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Eine ganz besondere Wahl

Kommunalwahl 2020

Kommunalwahl 2020

Bild: kropfma

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Politik Robert Pöschl (CSU) will am Sonntag die Stichwahl gewinnen und Bürgermeister der Stadt Buchloe werden – als besonnener Garant in einer außergewöhnlichen Situation
14.05.2020 | Stand: 13:57 Uhr

Lediglich ein Prozentpunkt fehlte Robert Pöschl, um im ersten Durchgang der Kommunalwahl zum Bürgermeister von Buchloe gewählt zu werden. Dass der CSU-Politiker trotz fünf Gegenkandidaten die meisten Stimmen am 15. März bekommen hat, das sei im Bereich des Möglichen gewesen, aber 49,3 Prozent seien unerwartet, meint Pöschl. Dennoch sei jetzt alles zurück auf Null gestellt. „Es geht wieder von vorne los“, sagt Pöschl angesichts der Stichwahl am Sonntag.

Allerdings werde es keinen Wahlkampf geben – ein paar Plakate seien aktualisiert worden, viel mehr passiere nicht. „Es ist bedauerlich, dass das Thema Corona alles überlagert, aber so ist das jetzt“, sagt er, „auch in naher Zukunft“, fügt er an. Zwar trete die Stichwahl hinter der Pandemie zurück, aber ohne Stadtoberhaupt könne Buchloe auch nicht sein. Als solches will Pöschl in allen Bereichen etwas ändern. Einerseits lobt er seinen Parteikollegen und Amtsinhaber Josef Schweinberger, aber Unterschiede in ihren Charakteren gebe es natürlich – und darum werde es auch einen anderen Stil geben, sollte er gewählt werden. „Ich möchte Politik persönlich erklären und mehr Veranstaltungen machen“, sagt er und verweist auf seine Bürgergespräche im Wahlkampf. Inhaltlich soll es in vielen Bereichen Neuerungen geben.

Pöschl will seine beiden Stellvertreter mehr einbinden – das gelte im Alltag vor allem für den repräsentativen Bereich. Außerdem will er einen Umwelt- und Klimaschutzausschuss aufstellen: „Da müssen wir schnell reagieren.“ Die CSU habe zwar im Umweltbereich teilweise eine Vorreiterrolle gehabt, aber das müsse deutlicher werden. „Der Umweltschutz wird von der Gesellschaft gefordert, das müssen wir berücksichtigen.“ Eine konkrete Umweltpolitik der Stadt will Pöschl von einer neuen Energiebilanz abhängig machen, die er zügig in Auftrag geben will. „Danach müssen wir die Konsequenzen ziehen.“ Ziel sei natürlich die CO2-Neutralität der Stadt. Wichtig ist Pöschl auch, dass der rund 20 Jahre alte Flächennutzungsplan aktualisiert wird – davon abhängig sei dann, wie bestehende und künftige Bebauungspläne gestaltet werden – aber auch, wo es neue Bebauungen, Verdichtungen oder gar Renaturierungen gibt. Wie es konkret mit der Politik im Stadtrat mit den neuen Fraktionen und deren Stärke weitergeht, sei noch offen. „Jetzt konzentriere ich mich erst einmal auf die Stichwahl. Danach werden wir mit allen Gruppierungen reden, mit Ausnahme der AfD“, sagt Pöschl.

Buchloe werde und soll weiter wachsen, und zwar auf den dafür ausgewiesenen Flächen. Alteingesessene Firmen wie Alpina oder Hörmann sollten sich aber auch noch entwickeln können. Doch Kernbereich seiner Wirtschaftspolitik soll die Digitalisierung werden: „Da müssen wir sehr schnell vorankommen“. Noch immer gebe es Betriebe mit einer 16-MBit-Leitung: „Das hemmt und ist nicht zukunftsfähig“, betont Pöschl. Mit der Breitbanderschließung könnten Firmen angelockt werden, die zumindest ihre Filialen nach Buchloe verlegen. Aber auch für Pendler sei das wichtig, wenn sie Home Office machen können – zumal in diesen Zeiten.

In dem Segment liegt Pöschl ein Eventmanager am Herzen. Der soll professionell untersuchen, welche Strukturen – auch räumliche – in Buchloe vorhanden sind, die kulturell genutzt werden oder genutzt werden können. Zudem soll der Manager das Gespräch mit allen möglichen Kulturschaffenden, Vereinen und auch mit dem Jugendbeirat suchen sowie das Marketing und die Finanzen koordinieren.

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Der Standort Buchloe mit der Kardiologie und Chirurgie sowie der Krankenpflegehelferschule müsse erhalten werden, und zwar mit einer Basisversorgung. „Das „müssen wir politisch unterstützen“, sagt Pöschl.

In dem Bereich will Pöschl seinen Fokus zunächst auf das Eisstadion legen: „Da stehen wir bei den Baumaßnahmen durch die Förderzusagen und Corona unter doppeltem Druck“.

Vor allem in Lindenberg soll die Gemeinschaft wieder gestärkt werden, während in Honsolgen und Hausen die kommenden Veränderungen gemeinsam mit den starken Ortsgemeinschaften gestaltet werden sollen.

Sollte Pöschl gewählt werden, werde der Kämmerer des Landkreises Ostallgäu aber auch etwas vermissen: „Das kollegiale Umfeld im Landratsamt wird mir sicherlich fehlen“. Dafür sei die neue Position aber noch herausfordernder als die Finanzen des Landkreises, denn „die Position des Bürgermeisters ist noch verantwortlicher – dann bin ich für alles zuständig“. Aber zuvor übt sich Pöschl in Bescheidenheit. Noch sei nichts klar, betont er: „Auch wenn ich eine bessere Ausgangsposition habe, unterschätze ich meinen Gegenkandidaten nicht und außerdem haben wir eine außergewöhnliche Situation“.

Und weil das Coronavirus für die derzeitige Krise sorge, will Pöschl auch unmittelbar aktiv werden: Zwar ist er eher ein ruhiger Vertreter seiner Zeit und besonnener Vertreter seiner Zunft. Aber sollte er am Sonntag gewählt werden, will Pöschl sofort Kontakt mit Bürgermeister Schweinberger aufnehmen, damit der „Schutz von Buchloe auch nach dem Amtswechsel gewährleistet bleibt“.