"Wir lassen das Allgäu klingen"

AZ-Aktion: Diese Oberallgäuerin ist seit 47 Jahren im Musikverein Unterjoch tätig

„Kopieren, nummerieren, sortieren“: Lange war Gabriele Pöll Notenwartin im Musikverein Unterjoch. Jetzt hat ihre Tochter Katja das Amt übernommen.

„Kopieren, nummerieren, sortieren“: Lange war Gabriele Pöll Notenwartin im Musikverein Unterjoch. Jetzt hat ihre Tochter Katja das Amt übernommen.

Bild: Martina Diemand

„Kopieren, nummerieren, sortieren“: Lange war Gabriele Pöll Notenwartin im Musikverein Unterjoch. Jetzt hat ihre Tochter Katja das Amt übernommen.

Bild: Martina Diemand

Gabriele Pöll spielt seit 47 Jahren im Musikverein Unterjoch, war Notenwartin und putzt den Proberaum. Was sie in fast einem halben Jahrhundert erlebt hat.

08.09.2020 | Stand: 06:10 Uhr

Gabriele Pöll kennt jede Ecke im Proberaum des Musikvereins Unterjoch. Stolz zeigt sie die Tracht, die in einem Schrank aufbewahrt wird. Auch um den schweren Aktenschrank daneben hat sich die 60-Jährige viele Jahre gekümmert. Dort hat sie als Notenwartin alle Musikstücke archiviert, die der Verein gespielt hat. Aber nicht nur das: Pöll hält den Proberaum des Musikvereins auch seit über 30 Jahren sauber.

Früher war die Heimat der Musiker in der alten Schule, heute spielen sie im schönen, neuen vereinseigenen Proberaum im Gemeindehaus. Auf den ist Pöll stolz – vor allem, weil die Mitglieder alle selbst angepackt haben, bis alles fertig war. Sie kann genau erzählen, welcher Musiker wo gearbeitet hat.

Neben der Liebe zur Musik war die Gemeinschaft der Grund, warum sie dem Musikverein treu blieb

An den Wänden hängen Bilder und Urkunden, die an die Geschichte des Vereins erinnern. Pöll war fast die ganze Zeit dabei, egal ob es Auftritte oder Umzüge, Ausflüge oder eine CD-Aufnahme waren. „Musik ist ein sehr zeitaufwendiges Hobby“, sagt sie. Seit 1973 spielt Pöll im Musikverein Klarinette. Im Alter von 13 Jahren kam sie gemeinsam mit ihrer Cousine zu dem Verein – und hat seitdem kaum eine Probe versäumt. Für ihr Engagement wurde sie regelmäßig geehrt. Neben der Liebe zur Musik war die Gemeinschaft der Grund, warum sie dem Musikverein fast ein Leben lang treu geblieben ist. Mit 18 Jahren habe sie mal kurz darüber nachgedacht, mit der Musik aufzuhören. Sie blieb dann aber doch dabei (Allgäuer Blasmusik-Special I: Von Polka bis Punk).

Tochter Katja übernahm ihr Amt

Schon in jungen Jahren begann Pöll, sich um die Noten zu kümmern. 2001 wurde sie zur Notenwartin gewählt. Das Amt übergab sie 2013 an ihre Tochter. Die 29-jährige Katja spielt wie ihre Mutter Klarinette, ihr Bruder Robert (32) ist Schlagzeuger. Sie hat das System ihrer Mutter fortgeführt: Jedes Stück wird durchnummeriert und die Zahl ebenso wie der Vereinsname auf jedes Blatt gestempelt. Verändert hat sich seit der Amtszeit ihrer Mutter nur, dass jetzt ein Kopiergerät im Proberaum steht. „Ich musste immer für jede Kopie zur Gemeinde laufen“, erzählt Gabriele Pöll.

Sorgen bereiten der 60-Jährigen die Nachwuchsprobleme des Vereins. Es gebe einfach zu wenige Kinder im Ort. Auch die Corona-Pandemie macht den Musikern das Leben schwer. Erst durften sie nicht proben, jetzt fehlen die Auftritte. „Es ist irgendwie die Luft raus, weil das Ziel fehlt.“ Doch Pöll ist zuversichtlich, dass die nächste Generation die Tradition fortführen wird. Sie wird auf jeden Fall weiterspielen und darauf achten, dass der Proberaum sauber und aufgeräumt ist – so wie sie es immer getan hat.

AZ-Aktion "Wir lassen das Allgäu klingen": (Vereins-)Helden aus der zweiten Reihe gesucht

  • Das Vereinsleben ist ohne ehrenamtliches Engagement nicht möglich. Viele der fleißigen Helfer in Musikvereinen und -kapellen leisten seit Jahren ihren unverzichtbaren Dienst – die meisten davon nicht auf vorderster Bühne, sondern im Hintergrund. Die Allgäuer Zeitung und die Aktienbrauerei Kaufbeuren möchten diesen Menschen danken und Abteilungsleiter, Jugendbetreuer, Notenwarte, Kassiere oder Fahrer vorstellen, ohne die die Vereine nicht funktionieren würden.
  • Gibt es auch in Ihrer Kapelle oder Ihrem Musikverein verdiente Ehrenamtliche, die man vorstellen sollte? Dann senden Sie eine E-Mail an ehrenamt@azv.de