Erneuerbare Energie

Wiedergeltinger wollen Sonnenstrom lieber vom Dach als vom Feld

Die Wiedergeltinger Gemeinderäte wollen keine Freiflächen-Fotovoltaikanlagen, auch nicht wenn - wie bei dem Pilotprojekt - die Fläche unter den Modulen landwirtschaftlich genutzt werden könnte.

Die Wiedergeltinger Gemeinderäte wollen keine Freiflächen-Fotovoltaikanlagen, auch nicht wenn - wie bei dem Pilotprojekt - die Fläche unter den Modulen landwirtschaftlich genutzt werden könnte.

Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Die Wiedergeltinger Gemeinderäte wollen keine Freiflächen-Fotovoltaikanlagen, auch nicht wenn - wie bei dem Pilotprojekt - die Fläche unter den Modulen landwirtschaftlich genutzt werden könnte.

Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Einem Pilotprojekt an der A96 hat Wiedergeltingen die Rote Karte gezeigt. Neben dem Verlust landwirtschaftlicher Flächen steht die Wirtschaftlichkeit infrage.
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Von Regine Pätz
25.03.2021 | Stand: 05:35 Uhr

Solarstrom als Energiequelle ist grundsätzlich ja eine gute Sache – dennoch hat sich der Wiedergeltinger Gemeinderat mit klarer 10:2-Mehrheit gegen eine Solaranlage ausgesprochen, die ein Betreiber links und rechts der Bahnlinie München-Lindau oder der A 96 auf einer Länge von 200 Metern errichten wollte.

Wiedergeltingen verfügt aufgrund seiner geografischen Lage über in Frage kommenden landwirtschaftlichen Boden; in einem Korridor von je 200 Metern links und rechts der Bahnlinie München-Lindau oder der A 96. Ende Januar, so unterrichtete Bürgermeister Norbert Führer in jüngster Sitzung, habe eine Anfrage des Landratsamtes das Rathaus erreicht.

Bundesforschungsministerium fördert das Pilotprojekt

So könnte Wiedergeltingen die Möglichkeit bekommen, Solarflächen zu generieren, die auch nach Errichtung für die Landwirtschaft nutzbar wären, „wenn auch mit Einschränkungen“, wie Führer einräumte. Die Gemeinde wäre damit Teil des Pilotprojekts. Die sogenannte Agri-Photovoltaik (Agri-PV), ein gemeinsames Projekt von Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme und weiteren Partnern aus Wissenschaft und Praxis – gefördert durch das Bundesforschungsministerium, lässt beides zu: Stromerzeugung und Bewirtschaftung des Bodens.

Unter den Solarmodulen kann Obst, Gemüse und Getreide angebaut werden

Möglich macht das der Einsatz sogenannter bifazialer PV-Anlagen. Diese Module produzieren auch durch die Unterseite Strom, etwa wenn der Boden bei Schnee Licht reflektiert. Etliche Forschungsteilnehmer haben dazu hohe Stahlgerüste über Teile ihrer Acker montiert, worauf sich die Anlage befindet. Darunter kann Obst, Gemüse oder Getreide wie bisher angebaut werden. Auch die Ausrichtung der Module ist anders. Sie können auch senkrecht aufgeständert werden.

Allerdings, auch daran erinnerte der Bürgermeister, habe das Gremium bei einer Klausurtagung im Januar 2020 Vorbehalte gegenüber Freiflächen-PV-Anlagen geäußert. Ausschlaggebend gewesen sei eben der Verlust wertvoller Nutzflächen, wie es zumindest die herkömmliche Variante nach sich zieht.

Rund vier Hektar wären auf Wiedergeltinger Flur nötig

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Rund vier Hektar, aufgeschlüsselt auf Pilotfläche Agri-PV plus Referenzfläche mit reiner landwirtschaftlicher Nutzung, müssten auf Wiedergeltinger Flur zur Verfügung gestellt werden, über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren, aus gemeindlichen oder privaten Besitz. Nach der Pilotphase soll die Anlage weiter in Betrieb bleiben, angestrebt sei eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren. Dazu könnten sich, so Führer, LEW und Landwirt die Pacht für die Agri-PV-Fläche teilen.

Wiedergeltinger Gemeinderäte zeigen sich sehr skeptisch

Bei der Diskussion über eine Teilnahme am Pilotprojekt zeigte sich, dass die Vorbehalte gegenüber Anlagen auf Nutzflächen groß sind. So konnte Anton Weißenhorn (CSU) in bifazialen Modulen noch gewisse Vorteile erkennen. Die Last liege dennoch auf den Schultern des Landwirtes, wenn etwa nach Abschreibung der Anlage alles zurückgebaut werden müsse. „Wir haben viele leere Dächer im Ort, da gehört für mich PV hin“, sagte Weißenhorn.

Ebenfalls skeptisch zeigte sich Maximilian Kienle (Bürgerverein), der eine Landwirtschaft betreibt. PV liefere im Vergleich zu Biogas pro Hektar mehr Strom, jedoch halte er es für unsinnig, eine Agri-PV-Anlage mit senkrechter Aufständerung anzubringen, deren Ertrag deutlich schlechter sei als die schräge Variante. „Zwischen den Modulen eine sinnvolle landwirtschaftliche Nutzung herbeizuführen, ist bei den immer größer werdenden Maschinen nicht zielführend“, ergänzte Kienle, der selbst eine der ersten PV-Dachanlagen in Wiedergeltingen betreibt. „Wird nix“, sagte auch Ludwig Schweinberger (FWW), der Vergleichswerte seiner eigenen PV-Anlage einbrachte.

Unter Vorbehalt für eine Teilnahme sprach sich Bernd Stapfner (CSU) aus. Er wäre nicht abgeneigt, weil die in Frage kommende Fläche in Bezug auf Emission ja „nicht 1A“ sei. Allerdings habe der Gemeinderat in Sachen erneuerbare Energien „seine Hausaufgaben innerorts ja bisher gemacht“, sagte Stapfner. Auch für ihn gehörten PV-Anlagen aufs Dach. Norbert Führer selbst könnte sich eine Teilnahme vorstellen, um zu versuchen, „einmal andere Wege zu gehen“.

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