Wirtschaft im Allgäu

Am Allgäuer Arbeitsmarkt geht's weiter aufwärts - mit einer großen Hürde

MM Schultz

In vielen Wirtschaftsbereichen mangelt es im Allgäu an Fachkräften – auch in der Metallverarbeitung. Unser Bild zeigt die Produktion der Memminger Firma Magnet-Schultz.

Bild: Magnet-Schultz

In vielen Wirtschaftsbereichen mangelt es im Allgäu an Fachkräften – auch in der Metallverarbeitung. Unser Bild zeigt die Produktion der Memminger Firma Magnet-Schultz.

Bild: Magnet-Schultz

Die Corona-Krise scheint überwunden: Die Erwerbslosenquote sinkt im Allgäu. Der Mangel an Fachkräften bleibt in vielen Branchen groß. Was wird dagegen getan?
28.10.2021 | Stand: 18:32 Uhr

Es geht weiter aufwärts am Allgäuer Arbeitsmarkt – auch im Oktober sank die Quote der Erwerbslosen. „Vorzeigeregion“ sei sogar deutschlandweit das Unterallgäu, hieß es bei der Präsentation der Zahlen. Alle Allgäuer Regionen lägen inzwischen wieder unter dem Vor-Corona-Niveau. Im gesamten Bereich der Arbeitsagentur Kempten-Memmingen gab es im Vergleich zum September insgesamt knapp 700 Arbeitslose weniger.

Was die Behörde mit ihrer Leiterin Maria Amtmann freut, löst für die heimische Wirtschaft nicht alle Probleme: Die Betriebe haben nach wie vor Mangel an Fachkräften – was sich an der Zahl der offenen Stellen widerspiegelt. Sie liegt aktuell konstant bei fast 7.000. Besonders viele zu besetzende Arbeitsplätze sind im Gastgewerbe gemeldet (852), gefolgt von dem verarbeitenden Gewerbe (770), dem Handel (751) und dem Gesundheits- und Sozialwesen (666). Aber auch in der Lagerwirtschaft gibt es mit rund 500 offenen Stellen großen Bedarf, vor allem bei Logistikfirmen, die in der Region stark vertreten sind. Zudem fehlen weiterhin unter anderem Köche, Hotelpersonal, Metallbearbeiter, Maschinenführer, Friseurinnen und Friseure oder Erzieherinnen und Erzieher.

Passgenaue Qualifizierungen

Die Arbeitsagentur unterstützt die Unternehmen mit „passgenauen Qualifizierungen arbeitsloser Personen“, aber auch von Beschäftigten, die bereits in der Firma sind, sagt Amtmann. Sie betont, dass durchaus auch bislang ungelernte Kräfte vermittelt werden könnten. „Wir prüfen, ob die Person das Potenzial zu einer Fachkraft hat.“ Gefördert wird beispielsweise der Erwerb eines Lkw-Führerscheins, der Chancen in der Logistikbranche bietet.

Verstärkt versucht die Arbeitsagentur, potenzielle Mitarbeiter aus dem Ausland zu gewinnen. Da bereitet jedoch der Mangel an bezahlbarem Wohnraum im Allgäu Sorge. Einige Firmen – vor allem Hotels – bieten diesen Arbeitskräften inzwischen zumindest für eine Übergangszeit kostenlose oder ermäßigte Unterkünfte an. Die Tourismusbranche hat immer noch größte Probleme, Mitarbeiter zu gewinnen. Wegen des Lockdowns hatten viele in andere Bereiche gewechselt.

Mehr Chancen für Langzeitarbeitslose

Besonders stark ist der Arbeitslosenrückgang bei den unter 25-Jährigen – was aktuell auch am Beginn vieler schulischer Ausbildungen und Studienanfängen liegt. Aber auch 161 Langzeitarbeitslose weniger – also Menschen, die mindestens ein Jahr ohne Job sind – registriert die Behörde. „Sie bekommen inzwischen mehr Chancen bei den Arbeitgebern“, freut sich Amtmann. Das seien auch nicht unbedingt „problembelastete Menschen“, sondern vielfach Leute zum Beispiel aus der Event-Branche, die durch die Corona-Pandemie arbeitslos geworden sind.

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