Verein "Allgäu Pride"

Aufmerksamkeit für queere Themen im Allgäu schaffen

Der Verein Allgäu Pride will im Sommer eine "Pride Week" in Kaufbeuren veranstalten, um auf queere Themen aufmerksam zu machen. Ein Logo gibt es bereits.

Der Verein Allgäu Pride will im Sommer eine "Pride Week" in Kaufbeuren veranstalten, um auf queere Themen aufmerksam zu machen. Ein Logo gibt es bereits.

Bild: Allgäu Pride

Der Verein Allgäu Pride will im Sommer eine "Pride Week" in Kaufbeuren veranstalten, um auf queere Themen aufmerksam zu machen. Ein Logo gibt es bereits.

Bild: Allgäu Pride

Ein Verein setzt sich dafür ein, dass sich in der Region alle Menschen zuhause fühlen – unabhängig von der sexuellen Orientierung. Was die Mitglieder vorhaben.
12.05.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Unsicher, allein, als wäre man der oder die Einzige: So fühlen sich im Allgäu oft die Menschen, die nicht der heterosexuellen Geschlechternorm entsprechen. In der Konsequenz verlassen sie nicht selten die Region und ziehen in Großstädte, wo es meist eine queere Szene und mehr Gleichgesinnte gibt. Das beobachten zumindest die Vorstandsmitglieder des Vereins „Allgäu Pride“ – und genau das wollen sie ändern. Das Ziel: Im Allgäu soll sich jeder wohl und zuhause fühlen, unabhängig von sexueller Orientierung und Identität.

„Im Allgäu finden queere Themen einfach nicht statt“, sagt Christian Schönmeyer, Vorsitzender des Vereins. „Die Menschen fühlen sich nicht bestärkt, sich hier zu outen oder auszuleben.“ Manche Vereinsmitglieder hätten erst in der Großstadt gemerkt, wie entspannt und offen man mit der eigenen sexuellen Orientierung und Identität umgehen könne, sagt die Zweite Vorsitzende Lena Weixler. Und auch Vorurteile seien ein Problem: „Schwul sein wird hier teilweise noch mit Glitzer und viel Tralala verbunden. Das kann es auch sein, aber eben nicht nur. Solche Klischees wollen wir abbauen“, erläutert Moritz Lill, der bei „Allgäu Pride“ für die Pressearbeit zuständig ist.

Das Ziel: einen Dialog schaffen

Die Vorstandsmitglieder betonen aber auch: Sie hätten selbst keine Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht, auch seien die Allgäuer nicht intolerant. Queere Themen seien in der Region jedoch schlicht unsichtbar. „Da wollen wir ansetzen und einen Dialog schaffen“, sagt Schönmeyer.

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Ein Konzept gibt es bereits: Vom 12. bis 18. September soll eine „Pride Week“ in Kaufbeuren stattfinden, als Höhepunkt sind ein Festival und eine Parade geplant. Wichtig sei es vor allem, das Thema einer breiten Masse zugänglich zu machen. Daher soll es nicht nur Kino-, Theater- und Diskussionsabende geben. Auch die örtliche Gastronomie und den Einzelhandel wollen die Initiatoren mit ins Boot holen – damit in dieser Woche auch wirklich jeder aufmerksam wird. Derzeit ist der Verein noch auf der Suche nach Sponsoren. „Wir brauchen aber nicht nur einen Geldgeber, sondern jemanden, der hinter unserem Konzept steht.“

Oberbürgermeister als Schirmherr

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Die Stadt Kaufbeuren jedenfalls findet die Idee gut, Oberbürgermeister Stefan Bosse fungiert als Schirmherr der „Pride Week“. „Ich halte es für wichtig, dass Repräsentanten unserer Gesellschaft ein Zeichen für Toleranz setzen“, sagt er. Die Menschen in Deutschland und auch in Kaufbeuren seien vielfältig. „Es ist die Aufgabe von Kommunen, allen eine Heimat zu bieten.“

Nicht nur Bosse, auch andere Ansprechpartner hätten offen auf die Vorschläge des Vereins reagiert, sagt Florian Bodendörfer, der sich bei „Allgäu Pride“ um die Finanzen kümmert. „Für die meisten war klar: Es ist Zeit, etwas zu tun.“ Fragezeichen in den Gesichtern der Gesprächspartner gibt es aber immer wieder, wenn es um Begriffe wie „Pride“ oder „LGBTQI+“, geht, sagt Lena Weixler. Auch hier gelte es, Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Wir wollen nicht nur die queeren Menschen, sondern alle erreichen“, sagt Andreas Weixler, verantwortlich für Design und Marketing. Besonders gefreut habe ihn, dass sich bereits eine Lehrerin gemeldet hat, um darüber zu sprechen, wie das Thema sinnvoll an Schulen platziert werden könnte. Mitmachen und sich bei „Allgäu Pride“ engagieren kann jeder. Die sexuelle Orientierung ist dabei nicht egal - aber vollkommen gleich.

Kleines Wörterbuch

  • Queer: Ein Sammelbegriff für alle, die nicht der heterosexuellen Geschlechternorm entsprechen.
  • Pride: Englisch für Stolz; steht im Allgemeinen für den selbstbewussten Auftritt der LGBTQI+ Gemeinschaft in der Öffentlichkeit.
  • LGBTQI+ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer und Intersex. Das + steht dabei inklusiv für jede nicht genannte sexuelle Orientierung und Form von Identität.