Nach durchwachsener Sommer-Saison

3G-Regel sorgt für Gesprächsbedarf: So blicken Allgäuer Bergbahn-Betreiber auf die Winter-Saison

An der Alpspitzbahn in Nesselwang gilt derzeit keine 3-G-Regel. Ob das im Winter so bleibt, ist noch nicht klar.

An der Alpspitzbahn in Nesselwang gilt derzeit keine 3-G-Regel. Ob das im Winter so bleibt, ist noch nicht klar.

Bild: Matthias Becker

An der Alpspitzbahn in Nesselwang gilt derzeit keine 3-G-Regel. Ob das im Winter so bleibt, ist noch nicht klar.

Bild: Matthias Becker

Die Sommersaison verlief für die Allgäuer Bergbahnen durchwachsen – vor allem wegen des Wetters. Eine Corona-Vorgabe macht den Betreibern nun zu schaffen.
09.09.2021 | Stand: 05:59 Uhr

„Wenn das Wetter gut war, war es bei uns rappelvoll. Nur war der Sommer, was das angeht, eben nicht gerade berauschend“: So fasst Cornelia Leicht, kaufmännische Leiterin der Hörnerbahn im Oberallgäuer Bolsterlang, die vergangenen Wochen zusammen. Nachdem die Allgäuer Bergbahnen wegen Corona über ein halbes Jahr lang nicht fahren und erst im Mai wieder öffnen durften, war der Andrang vielerorts zwar groß. Doch es mussten auch Abstriche gemacht werden. Aktuell sorgen vor allem die sich ständig ändernden Regeln für Unsicherheit. Dass die Bahnen auch im Winter laufen, dafür wollen die Betreiber ihre Hand derzeit nicht ins Feuer legen.

„Der August war, was das Wetter angeht, katastrophal“, sagt Ralf Speck, Geschäftsführer der Nesselwanger Alpspitzbahn (Kreis Ostallgäu). Bei guter Witterung sei der Andrang aber ähnlich hoch gewesen wie 2020. „Zu Beginn des Sommers war die Nachfrage noch etwas zurückhaltend, nach und nach ist sie aber auf ein gutes Niveau gestiegen“, sagt Jörn Homburg, Sprecher der Oberstdorf Kleinwalsertal (OK) Bergbahnen. Ganz so hoch wie im Vorjahr seien die Besucherzahlen aber nicht gewesen – unter anderem, weil Reisen ins Ausland wieder möglich waren. Auch eine gewisse Zurückhaltung bezüglich enger Räume könnte laut Homburg eine Rolle gespielt haben: „Das ist aber unnötig. Eine Studie hat gezeigt, wie gering die Ansteckungsgefahr in gut durchlüfteten Kabinen ist.“

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Dennoch beschäftigt Corona die Bergbahnbetreiber nach wie vor. „Vor dem 2. September war es die FFP-2-Maskenpflicht, die wir Gästen aus anderen Staaten und Bundesländern immer wieder erklären mussten. Jetzt ist es die 3-G-Regel, die für viel Gesprächsbedarf sorgt“, sagt Leicht. Zwar zeigten die meisten Besucher Verständnis, dass nur mit der Bergbahn fahren darf, wer geimpft, getestet oder genesen ist. Nachfragen gebe es dennoch, in Einzelfällen gingen die Gäste auch wieder. „Momentan haben wir die Kontrollen gut im Griff, weil wir zu zweit an der Kasse sind. Für einen allein ist das aber sehr stressig“, sagt Leicht.

Forderung: Bergbahnen dem öffentlichen Nahverkehr gleichstellen

Dass die 3-G-Regel an den Bergbahnen gilt, hält der Verband Deutscher Seilbahnen nicht für sinnvoll: „Wie die Umsetzung in personeller und organisatorischer Hinsicht bei den Betreibern erfolgen soll, ist völlig ungeklärt“, erklärt der Verband in einer Pressemitteilung – und fordert die Gleichstellung mit dem öffentlichen Verkehr. Denn der ist vom 3-G-Grundsatz ausgenommen. Auch Homburg hält die Kontrollen für kaum durchführbar und schließt sich der Forderung des Verbands an: „Die Verweildauer in den Kabinen ist viel kürzer als beispielsweise in Zügen, außerdem ist die Durchlüftung besser.“

An der Alpspitzbahn muss derzeit nicht kontrolliert werden. „Bei uns ist alles draußen und offen“, sagt Ralf Speck. Kontrollen wären aus seiner Sicht auch nur schwer realisierbar. „Wir bräuchten auf einen Schlag doppeltes Personal“, sagt er. Trotzdem hält er es für möglich, dass auch Bahnen wie an der Alpspitze künftig unter die 3-G-Regel fallen. „Man hat in der Vergangenheit gesehen, wie kurzfristig Änderungen beschlossen werden.“. Dass in den kommenden Monaten alles problemlos funktioniert, glaubt er nicht: „Einen einfachen Winter wird es nicht geben.“ Jörn Homburg sieht das ähnlich: „Das größte Problem sind die fehlende Planungssicherheit und die kurzfristigen Änderungen der Vorgaben.“ Wichtig sei es nun, den Menschen Verantwortung zuzusprechen. Jeder müsse mitmachen, das sei die Voraussetzung für einen guten Winter.

Bergbahnen gut für Besucherlenkung

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Wenn die Bergbahnen laufen, sei das auch für die Besucherlenkung von Vorteil: „In den Lockdowns hat sich vieles in den individuellen Bereich verlagert“, sagt Max Löther, stellvertretender Leiter des Naturparks Nagelfluhkette. Wenn die Bahnen fahren, sammelten sich die Besucher in deren Umfeld: „Dort sind die Parkplätze und die Infrastruktur, die wenigsten bewegen sich weit weg.“

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