreren Krankenhäusern finden nur noch dringend nötige Operationen statt. Ein Überblick.

  • Hotspots: Ab Sonntag gelten wohl die Kreise Ober-, Ost- und Unterallgäu sowie die kreisfreien Städte Kempten und Kaufbeuren als Hotspots. Dort lag die Inzidenz am Freitag über 300, zudem gehören sie alle zu einem Leitstellenbereich, in dem die Intensivbetten bereits zu mindestens 80 Prozent ausgelastet sind (Stand Freitag). Trifft dies auch am Samstag zu, ändern sich die Corona-Regeln. Wird ein Kreis oder eine Stadt zum Hotspot, muss die Verwaltung dies laut Michael Läufle vom Landratsamt Oberallgäu „unverzüglich“ bekannt geben, die strengeren Maßnahmen der roten Stufe gelten dann ab dem darauffolgenden Tag. Der Status Hotspot wird wieder aufgehoben, wenn die Inzidenz oder die Intensivbetten-Belegung drei Tage unter den Grenzwerten liegt. In Hotspots gilt FFP2-Maskenpflicht, bei Restaurantbesuchen muss die 3G+-Regel (PCR-Test) erfüllt werden und zu Kulturveranstaltungen dürfen nur Geimpfte und Genesene. (Lesen Sie auch: Diese neuen Corona-Regeln drohen dem Allgäu jetzt)

Positiv Getestete müssen ihre Kontakte selbst informieren

  • Kontaktverfolgung: „Eine breit angelegte Kontaktnachverfolgung durch das Gesundheitsamt ist nicht mehr möglich“, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts Oberallgäu und der Stadt Kempten. Wie beispielsweise auch im Ostallgäu müssen jene, die positiv getestet wurden, ihre engen Kontakte selbst informieren. „Diejenigen, die nicht geimpft oder genesen sind, sollen sich dann beim Gesundheitsamt melden“, sagt Stefan Leonhart vom Ostallgäuer Landratsamt. Die Gesundheitsämter haben zwar personell aufgestockt und bekommen teilweise Hilfe von Soldaten oder Polizisten, „die Situation ist aber nicht ansatzweise mit vorherigen Wellen vergleichbar“, sagt Läufle. In der dritten Welle habe es noch Kontaktbeschränkungen gegeben. Jetzt müssten bei jedem Infizierten Unmengen an privaten und beruflichen Kontakten verfolgt werden.
  • Quarantäne: Wer positiv getestet wurde, muss sich unverzüglich in Isolation begeben. Wie lange, hängt unter anderem vom Impfstatus ab. Auch enge Kontaktpersonen von Infizierten müssen in Quarantäne – sofern sie nicht genesen oder geimpft sind. Die Isolation für diese Personen dauert mindestens sieben Tage, in Regionen mit vielen Infizierten sind es sogar zehn Tage. Eine vollständig geimpfte Kontaktperson muss zwar nicht in Quarantäne, kann sich bei Fragen laut Leonhart aber dennoch ans Gesundheitsamt wenden: „Eine geimpfte Kontaktperson hat Anspruch auf einen kostenfreien Test.“

Krankenhäuser im Allgäu: Nur noch "dringend nötige" Operationen finden statt

  • Krankenhäuser: Beim Allgäuer Klinikverbund finden laut Geschäftsführer Andreas Ruland nur noch die „dringend nötigen“ Operationen statt. Zudem werde die Bettenzahl auf Normalstationen reduziert, „um die Corona-Bereiche zu stärken“. Die Signale aus Politik und Wissenschaft, dass das Ende der Pandemie in Sicht sei, „sind völlig entkoppelt von dem, was gerade in den Krankenhäusern passiert“, kritisiert Ruland. Stattdessen solle die Politik überlegen, wieder den Katastrophen-Fall auszurufen. Dann wäre es beispielsweise leichter, das Technische Hilfswerk für Einsätze zu rekrutieren. Zudem plädiert Ruland dafür, dass Patienten auch länderübergreifend verlegt werden. So könnten Erkrankte aus der Region ins nahe Baden-Württemberg gebracht werden. Laut Ruland wäre beim Klinikverbund „die nächste Eskalationsstufe erreicht“, wenn sogenannte Notbetten eingerichtet werden müssten. In solch einem Fall werden die Patienten auch von Personal aus anderen Stationen betreut, das für die Arbeit in der Intensivmedizin eigentlich nicht ausgebildet ist, sagt Ruland. (Lesen Sie auch: Erneut FFP2-Maskenpflicht im Bus und an der ZUM in Kempten)
  • Impfzentren: Nachdem die Öffnungszeiten von Impfzentren erst Anfang Oktober reduziert wurden, soll es nun wieder in die entgegengesetzte Richtung gehen. Die Zahlen der Impfwilligen steigen offenbar wieder: „Am Zentrum in Bad Wörishofen stehen die Menschen teilweise Schlange“, sagt Eva Büchele vom Unterallgäuer Landratsamt. Von einem steigenden Interesse spricht auch Dr. Gregor Blumtritt, Leiter der Impfzentren in Kaufbeuren und Marktoberdorf: „Nach meinem Eindruck hat das mehr mit den strengeren Regeln für Ungeimpfte zu tun als mit der Überlegung, sich schützen zu wollen.“

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