Rückblick

Der Faschingsverein Buchloe feierte 1970/71 seine Premierensaison

1970/71 feierte der damals neu gegründete Faschingsverein Buchloe und Umgebung seine Premierensaison. Das Bild zeigt den prächtigen Wagen des Vereins mit Elferrat, Garde und Prinzenpaar.

1970/71 feierte der damals neu gegründete Faschingsverein Buchloe und Umgebung seine Premierensaison. Das Bild zeigt den prächtigen Wagen des Vereins mit Elferrat, Garde und Prinzenpaar.

Bild: Chronik Faschingsverein

1970/71 feierte der damals neu gegründete Faschingsverein Buchloe und Umgebung seine Premierensaison. Das Bild zeigt den prächtigen Wagen des Vereins mit Elferrat, Garde und Prinzenpaar.

Bild: Chronik Faschingsverein

Vor 50 Jahren ließt es der damals neu gegründete Faschingsverein Buchloe und Umgebung krachen. Aber sechs Jahre später war der närrische Spaß schon wieder vorbei.
12.02.2021 | Stand: 18:03 Uhr

Vor 50 Jahren hat der Faschingsverein Buchloe und Umgebung seine Premierensaison gefeiert. Dass es heuer keine Jubiläumssause gibt, liegt aber nicht an Corona, sondern daran, dass sich der Verein bereits ein paar Jahre später aufgelöst hat. 1976/77 war der närrische Spaß schon wieder vorbei, weil das Interesse merklich nachgelassen und es Unstimmigkeiten innerhalb der Vereinsführung gegeben hat. So steht es zumindest in der Chronik.

Ach wie flüchtig

ach wie wichtig

ist der Menschen Freude!

Wie sich wechseln Stund und Zeiten,

Licht und Dunkel, Fried und Streiten,

so sind unsere Fröhlichkeiten.

So lautet das Vorwort der Chronik. Auf der nächsten Seite folgt die Zusammenfassung der Gründung am 19. März 1970.

„Der neugegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, alljährlich den Buchloer Faschingsumzug zu organisieren und diesen mit großem Einsatz aller ansässigen Vereine durchzuführen. Die Hauptaufgabe aber liegt darin, sich mit eigenen Veranstaltungen am Faschingsgeschehen zu beteiligten, andere Veranstaltungen durch Auftritte des Prinzenpaares mit Gefolge zu verschönern und dadurch das kulturelle Leben in unserer Stadt und Umgebung zu bereichern.“

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Igling

Die Iglinger und ihr Fasching

Der Krönungsball fand am 6. Januar 1971 im Gasthaus Eichel statt – der Eintritt kostete 6 Mark. Die Buchloer Narren forderten vom damaligen Bürgermeister Franz Motzer den Stadtschlüssel ein und übernahmen das Regiment. Die Vorsätze setzten die Mitglieder schwungvoll um. Die Premierensaison 1970/71 dauerte genau 48 Tage (vom Krönungsball bis zum Faschingssonntag), an denen die Mitglieder insgesamt 28 Auftritte absolvierten. Ingrid Dittmann und Harry Wiedemann regierten als Prinzessin Ingrid I. von Buchelun und Prinz Harry I..

Namhafte Unternehmer wie Moksel, Strachowitz und Dittmann saßen im Präsidium

Das Präsidium bildeten: Hansjoachim Kannenberg (Präsident), Franz Motzer (Bürgermeister) sowie die Unternehmer Alexander Moksel, Heinz Strachowitz und Egon Dittmann. Hofmarschall war Adolf Mehl, Hofnarr Jürgen Kirsch. Zum ersten Elferrat gehörten: Franz Winkler, Jochen Strauch, Hans Spreigl, Fritz Sauter, Ernst Hoffmann, Gerhard Königsberger, Reinhold Kirschner, Hermann Uhl, Egbert Schmitz, Martin Kuhn, Georg Lochbrunner und Alois Lederle. In der Garde schwangen ihre Beine unter der Leitung von Tambour-Major Horty Fischer: Liesel Gindhart, Christl Zech, Marianne Zinner, Lea Mayer, Marianne Dolp, Karin Göttle, Marlies Göttle, Marianne Schmid, Finny Steck, Doris Platteder und Renate Müller.

Fasching Buchloe 1971
Ingrid Dittmann und Harry Wiedemann regierten als Prinzessin Ingrid I. von Buchelun und Prinz Harry I..
Bild: Christl Wiedemann

Mit dem Bus ging es bis nach Nesselwang

In den folgenden Wochen zeigten die Faschingsfreunde landauf, landab ihr Können. Sie machten Werbung für ihre Sache und für die Stadt. Im Bus fuhren sie zu den Bällen der Umgebung nach Waal, Jengen, Oberostendorf, Holzhausen, Kaufering, Schwabstadl/Lechfeld, Bad Wörishofen, Wiedergeltingen, Ettringen – und sogar bis nach Nesselwang ins Café Rebstöckle. Doch nicht nur im Umland, auch in der Stadt selbst gab der Faschingsverein sein Bestes: Beim Feuerwehrball in der Eichel, beim Reiterball in der Post, beim Fußballer-Ball in der Stadiongaststätte, beim Schlesierball im Jägerhaus und beim VfL-Turnerball in der Disco „Take off“ – überall tönte der Narrenruf „Buchelau – Schwabau!“.

Den Faschingsumzug verfolgten fast 10.000 Zuschauer

Prächtig anzuschauen war auch der Faschingsumzug, den die Buchloer am Faschingssonntag, 21. Februar 1971, auf die Beine stellten. Fast 10.000 Zuschauer standen laut Buchloer Zeitung am Straßenrand, als sich der Gaudiwurm mit 29 Festwagen und neun Musikkapellen durch das Stadtzentrum schlängelte. Besonders stark vertreten: die Narren aus Lindenberg. „Die Gemeinde Lindenberg offerierte ihre Sorgen gegen die Eingemeindung mit einem Grenzschutzpanzer und einem Sarg, der das traurige Ende einer Selbstverwaltung barg“, schrieb die BZ. Weitere Themen des Umzugs waren die Mondlandung, die Polizei-Nachtmisere und die Verbandsschule, aber auch Stadtratssitzungen.

Auch in den folgenden fünf Saisonen wurde laut Chronik zünftig gefeiert: Prinzenpaare waren 1971/72 Wolfgang Schuster (Wolfgang I.) und Christine Senner (Christine I.), 1972/73 Anton Tröbensberger (Bobby I.) und Helga Dolp (Helga I.), 1973/74 Ivan Pavic (Ivan I.) und Doris Fischer (Doris I.), 1974/75 Michael Strachowitz (Michael I.) und Gabriele Grund (Gabriele I.) sowie 1975/76 Manfred Strachowitz (Manfred I.) und Regina Kirsch (Regina I.). Von dieser letzten Saison gibt es in der Chronik allerdings nur vier Seiten mit zwei Fotos und drei Zeitungsartikeln. Auf der Innenseite des Rückdeckels klebt ein Zettel:

„Anmerkung! Wegen mangels Interesse und Unstimmigkeiten innerhalb der Vereinsführung erfolgte schließlich in den Jahren 1976/77 die Auflösung des Vereins.“

Unterschrieben ist diese Notiz von Hans Spreigl, der die Chronik mit viel Liebe und Aufwand geführt hatte.

Bilderstrecke

Die Premierensaison des Faschingsvereins Buchloe 1970/71

Der Fasching in Buchloe im Laufe der Zeit

  • In vielen Gaststätten Buchloes steppte früher an Fasching der Bär. Beinahe jeder größere Verein hatte seinen eigenen Ball.
  • Der Buchloer Gaudiwurm schlängelte durch die Straßen Buchloes. Organisiert wurde er vom Faschingsverein Buchloe und Umgebung. Doch diese Gruppierung löste sich Mitte der 1970er Jahre auf.
  • 1981 ließen verschiedene Vereine, darunter die Stadtkapelle, der Faschingsverein Lindenberg, das Rote Kreuz Buchloe oder die Feuerwehr die Faschingstradition in der Gennachstadt wieder aufleben. Sie stellten quasi aus dem Nichts einen Umzug auf die Beine, den neuen Gaudiwurm. Immer strengere Auflagen führten letztlich dazu, dass der Gaudiwurm Ende der 1980er Jahre wieder einschlief.
  • Ab 2009 versuchten die Buchloer Hexen, das närrische Treiben in der Gennachstadt zu beleben. Gut ein Dutzend verkleidete Frauen stürmten jedes Jahr mit fröhlichem Krawall und ihrem wilden Schlachtruf „Hex, Hex hurra“ das Rathaus und veranstalteten am Lumpigen Donnerstag am Rathausplatz einen lustigen Hexentanz. Beim Tauziehen zwischen dem „Bucha-Butz“, Kindern und den Hexen siegte immer die Gruppe des Frühlingsboten „Bucha-Butz“. 2015 waren die Stadthexen das letzte Mal aktiv.
  • 2018 wurde die Fastnachtszunft Buchlonia gegründet. Ihr Schlachtruf lautet: „Wir sand da – Buchlonia“. 2019 war die Premierensaison mit einigen Teilnahmen an Umzügen, Rathaussturm und ersten Auftritten der Kindershowtanzgruppe.
  • Bei allen Gründungen und Auflösungen gab es immer zumindest ein paar Veranstaltungen für kleine und große Faschingsbegeisterte – unter anderem organisiert von der Stadtpfarrei (Kinder- und Jugendfaschingsbälle), vom VfL Buchloe (Galaball des Fördervereins und Kinderfasching), von der Kolpingsfamilie (alle zwei oder drei Jahre Theater- und Faschingsabende beziehungsweise „Buchloer Allerlei“), vom Hobby-Eishockeyteam „Etosha Elephants“ (Rote Meile) sowie im Jugendzentrum.