Allgäuer Genussmacherwettbewerb

„Genuss ist eine Frage des Bewusstseins“ - Allgäuer Genussmacher wollen Außergewöhnliches schaffen

Michael Weiß (rechts) möchte besondere Unternehmer zusammenführen, damit sie voneinander lernen und gemeinsam mehr Kraft entwickeln.

Michael Weiß (rechts) möchte besondere Unternehmer zusammenführen, damit sie voneinander lernen und gemeinsam mehr Kraft entwickeln.

Bild: Ralf Lienert

Michael Weiß (rechts) möchte besondere Unternehmer zusammenführen, damit sie voneinander lernen und gemeinsam mehr Kraft entwickeln.

Bild: Ralf Lienert

Außergewöhnliche Produkte, Initiativen und Persönlichkeiten aus dem Allgäu werden wieder ausgezeichnet. Initiator Michael Weiß möchte Kooperationen fördern.
08.05.2022 | Stand: 18:30 Uhr

Der Allgäuer Genussmacherwettbewerb geht in die nächste Runde und damit ins vierte Jahr: Nun können wieder Macherinnen und Macher nominiert werden oder sich selbst bewerben, die regionale Produkte in besonderer Qualität anbieten. Der „Genuss“ ist dabei weit gefasst: Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger kommen aus Landwirtschaft, Gastwirtschaft und Handwerk. Sie eint die Idee, außergewöhnlich Gutes zu schaffen. Solche Menschen möchte Michael Weiß auszeichnen, aber auch miteinander in Kontakt bringen. Deshalb hat der Geschäftsführer der Meckatzer Löwenbräu diesen Wettbewerb ins Leben gerufen.

Funktioniert das mit dem Netzwerk? Ja, sagen Preisträger der vergangenen Jahre. Ruth Rebstock zum Beispiel, Chefin der Allgäuer Keramik aus Sonthofen. Sie wurde 2019 in der Kategorie „Produkt“ ausgezeichnet, denn nach Ansicht der Jury trägt auch schönes Tischgeschirr zum Genuss beim gemeinschaftlichen Essen bei. „Mir waren vorher viele Initiativen im Allgäu nicht bekannt. Die Öffentlichkeit, die durch den Wettbewerb entsteht, tut deshalb gut“, sagt sie. Und: „Man merkt, dass man nicht die einzige ist, die an Werte glaubt und Gutes schaffen will.“

Dorfgasthaus Hirsch in Vorderburg: 60 Prozent aller Produkte aus der Region

Auch Julia Engler schätzt den Wert der Kooperation. Sie wurde für ihre Arbeiten aus heimischem Leder ausgezeichnet und hat im Netzwerk einen neuen Lieferanten für Tierhäute gefunden. Sie profitiere auch davon, dass ihre Bekanntheit durch die Berichte gestiegen sei.

Das bestätigt Stefan Hartmann, der das Dorfgasthaus Hirsch in Vorderburg führt und 2021 mit dem Publikumspreis geehrt wurde: „Viele haben uns gefragt, wofür genau wir ausgezeichnet wurden. Sie wollen unsere Idee verstehen, und wir können erklären, was unsere Partner und wir machen, um nachhaltig und gut zu sein.“ Im Hirsch kommen zum Beispiel schon etwa 60 Prozent aller Produkte aus der Region, „und ich will nicht mit dem Biobauern von nebenan um den Preis feilschen, das gebietet der Respekt vor seiner Arbeit“.

Ein Netz mit Partnern, aber auch mit Gästen sei entstanden. Hartmann hofft, dass sich das ausweiten lässt: „Einen Verbund wie die Allgäuer Top-Hotels müssten wir Gastronomen auch gründen und gemeinsam für Qualität stehen.“

Michael Weiß: Auch mal verzichten, um sich etwas Besonderes leisten zu können

Lesen Sie auch
##alternative##
Naturschutzbund

Bayerischer Klimaschutzpreis: Bildungsprojekt aus Memmingen und dem Unterallgäu gewinnt

Auch Robert Johann ist ein Preisträger. Er führt die Gastronomiebetriebe der Alpsee Bergwelt und hat diese umgekrempelt: Lebensmittel sollen gesund sein, nach Möglichkeit aus der Region kommen – und wenn es Fleisch gibt, müssen die Tiere gut gehalten worden sein. „Man muss Menschen zum Genuss bringen und immer wieder erklären, was gute Produkte ausmacht“, sagt Johann. Viele Gäste seien bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen.

Michael Weiß stimmt dem Gedanken zu: „Genuss ist nicht eine Frage des Geldes, sondern vor allem des Bewusstseins. Das bedeutet, dass man auch einmal verzichtet, um sich etwas Besonderes leisten zu können.“

Allgäuer Genussmacher: So funktioniert der Wettbewerb:

Beim Genussmacher-Wettbewerb zeichnet eine Jury die Preisträger in den Kategorien Produkt, Initiative und Persönlichkeit aus, das Publikum wählt einen Genuss-Ort. Bewertet werden Qualität und Besonderheit, sozial und ökologisch verantwortungsvolles Handeln, Regionalität und Mut. In diesem Jahr wird der Wettbewerb erstmals auf Oberschwaben und den Bodenseeraum ausgedehnt.

In der Jury sitzen neben Initiator Michael Weiß unter anderem Köche, Landwirte, ein Mediziner und Journalisten. Die Preisträger erhalten neben dem Meckatzer Löwen ein Preisgeld von 5000 Euro. Sie möchten sich bewerben oder jemanden nominieren? Hier geht es zum Wettbewerb.

Hinweis: Die Allgäuer Zeitung unterstützt die Genussmacher-Initiative. Der Autor ist Teil der Jury.

Lesen Sie auch: Bereits 74 Älpler servieren nur noch Regionales - wie vor 20 Jahren Gäste die Aktion auslösten.

Für nur 0,99 € einen Monat alle exklusiven AZ Plus-Artikel auf allgaeuer-zeitung.de lesen
Jetzt testen
Ausblenden | Ich habe bereits ein Abo.