"Tod durch den Strang"

Bürgermeister erhält Todesdrohungen von "Reichsbürgern" - Spur führt ins Allgäu

Ein Bürgermeister aus dem Landkreis Freising stand unter Polizeischutz, weil er massive Todesdrohungen erhalten hat. Ein Spur führt zu einem Ferienhof im Allgäu.

Ein Bürgermeister aus dem Landkreis Freising stand unter Polizeischutz, weil er massive Todesdrohungen erhalten hat. Ein Spur führt zu einem Ferienhof im Allgäu.

Bild: Daniel Karmann, dpa (Symbolbild)

Ein Bürgermeister aus dem Landkreis Freising stand unter Polizeischutz, weil er massive Todesdrohungen erhalten hat. Ein Spur führt zu einem Ferienhof im Allgäu.

Bild: Daniel Karmann, dpa (Symbolbild)

Ein Bürgermeister aus dem Landkreis Freising geht kruden "Corona"-E-Mails nach. Er landet im Allgäu - und bekommt danach Todesdrohungen von "Reichsbürgern".
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Von Allgäuer Zeitung
30.12.2021 | Stand: 14:28 Uhr

"Erst wenn Du getötet bist, ist die Welt bereinigt..." Ein Bürgermeister aus dem Landkreis Freising hat jetzt diese und weitere Todesdrohungen, die an ihn gerichtet wurden, öffentlich gemacht. Polizei und Staatsschutz sind eingeschaltet, der Mann wurde für zehn Tage unter Polizeischutz gestellt.

Eine Spur zu den Absendern der Nachrichten führt in die "Reichsbürger"-Szene und zu einem Ferienhof im Allgäu. Von dort sollen einschlägige E-Mails an verschiedene Schulen im Landkreis Freising bei München verschickt worden sein. Darin hieß es im "Reichsbürger"-Jargon, dass Deutschland unter Kriegsrecht stehe und Lehrer sich wegen Corona-Tests an Kindern vor dem Kriegsgericht zu verantworten hätten.

Wie das Freisinger Tagblatt berichtet, wurde der Bürgermeister wegen der Mails aktiv und machte über die Absenderadresse eine Telefonnummer ausfindig. Diese gehöre zu dem Ferienhof im Allgäu.

Frau aus dem Allgäu bekennt sich zu aggressiven E-Mails an Schulverantwortliche

Bei einem Anruf dort bekannte sich eine Frau offen zu den Mails, berichtet das Blatt. Es kam zu einem kurzen Streit am Telefon. "Ich habe in ein Wespennest gestochen", sagt der Kommunalpolitiker mit Blick auf die Folgen: Denn nun wurde er zum Ziel der Szene, die durch den Anruf seinen Namen und seine Handynummer kannten.

Kurz darauf meldete sich eine Anruferin bei dem Mann und stieß Drohungen aus. Auf seinem Handy landeten zahlreiche SMS und WhatsApp-Nachrichten - das Blatt berichtet von Hunderten von Beschimpfungen und Morddrohungen. Auch die Angehörigen des Bürgermeisters wurden zum Ziel: Mit ihm sei seine Familie "bis in die vierte Generation" zum Tode verurteilt worden, hieß es etwa in einer Sprachnachricht.

Polizei beobachtet die "Reichsbürger"-Szene im Allgäu

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Der Kommunalpolitiker, der wegen der Drohungen anonym bleiben will, schaltete die Polizei ein. Dort beobachtet man die "Reichsbürger"-Bewegung, die durch die Corona-Krise ab 2020 weiteren Zulauf erhielt, genau. "Ende des vergangenen Jahres hatten wir 272 Personen identifiziert, die im Allgäu dieser Szene zuzuordnen sind", sagt Holger Stabik vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West auf Nachfrage von allgaeuer-zeitung.de.

Die "Reichsbürger" in der Region seien kleinteilig organisiert, aber durchaus vernetzt und miteinander im Austausch. Der Fall des Bürgermeister aus Oberbayern überrasche ihn deshalb nicht, sagt Stabik. Auch im Allgäu gebe es in der Szene einige, die ihre kruden Fantasien "proaktiv ausleben und solche Mails an Behörden" oder Personen verschicken würden.

Der Gemeindechef aus Freising bekam für zehn Tage Polizeischutz, blieb aber weiterhin im Visier der "Reichsbürger". Auf einem einschlägigen Telegram-Kanal seien ein Foto und seine Kontaktdaten veröffentlicht worden. Außerdem hieß es dort, er sei "zum Tod durch den Strang verurteilt". Wie das Online-Portal t-online berichtet, soll der Kopf hinter dem Telegram-Channel inzwischen in Baden-Württemberg verhaftet worden sein. (dan)

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