Bundestagswahl 2021

FDP-Kandidat Stephan Thomae: Nun doch eine Jamaika-Koalition?

FDP-Vize sieht Fortschritte beim MAD

Stephan Thomae will zum zweiten Mal den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen.

Bild: Christoph Soeder, dpa

Stephan Thomae will zum zweiten Mal den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen.

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Stephan Thomae will für den Wahlkreis Oberallgäu zum dritten Mal in den Bundestag. Er zählt zu den Allgäuern mit Chancen auf einen aussichtsreichen Posten.
22.09.2021 | Stand: 04:50 Uhr

Wer schafft es aus dem Allgäu in den Bundestag? Vor der Wahl am Sonntag informiert die AZ in einer kurzen Reihe über Kandidaten aus der Region, die gute Chancen haben, (wieder) ins Parlament einzuziehen. Im letzten Teil geht es um Stephan Thomae. Er kandidiert auf Platz sechs der bayerischen FDP-Landesliste und ist Direktkandidat im Wahlkreis Oberallgäu, zu dem auch Kempten und der Kreis Lindau gehören.

Stephan Thomae hatte vor vier Jahren bis zum Schluss auf eine Einigung bei den Regierungsverhandlungen gehofft. Der Oberallgäuer FDP-Politiker war damals nach ein paar Tagen eingestiegen, da liefen die Jamaika-Sondierungen bereits. Am Ende scheiterte Schwarz-Gelb-Grün an den Inhalten. Thomae spricht rückblickend von einem „total chaotischen Verfahren“. Dieses Mal soll es anders laufen, kündigt er an.

Der Rechtsanwalt, der in der 5000-Einwohner-Gemeinde Sulzberg lebt, hat einen aussichtsreichen Listenplatz, sein Wiedereinzug ins Parlament gilt als sicher. Es wäre seine dritte Legislaturperiode. Thomae war von 2009 bis 2013 Bundestagsabgeordneter, danach bescherten die Wählerinnen und Wähler ihm und der gesamten FDP eine vierjährige Zwangspause. 2017 kam der gebürtige Kemptener schließlich über Platz sieben auf der bayerischen Liste zurück nach Berlin.

Stephan Thomae: „Modernisierung des Landes“ mit den Grünen möglich

Thomae rechnet damit, dass die Sondierungsgespräche dieses Mal zehn bis 14 Tage dauern – und hofft, dass es im Gegensatz zu 2017 zunächst tatsächlich nur um die großen Punkte geht. Bei den anschließenden Koalitionsverhandlungen würde der Oberallgäuer mit am Tisch sitzen, im Hintergrund arbeitet den Verhandlern ein Team aus Fraktionskollegen und Beratern zu.

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Stephan Thomae: "Die Atmosphäre ist viel besser als 2017“

Jüngst noch nannte der 53-jährige Oberallgäuer die Union als Lieblingspartnerin in einer Koalition. Daran habe sich auch angesichts der aktuellen Prognosen nichts geändert, sagt Thomae. Er könne sich eine Jamaika-Koalition gut vorstellen: Die Union bringe „viel wirtschaftliche Vernunft“ ein. Mit den Grünen sei eine „Modernisierung des Landes“ möglich.

„Den Menschen mehr zutrauen“: So lautet der Slogan Thomaes für diese Bundestagswahl. Eine seiner zentralen Forderungen: Die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ müsse ein Ende haben. Diese hatte der Bundestag Ende August zuletzt für weitere drei Monate verlängert. Der Ausnahmezustand, während dem Bundes- und Landesregierung vorbei an den Parlamenten entscheiden, müsse aufhören, sagt Thomae. Die Argumente zu Corona-Maßnahmen sollen seiner Ansicht nach stattdessen „wieder auf offener Bühne“ ausgetragen werden.

Der Fachkräftemangel ist ein weiteres Thema, mit dem sich der Oberallgäuer intensiv beschäftigt. Thomae fordert ein Einwanderungsgesetz mit einem Punktesystem nach kanadischem Vorbild. Menschen, die in Deutschland arbeiten wollen, sollen dazu eine legale Möglichkeit haben: „Man muss das entsprechend kontrollieren und steuern“, sagt Thomae. 2009 habe er hierzu erste Erfolge erzielt, darauf will er aufbauen.

FDP-Kandidat Thomae: Gute Voraussetzungen für einen Ministerposten

Nicht nur was seinen Wiedereinzug in den Bundestag angeht, werden ihm gute Voraussetzungen attestiert. Er gilt unter den Allgäuer Kandidatinnen und Kandidaten auch als einer, der Chancen auf einen aussichtsreichen Posten haben könnte. Schon jetzt ist Thomae als stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender in der zweiten Reihe hinter Christian Lindner und verantwortlich für Innen-, Rechts-, Verbraucherschutz- und Sportpolitik. Zudem hat er als Mitglied des „Parlamentarischen Kontrollgremiums“ die Nachrichtendienste und den Verfassungsschutz im Blick.

Sollte die FDP mitregieren, winkt Stephan Thomae dann womöglich gar ein Ministerposten? Der Oberallgäuer weist derartige Spekulationen zurück, es gebe zu viele offene Fragen, als dass man jetzt über Posten sprechen könne: „So gehen wir auch nicht in die Verhandlungen rein.“