Corona-Krise

Allgäuer Sportvereine erleben Pandemie unterschiedlich

Lange Zeit waren Sporthallen aufgrund der Pandemie für den Breitensport gesperrt. Mittlerweile darf wieder trainiert werden.

Lange Zeit waren Sporthallen aufgrund der Pandemie für den Breitensport gesperrt. Mittlerweile darf wieder trainiert werden.

Bild: Ronald Maior (Symbolbild)

Lange Zeit waren Sporthallen aufgrund der Pandemie für den Breitensport gesperrt. Mittlerweile darf wieder trainiert werden.

Bild: Ronald Maior (Symbolbild)

Während einige Vereine händeringend nach Mitgliedern suchen, sind andere ziemlich unbeschadet davongekommen. Warum das Ehrenamt eine wichtige Rolle spielt.
30.07.2021 | Stand: 11:53 Uhr

„Im Herbst schlägt die Stunde der Wahrheit“, sagt Benno Glas. Dann stelle sich nämlich heraus, inwieweit die Corona-Pandemie dem Vereinssport geschadet hat, meint der BLSV-Kreisvorsitzende. In Kempten und im Oberallgäu habe sich bisher nicht viel verändert: Gab es Anfang 2020 noch 212 Sportvereine mit 84 547 Mitgliedern, sank die Zahl bis zum Jahresende bei den Vereinen nur gering. Ende 2020 waren noch 210 Vereine mit 81 936 Mitgliedern gemeldet.

Wie sich die Zahlen in dem vergangenen halben Jahr verändert haben, darüber hat der BLSV noch keine Statistiken. „Ich kann auf jeden Fall sagen, dass wir im Moment nicht zu denen gehören, die am meisten unter der Corona-Pandemie gelitten haben“, sagt Glas.

Vereinen fehlt es vor allem an Neuanmeldungen

Er hofft, dass im neuen Schuljahr mit der Rückkehr in den Präsenz- und Sportunterricht auch die Bereitschaft der Kinder und Jugendlichen steigt, wieder Sport im Verein auszuüben. „’Ichlinge’ haben wir genug in der Gesellschaft, wir brauchen wieder Teamsportler“, sagt Glas. Der BLSV-Kreisvorsitzende führt weiter aus, dass es den Vereinen hauptsächlich an Neuanmeldungen fehle. „Wenn keine Angebote da sind, schicken die Eltern ihre Kinder auch nicht in einen Verein.“ Glas erklärt, dass vor allem große Stadtvereine stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie gelitten hätten.

  • So wie etwa der TV Kempten. „Wir haben zwischen 600 und 700 Mitglieder verloren“, bedauert Roland Lowinger. Die Zahlen seien dramatisch. Doch für den TVK-Präsidenten seien die fehlenden Neuanmeldungen noch schlimmer: „Wir hatten eine lange Zeit keine einzige neue Anmeldung.“ Zu lange war ungewiss, wann und in welcher Weise die Mitglieder wieder Sport treiben dürfen. Aber auch jetzt würde alles nur zögerlich anlaufen. „Warum kommen die Leute nicht?“, fragt sich Lowinger. „Wir wissen nicht, wie wir es anders machen können.“ Mit den fehlenden Mitgliedern gingen auch finanzielle Einbußen einher. „Da wollen wir nun gegensteuern“, gibt sich der Präsident kämpferisch. Auf der kommenden Präsidiumssitzung soll thematisiert werden, wie der Verein neue Mitglieder werben kann. Ein erster Schritt gelang den Verantwortlichen bereits mit der Kindersportschule, dieses Projekt soll auch anderen Sparten als Vorbild dienen. „Vorwärts schauen, es kann nur aufwärts gehen“, sagt Lowinger.
  • Optimistisch wollen auch die Funktionäre des TSV Sulzberg sein. Doch das sei nicht so einfach, meint Karl Pfänder. Der stellvertretende Vorsitzende beklagt weniger fehlende Mitglieder, sondern sucht händeringend nach Übungsleitern und Ehrenamtlichen. „Für unser Ringerteam brauchen wir einen Trainer für die Kindergruppe und bei den Fußballern haben wir acht Übungsleiter verloren“, bedauert Pfänder. Zwar habe man ein paar Trainer reaktiviert, doch Pfänder sieht einen deutlichen Rückgang beim Ehrenamt. „Immer weniger wollen sich engagieren, das trifft die Vereine natürlich am meisten.“
  • Der TSV Betzigau habe die Krise gut überstanden, sagt Bettina Kolb, zweite Vorsitzende des Vereins. „Wir haben in den knapp eineinhalb Jahren viel Stillstand erlebt. Trotzdem können wir uns glücklich schätzen, wie wir diese schwierige Zeit überstanden haben.“ Kein Mitglied habe den Verein aufgrund der Pandemie verlassen. „Da merkt man, dass wir ein sehr familiärer Verein sind.“ Auch finanziell gehe es den neun Abteilungen des TSV gut. Beispielsweise ist die Erneuerung des Kunstrasenplatzes bereits in der Planung.
  • Beim TSV Buchenberg hat man die Pandemie mit gemischten Gefühlen erlebt. Fast alle Abteilungen hätten die beiden Lockdowns gut überstanden, sagt der erste Vorsitzende Marc Murschhauser: „Lediglich unseren Fußballern sind Einnahmen weggebrochen.“ Die Mitgliederanzahl sei von 1 300 auf rund 1 200 zurückgegangen. „Die Abmeldungen kamen aber vor allem von Auswärtigen. Die Buchenberger selber sind unserem Verein weitestgehend treu geblieben.“
  • Arg gebeutelt ist derweil die SG Waltenhofen-Hegge aus der Corona-Pandemie gekommen. In einem Newsletter an die Vereinsmitglieder beklagen die Verantwortlichen um den ersten Vorsitzenden Kay Schöne jüngst vor allem einen Mangel an Trainern und Übungsleitern. „Wir brauchen Hilfe“ sind die ersten Worte des Appells an die Mitglieder. Sie fordern mehr Engagement, um aus der „verzwickten Lage“ herauszukommen. Aktuell fehlen der SG um die sechs Trainer im Nachwuchsfußball. Schöne spricht von einem „gesellschaftlichen Problem“: „Kinder werden nur noch abgegeben. Wir brauchen Eltern, die den Trainer unter die Arme greifen oder selbst eine Jugend übernehmen.“ Aktuell sei die Jugendleiterin eingesprungen. „Sie hat ihr Hobby aufgegeben, sodass die Kinder wieder eine Trainerin haben“, sagt Schöne und fügt hinzu: „So machst du die Leute, die sich engagieren, kaputt.“ Doch auch immer mehr Kinder und Jugendliche würden den Verein verlassen. In der C- und D-Jugend habe der Klub die Spielgemeinschaft bereits ausweiten müssen. Ohne die Niedersonthofener gebe es ansonsten zu wenige Jugendspieler. „Die größeren Vereine werben unsere Kinder mit Probetrainings ab. Nach ein paar Wochen stellt sich das aber wieder ein und die Trainer machen auch nur noch das Nötigste“, sagt Schöne. Nur die wenigsten würden zurückkehren, zu groß sei die Scham, wenn man es nicht geschafft hat. Schöne: „Das ärgert mich total!“

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