Gründe für ein Leben im Allgäu

"Mit Kindern würde ich nie in einer Großstadt leben wollen"

Bloggerin Jenny lebt mit ihrer Familie im Allgäu.

Bloggerin Jenny lebt mit ihrer Familie im Allgäu.

Bild: Berggeschwister

Bloggerin Jenny lebt mit ihrer Familie im Allgäu.

Bild: Berggeschwister

Bloggerin Jenny W. wohnt mit ihrer Familie in Kaufbeuren. Sie stammt aus Berlin, der Umzug war ein Kulturschock. Heute will sie nicht mehr aus dem Allgäu weg.
13.08.2021 | Stand: 15:09 Uhr

Was bedeutet Familie heute? Was macht sie aus? Und was hält sie zusammen? Jenny, die gemeinsam mit ihrem Partner und den gemeinsamen Töchtern Hanna, 9, und Rebekka, 5, in Kaufbeuren wohnt, erzählt, wie sie leben und was Familie besonders macht. In dem Blog "Berggeschwister" teilt die 33-jährige Mutter ihr Familienleben.

Familie: Meine Familie, das ist mein Partner und meine Töchter. Eine Besonderheit von uns ist, dass jeder an einem anderen Ort geboren ist. Mein Partner kommt aus Chile. Ich bin in Berlin aufgewachsen. Meine erste Tochter Hanna ist in Weimar und meine zweite Tochter Rebekka in Kaufbeuren geboren. Noch eine Besonderheit ist, dass wir jeden Tag vegan und nicht-vegan kochen. Denn ich verzichte auf tierische Produkte, mein Partner und die Kinder nicht. Wenn ich nach Familie gefragt werde, muss ich kurz überlegen, weil mit Familie verbinde ich Personen, die mich direkt umgeben. Natürlich zählen auch meine Eltern und Großeltern zur Familie. Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen. Meinen Vater habe ich später kennengelernt und heute haben wir ein wunderbares Verhältnis. Mein Partner und ich haben nicht geheiratet. Ein Trauschein würde nichts an meinen Gefühlen ändern. Mein Partner hat eine große Familie, die sich trotz der Entfernung sehr für die Mädchen interessiert. Manchmal finde ich es schade, dass wir so weit weg voneinander wohnen. Selbst die deutschen Großeltern sind in Brandenburg, Berlin und Baden-Württemberg verstreut. Es wäre schön, wenn die Kinder mit den Großeltern aufwachsen könnten.

Anfänge: Ich habe über die Uni einen Austausch in Chile gemacht. Wir wussten schon im ersten Moment, dass es passt. Nachdem wir ein halbes Jahr zusammen waren, musste ich wieder zurück. Der Plan war, dass er mich begleitet und ich fertig studiere. Danach wollten wir wieder nach Chile. Aber dazu kam es nicht, denn Hanna war schon unterwegs. Ich habe meine beiden Kinder während des Studiums bekommen. Für mich war das die richtige Entscheidung, weil ich mir so die Zeit flexibler einteilen konnte. Hinterher mit Kindern eine Karriere aufzubauen, ist aber nicht so leicht. Aber ich würde es wieder so machen. Ins Allgäu hat es uns wegen der Arbeit meines Partners verschlagen. Als gebürtige Berlinerin nach Bayern zu ziehen, war schon Kulturschock. Aber mit Kindern würde ich nie in einer Großstadt leben wollen. Das Allgäu ist wunderschön und wir wollen hier nicht mehr weg. (Lesen Sie auch: Ein Jahr (fast) nur Allgäuer Produkte auf dem Teller: Familie Wagner testet es)

Alltag: Unter der Woche klingelt der Wecker um 6.50 Uhr. Bis wir aufstehen, ist unser Papa schon unterwegs oder er war gar nicht da. Er muss regelmäßig für mehrere Wochen beruflich weg. Gegen acht Uhr bringe ich Rebekka in den Kindergarten. Ich muss bis 14 Uhr arbeiten, danach sammle ich Hanna von der Schule ein. Während ich eine Kleinigkeit koche, erledigt sie ihre Hausaufgaben. Gegen 15 Uhr holen wir Rebekka vom Kindergarten ab. Am Nachmittag gehen wir in die Natur. Wir sind viel im Wald, am Bach oder auf der Wiese. Gegen 17 Uhr geht es heim und ich fange mit den Vorbereitungen für das Abendessen an. Gegen 20 Uhr sollen die Kinder langsam ins Bett. Die Kleine schläft meist schon vor acht Uhr ein. Dann beginnt die Zeit für meinen Partner und mich.

Auszeit: Seit ich ein Auto habe, habe ich am Morgen für eine halbe Stunde die Wohnung für mich allein. Es ist einfach schön, für einen kurzen Moment abzuschalten, die Musik voll aufzudrehen oder in Ruhe Mails zu lesen. Die Pflege meines Blogs und Instagram-Kontos ist für mich ein Hobby. Die Nachmittage in der Natur und die gemeinsamen Ausflüge sind unsere gemeinsame Auszeit als Familie.

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Streitpunkte: Zwischen den Kindern gibt es manchmal Zoff. Nach fünf Minuten vertragen sie sich dann wieder. Sie sind einfach unzertrennlich. Ich halte nichts davon, Kinder zu etwas zu zwingen. Lieber rede ich mit ihnen darüber und wir finden eine Lösung. Wie sich mein Partner und ich die Hausarbeit aufteilen, hat für Reibereien gesorgt. Vor allem seit ich berufstätig bin, hat mich die Doppelbelastung gestresst. Mein Partner kann wegen seiner Arbeitszeiten nicht mehr übernehmen. Unsere Lösung: Wir haben jetzt eine Haushaltshilfe.

Glücksmomente: Die Zeit in der Natur ist für mich und meine Familie das größte Glück. Selbst wenn wir nur als Paar was machen wollen, nehmen wir am Ende doch die Kinder mit. Wir sind gerne zu viert unterwegs.

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