Kommentar

"Der Kampf ist längst nicht verloren" - Wie der Handel im Allgäu sich selbst stärken kann

Auch in der Kemptener Innenstadt stehen einige Geschäfte seit der Beginn der Corona-Pandemie leer.

Auch in der Kemptener Innenstadt stehen einige Geschäfte seit der Beginn der Corona-Pandemie leer.

Bild: Ralf Lienert

Auch in der Kemptener Innenstadt stehen einige Geschäfte seit der Beginn der Corona-Pandemie leer.

Bild: Ralf Lienert

Leerstand ist in vielen Stadtzentren im Allgäu jetzt schon ein Problem. Damit Innenstädte überleben, muss an vielen Schrauben gedreht werden. Ein Kommentar.
17.03.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Die Liste der Probleme ist lang: Dem Handel in den Innenstädten macht seit langem die Konkurrenz auf der Grünen Wiese zu schaffen, Online-Anbieter werden immer stärker, die Pandemie hat das Geschäft vermiest und nun drückt der Ukraine-Krieg auf die Stimmung: Zukunftsängste sind nicht gerade eine Triebfeder für ausgedehnte Shopping-Touren.

Es ist vielen Innenstädten anzusehen, dass der Handel in Schwierigkeiten steckt: Leere Läden gibt es heute auch schon mitten in den Zentren. Wird es immer so weitergehen und werden wir irgendwann in verwaisten Innenstädten stehen? Es gilt, vieles in Bewegung zu setzen, um dieses Szenario nicht wahr werden zu lassen.

Service als Stärke des Handels im Allgäu sehen

An erster Stelle ist dabei nicht die Kommunalpolitik gefragt, sondern der Handel selbst. Ein Beispiel: Wenn ein Kunde weiß, dass es die Anzüge seiner Wahl in einem Modehaus im Stadtzentrum gibt und dort auch Beratung und Preis stimmen, wird er dorthin gehen. Auch wenn der Kauf im Internet bequemer wäre und es direkt vor dem Laden keine Parkplätze gibt. Der stationäre Handel kann den Kundinnen und Kunden etwas geben, was sie online nicht bekommen: guten Service und Aufmerksamkeit.

Und doch ist klar, dass es für die Händler ohne Internet nicht mehr geht. Eine eigene Homepage ist eine Selbstverständlichkeit, auch Auftritte in sozialen Medien können helfen. Und warum nicht den Lieferservice beibehalten, der sich in Corona-Hochphasen bewährt hat? Oder was spricht dagegen, manche Waren auch über die Internet-Plattform Ebay zu vertreiben?

Auch Verkehr entscheidet über Zukunft des Einzelhandels im Allgäu

Auch wenn ihre Rolle bisweilen überschätzt wird, hat auch die Politik ihren Anteil am Zustand des Handels. Verkehrsfragen spielen eine große Rolle: Soll der Autoverkehr komplett raus aus den Innenstädten, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und so mehr Kunden anzulocken? Hier ist Vorsicht geboten und ein kluger Kompromiss der bessere Weg. So unterstreicht beispielsweise eine aktuelle Studie in Kaufbeuren, dass eine Mehrheit der Verbraucher immer noch mit dem Auto in die Innenstadt kommt.

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