Corona und Sport

Reitvereine in der Pandemie

Das waren Zeiten: Als Corona und die Abstandsregeln noch unbekannt waren, konnten sich die Mitglieder des VRC Weicht mit ihren Pferden noch allesamt auf dem Vereinsgelände präsentieren.

Das waren Zeiten: Als Corona und die Abstandsregeln noch unbekannt waren, konnten sich die Mitglieder des VRC Weicht mit ihren Pferden noch allesamt auf dem Vereinsgelände präsentieren.

Bild: Christian Karg

Das waren Zeiten: Als Corona und die Abstandsregeln noch unbekannt waren, konnten sich die Mitglieder des VRC Weicht mit ihren Pferden noch allesamt auf dem Vereinsgelände präsentieren.

Bild: Christian Karg

Die Reit- und Fahrvereine haben es im Lockdown doppelt schwer. Sie sind als Clubs und Tierhalter betroffen. Wie die Situation im Ostallgäuer Weicht und in Fuchstal im Landkreis Landsberg aussieht
Das waren Zeiten: Als Corona und die Abstandsregeln noch unbekannt waren, konnten sich die Mitglieder des VRC Weicht mit ihren Pferden noch allesamt auf dem Vereinsgelände präsentieren.
Von Markus Frobenius/Daniel Weber
01.04.2021 | Stand: 07:15 Uhr

Seitdem sich Sportler im Lockdown nicht mehr zum Trainieren treffen durfte, klagen manche Vereine über sinkende Mitgliederzahlen und Demotivation. Reitsportlern kann zusätzlich noch etwas anderes zu schaffen machen: Manche von ihnen können sich nicht mehr optimal um ihre Tiere kümmern. Allerdings ist das von Verein zu Verein unterschiedlich – auch wenn sie in unterschiedlichen Landkreisen liegen, wie der VRC Weicht und der RFV Fuchstal.

„Um seine Tiere muss sich jeder selber kümmern, sie müssen trotzdem bewegt werden“, sagt Simon Hefele, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Fuchstal (RFV). Sein Verein hat keine eigenen Vereins- oder Schulpferde, die Mitglieder stellen die Tiere selbst – und müssen sie folglich auch selbst versorgen. Doch mit Füttern allein ist es nicht getan: „Es ist wichtig, dass die Pferde nicht nur rumstehen“, betont Hefele. Ob die Reiter mit ihren Tieren auf dem Reitplatz oder der Reithalle des Vereins oder im Gelände unterwegs sind, sei unerheblich, nur müsse man natürlich auf die Corona-Einschränkungen achten.

Mal geht etwas, mal nicht

Anders ist es beim Voltigier und Reit Centrum Weicht. „Beim VRC Weicht handelt es sich um einen Pferdesportverein, der seinen Schwerpunkt auf dem Voltigier- und nicht auf dem Reitsport hat. Die aktiven Mitglieder sind somit fast ausschließlich in Breitensport- und Turniergruppen organisiert und trainieren gemeinsam mit einem Pferd in Mannschaften. Reitunterricht findet auch statt, jedoch in einem viel geringeren Umfang“, erzählt Sarah Hartung. Wobei der angesichts der Coronazahlen im Ostallgäu ohnehin kaum möglich ist – oder war, wie Hefele aus Landsberg berichtet: „Der Unterricht war bis vor Kurzem verboten, man durfte Halle oder Platz nur allein benutzen. Jetzt sind Reitstunden draußen wieder erlaubt“. Wenn in einem Landkreis der Sieben-Tage-Inzidenzwert stabil unter 50 ist – wie im Kreis Landsberg – darf Training in kleinen Gruppen unter freiem Himmel wieder stattfinden.

Weil sich beim RFV Fuchstal die Mitglieder selbst um ihre Lehrer und Reitstunden kümmern, könne Hefele aber nicht genau sagen, wie viele nun wieder trainieren. Was aber in jedem Fall noch nicht geht, sind die Veranstaltungen: „Unsere Pferde machen auch oft mit Festwagen bei Umzügen von Musik- und Trachtenfesten oder Bierzelten mit. Das fällt wohl heuer wieder komplett aus, wie schon letztes Jahr“, vermutet Hefele. Ein Turnier könne man zwar einigermaßen kurzfristig organisieren, wenn es die Umstände gerade zulassen. „Aber die Bierzelte sind ja große Veranstaltungen. Da braucht es mehr Vorlauf.“

Investitionen nicht mehr möglich

Und die fehlenden Aktivitäten führen bei manchen Vereinen auch zur Austritten – in Weicht zwar noch nicht – aber dafür schnüren sie das Budget ein, berichtet Hartung: „Aktuell besteht bei uns zum Glück noch kein nennenswerter Mitgliederverlust. Durch die Verbundenheit und Treue unserer Mitglieder zum Verein haben wir somit noch keine Probleme die laufenden Kosten wie Boxenmiete, Futter, Tierarzt, oder Hufschmied zu decken. Da jedoch Einnahmen aus Veranstaltungen wegfallen, können wir keine Investitionen mehr tätigen. Für die Solidarität der Mitglieder sind wir unglaublich dankbar, da sonst der Verkauf der Pferde drohen würde und somit die Existenz des Vereins auf dem Spiel stünde“. Aber Hartung weiß auch, dass dies nur eine Momentaufnahme ist: „Natürlich befinden wir uns aktuell auf ganz dünnem Eis – das wissen wir. Denn je nachdem, wie lange sich diese Situation noch hinzieht, kann es sich auch wandeln, was wir alle nicht hoffen“.

Motivationshilfen gefragt

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Zudem könne die fehlende Vereinsaktivität auch erheblich demotivieren, meint Hartung: „Nicht nur um die Existenz des Vereins mache ich mir Gedanken, sondern als hauptberufliche Sportwissenschaftlerin weiß ich, welche Auswirkungen dieser Trainingsstopp für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit sich bringt. Damit meine ich nicht nur die fehlende Bewegung, sondern besonders auch die Gemeinschaft und das Miteinander von Teammitgliedern und Pferd. Aus diesem Grund haben wir auch bereits im Herbst begonnen, online Trainingseinheiten durchzuführen. Zusätzlich bieten wir seit Kurzem auch unseren Kleinsten eine coronakonforme 1 zu 1-Betreuung im Freien an“.

Dafür müssen aber auch die Trainer und Betreuer mitspielen. „Ich bin sehr froh, dass wir einen so engagierten Trainerstab haben, der trotz Corona weiterhin sehr bemüht agiert und sein Bestes gibt. Auch auf unsere Reitbeteiligungen ist Verlass. Sie kümmern sich gewissenhaft um die Vereinspferde und sorgen dafür, dass sie trotz ausgefallener Trainingseinheiten bewegt werden“, lobt Hartung.

Das Herz muss dabei sein

Aber neben all diesen Angeboten dürfe auch an das Gefühl nicht zu kurz kommen: „Durch die Angebote und Briefe oder Informationsschreiben versuchen wir, den Kontakt und die Nähe zwischen Verein und Mitglieder zu bewahren und zu signalisieren, dass uns jedes einzelne Vereinsmitglied am Herzen liegt“.