Bad Wörishofen

Faszination Kneipp: „Wasser, Weiber, warme Wickel“

2Wasserdoktor1

In dem Film „Der Wasserdoktor“ wurde Kneipps Leben verfilmt. Eine DVD gibt es jetzt bei der Mindelheimer Zeitung und im Kurhaus.

Bild: Verlag Hans Högel

In dem Film „Der Wasserdoktor“ wurde Kneipps Leben verfilmt. Eine DVD gibt es jetzt bei der Mindelheimer Zeitung und im Kurhaus.

Bild: Verlag Hans Högel

Der Film „Der Wasserdoktor“ über das Leben Kneipps ist jetzt auch als DVD erhältlich. Für die Verfilmung waren damals noch andere Titel vorgesehen.
##alternative##
Redaktion Buchloer Zeitung
13.12.2020 | Stand: 07:32 Uhr

Die große Zeit des unterhaltsamen Heimatfilms in Deutschland begann Mitte der 1950er Jahre. Der „Förster vom Silberwald“, die „Fischerin vom Bodensee“, die „Sissi“-Reihe und „Ich denke oft an Piroschka“ gehörten zu den erfolgreichsten Filmen dieses Genres. Kein Wunder, dass sich die Regisseure und Produzenten jener Zeit auch mit der spannenden Geschichte von Pfarrer Sebastian Kneipp befassten. Als in den späten 1950er Jahren sein Leben und Wirken verfilmt wurde, stieß das Projekt aber keineswegs auf uneingeschränkte Begeisterung.

Gästezahlen stiegen wegen "Wasserdoktor" und Wirtschaftswunder

Vor allem die Kneipp-Puristen sahen Anlass zu Kritik. Einen Anspruch auf historische Genauigkeit erhebt der Film ohnehin nicht, vielmehr steht er für leichte Unterhaltung. Für die Popularität von Monsignore Kneipp bedeutete der Film dennoch viel, und in Bad Wörishofen freute man sich, vor allem in den Reihen der Hotel- und Pensionseigner, sehr über die kostenlose und erfolgreiche Werbung. Die Gästezahlen stiegen nämlich spürbar an, was natürlich nicht nur am „Wasserdoktor“ lag, sondern auch am einsetzenden Wirtschaftswunder, das Deutschland nach den Kriegsjahren einen beträchtlichen Aufschwung brachte.

Wenig Begeisterung

Der frühere Bad Wörishofer Kurdirektor Ludwig Burghardt betrachtete die Dreharbeiten und das gesamte Filmprojekt ziemlich skeptisch. In einem Beitrag für die „Kurzeitung“ vom 1. Juni 1958 schrieb Burghardt: „Eine große Wiener Tageszeitung meldet, Pfarrer Kneipp wird verfilmt: Die Öfa-Schönbrunn bereitet ein interessantes Projekt vor; die verfilmte Lebensgeschichte von Kaltwasserapostel Kneipp. Carl Wery wird Pfarrer Kneipp darstellen, Werys Gattin Erna Fentsch-Wery schreibt zur Zeit am Drehbuch, Regie wird Wolfgang Liebeneiner führen.“

Burghardt zitiert den Wiener Zeitungsbericht weiter: „Die Aufnahmen sollen womöglich an den Originalschauplätzen von Pfarrer Kneipps bewegtem Leben stattfinden, also vornehmlich in Bad Wörishofen (Bayern), wo Kneipp seine berühmte Naturheilanstalt einrichtete, die ihn in heftigen Konflikt mit der Kirche brachte und bis nach Rom zu einer Papstaudienz führte. Liebeneiner sondiert zur Zeit die Möglichkeiten von Dreharbeiten im Vatikan. Die Dreharbeiten werden Mitte August im Öfa-Atelier in Salzburg beginnen. Außer Wery sind bis jetzt noch keine weiteren Darsteller verpflichtet.“

Film über Kneipp bereits 1958 in den Kinos

Burghardt wusste noch mehr über die bevorstehenden Filmpläne und verwies auf einen Artikel in der Zeitschrift „Hör zu“, die berichtete: „Carl Wery, der ,Bauerndoktor von Bayrischzell´ wird unter Liebeneiners Regie den ,Wasserdoktor Kneipp´ spielen. In Rom, wo schon Kontaktgespräche geführt worden sind, interessiert man sich lebhaft für den Mann, der den Sebastian Kneipp darstellen soll“.

Lesen Sie auch
##alternative##
Wie war das damals?

Historischer Brief eines Füsseners zur Kneipp-Kur aufgetaucht: „Das kann ich nicht aushalten“

Ludwig Burghardts Film kam unter dem ursprünglichen Titel „Sebastian Kneipp – ein großes Leben“ im November 1958 in die Kinos. Die Besucherzahlen entsprachen aber nicht den Erwartungen der Produzenten, deshalb wurde der Film schon drei Wochen später zurückgezogen. Als Grund für den Misserfolg vermuteten die Macher den wenig aussagekräftigen Titel „Sebastian Kneipp – ein großes Leben“. Was wisse der normale Kinobesucher schon von Sebastian Kneipp und was ist schon ein „großes Leben“?

„Heiße Küsse, warme Güsse“

Im März 1959 ging der Film erneut an den Start, in Bayern und Baden-Württemberg unter dem Titel „Der Wasserdoktor – Heiße Wickel, kalte Güsse“. Im übrigen Deutschland hieß er „Arzt ohne Examen“. Es hätte auch noch schlimmer kommen können, denn angeblich diskutierte die Produktionsfirma sogar über Titel wie „Wasser, Weiber, warme Wickel“, „Heiße Küsse, kalte Güsse“ oder „Wo die Wellen rauschen bis zum Knie.“

Zum 200. Geburtstag von Sebastian Kneipp, der im Jahr 2021 begangen wird, ist ein neues Buch erschienen. Der Autor Harald Klofat berichtet darin nicht nur von den Dreharbeiten rund um den Film „Der Wasserdoktor“ sondern auch von vielen weiteren interessanten Begebenheit rund um Pfarrer Kneipp.