Luxus-Tuning-Firma

Der Buchloer Automobilhersteller Alpina im Porträt

Die Luxus-Tuning-Firma Alpina in Buchloe ist vor rund einem halben Jahrhundert in den Rennsport eingestiegen.

Die Luxus-Tuning-Firma Alpina in Buchloe ist vor rund einem halben Jahrhundert in den Rennsport eingestiegen.

Bild: Ulrich Wagner (Archivbild)

Die Luxus-Tuning-Firma Alpina in Buchloe ist vor rund einem halben Jahrhundert in den Rennsport eingestiegen.

Bild: Ulrich Wagner (Archivbild)

Alpina in Buchloe stieg vor rund einem halben Jahrhundert in den Rennsport ein und kauft und verkauft heute sogar Wein und Spirituosen. Die Firma im Porträt.
03.08.2022 | Stand: 12:45 Uhr

Wenn man in Buchloe die Münchener Straße Richtung Osten entlang fährt, kommt man unweigerlich an der Firma Alpina (ALPINA Burkard Bovensiepen GmbH + Co. KG) vorbei. Das Firmengebäude in blau mit grünen Akzenten sticht ebenso ins Auge wie das Außengelände mit den diversen Modellen, welche auf den ersten Blick einfach wie BMWs aussehen. Doch der Schein trügt, die Firmengeschichte von Alpina hat mehr zu bieten.

Steckbrief: Alpina in Buchloe

  • Gründung: 1965
  • Firmensitz: Buchloe im Allgäu
  • Leitung: Burkard Bovensiepen, Andreas Bovensiepen, Florian Bovensiepen
  • Mitarbeiter: 290 (Stand: 2020)
  • Branche: Autobau, Wein

Seit 1962: Vertrauen zwischen BMW und Burkard Bovensiepen von Alpina

In Kaufbeuren in der Werkstatt seines Vaters entwickelt Burkard Bovensiepen für den BMW 1500 eine Weber-Doppelgasanlage. BMW war angetan und seitdem herrscht ein enges Vertrauen zwischen den beiden Firmen.

Im Januar 1965 gründet Burkard Bovensiepen in Kaufbeuren die Firma Alpina. Mit an Bord sind damals acht Mitarbeiter. 2022 sind es rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und seit 1970 hat die Firma ihren Sitz in Buchloe. 2021 wurden rund 2000 Fahrzeuge fertigt. Deutschland und Europa sind wichtige Absatzmärkte, ebenso wie Japan, USA und der Nahe Osten. 1979 wurde eine Alpina Vertretung in Japan gegründet - 2016 ging der fünftausendste Wagen ins Land der aufgehenden Sonne.

Im Jahr 1965 wurde die Firma Alpina gegründet, die heute ihren Sitz in Buchloe hat.
Im Jahr 1965 wurde die Firma Alpina gegründet, die heute ihren Sitz in Buchloe hat.
Bild: Ulrich Wagner

Alpina entwickelt seit rund einem halben Jahrhundert Tourwagen

Kurz nach der Gründung der Firma folgte der Einstieg in den Rennsport 1968 durch den Firmengründer. Niki Lauda fuhr unter anderem Alpina und gewann im Team 1970 den Tourwagen-Europapokal. Zwischen 1977 und 1987 pausiert Alpina mit Teilnahmen im Motorsport. Für ein Jahr bestritt man wieder Rennen. In dieser Zeit (1971 bis 1979) war auch Professor Fritz Indra Entwicklungsleiter bei Alpina und schuf einen Turbomotor, welcher Ende des Jahrzehnts den Alpina B7 Turbo zur schnellsten in Serie gebauten Limosine der Welt werden ließ.

Niki Lauda (links) fuhr zwischen 1968 und 1973 für Burkard Bovensiepen (rechts) und dessen Unternehmen Alpina.
Niki Lauda (links) fuhr zwischen 1968 und 1973 für Burkard Bovensiepen (rechts) und dessen Unternehmen Alpina.
Bild: Alpina

Andreas Bovensiepen (Sohn des Gründers und Mitglied der Geschäftsleitung) sitzt in der Zeit auch hinter dem Steuer und fährt in der DTM. 2009 ging man wieder an den Start mit dem BMW Alpina B6 GT3. Dieser Wagen hat es sogar in die Videospielreihe Need for Speed geschafft. In Kooperation mit LIQUI MOLY Team Engstler gewann man 2011 die ADAC GT Masters. Ein Jahr später kehrt Alpina mit eigenem Werksteam in den Rennsport zurück. Seit 2013 betreut man den Einsatz der Wagen bei anderen Teams, unterhält aber kein eigenes mehr.

Neues Geschäftsfeld von Alpina in Buchloe: Wein

1979 gründet Burkard Bouvensiepen mit Alpina Weinimport einen neuen Geschäftszweig, welcher bis heute besteht. Inzwischen wird aber darüber nicht nur Wein gekauft und verkauft. Spirituosen und sogar Olivenöl sind im Re­per­toire von Alpina. Zitiert man Burkard Bouvensiepen, so hat das Unternehmen eine Jahrgangstiefe bei großen Weinen, welche in Deutschland ihresgleichen sucht. Rund 1500 Kunden der Gastronomie gibt es und über 1000 Privatkunden. Sucht man einen Pétrus, einen der teuersten Weine der Welt, so wird man ehesten in Buchloe bei Alpina Wein fündig, denn bei einer Millionen Flaschen im klimatisieren Weinlager ist die Chance recht hoch.

Marke Alpina an BMW verkauft

1983 hat das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg Alpina als Hersteller registriert. Anfang März 2022 wurde bekannt, dass der Münchener Autohersteller die Marke Alpina kauft. Bis 2025 gehen weiter Autos vom Band und darüber hinaus soll das Serviceangebot und die Versorgung von Ersatzteilen bestehen bleiben. Innerhalb der BMW Group wird es für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, welche dann nicht mehr am Standort Buchloe tätig sein können, einen Arbeitsplatz anbieten und auch bei Lieferanten und Entwicklungspartnern für neue Arbeitsverhältnisse vermitteln. Das überhaupt die Marke an BMW verkauft wurde, liegt unter anderem daran, das es keine Planungssicherheit gibt, hinsichtlich Verbrennermotoren. Laut Andreas Bouvensiepen kostet die Entwicklung eines Alpinas zwischen 10 und 15 Millionen Euro. Sollen sich die Entwicklungskosten amortisieren, so muss das in sechs Jahren geschehen. Bei der vagen politischen Lage hinsichtlich alternativen Antriebsarten, scheint der Verkauf der Marke nur ein derzeit logischer Schluss zu sein.

Bilderstrecke

Ein Blick in die Geschichte der Buchloer Firma Alpina

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