Wagners Tagebuch "made im Allgäu"

Die Suche nach glutenfreiem Mehl

Das sind die Wagners (von links): Alexandra, Tim, Matthias und Paul.

Das sind die Wagners (von links): Alexandra, Tim, Matthias und Paul.

Bild: Familie Wagner

Das sind die Wagners (von links): Alexandra, Tim, Matthias und Paul.

Bild: Familie Wagner

Ein Jahr lang ernährt sich Familie Wagner (fast) ausschließlich von Produkten aus dem Allgäu. Was sie dabei alles erlebt, hält sie in ihrem Tagebuch fest.
22.10.2021 | Stand: 18:24 Uhr

Woche 12: Die Suche nach glutenfreiem Mehl

Gibt es was Schöneres, als wenn es im ganzen Haus nach frischem Brot duftet? Eine große Leidenschaft von uns ist das Backen von eigenem Brot, Gebäck und Kuchen. Dazu haben wir jahrelang das Mehl von den Allgäuer Mühlen wie zum Beispiel der Weisachmühle in Oberstaufen oder von unserem Lieblingsbäcker vor Ort geholt, der mit heimischen Lieferanten arbeitet. Nun wäre das ja zu einfach, wenn immer alles reibungslos ablaufen würde. So haben wir leider nicht nur beim Thema Kuhmilch, sondern auch bei den glutenhaltigen Lebensmitteln diverse Nahrungsmittel- Probleme.

Mehr Lebensqualität

Es war schon ein ziemlich langer Weg, sich schrittweise an die neue, glutenfreie Backkunst heranzuwagen und viele Versuche waren ein totaler Flop. Sei es in Sachen Konsistenz oder Geschmack. Von Regionalität braucht man da gar nicht zu sprechen. Umso mehr haben wir uns von Herzen gefreut, als wir endlich in der Westallgäuer Gemeinde Scheidegg fündig geworden sind. Dort werden bei ValandPri glutenfreie Mehle hergestellt. Vor Ort wird alles produziert und wir haben noch nie so eine gute Mehl-Qualität und so ein tolles Backverhalten erlebt. Die persönliche Beratung ist super. Es ist schön, nicht auf die Angebote der Supermarkt-Lieferanten zurückgreifen zu müssen. Noch schöner ist es allerdings, mit tollen Produkten so viel Lebensqualität wieder zurück zu erhalten – und das regional.

Woche 11: Solidarische Landwirtschaft

Familie Wagner aus dem Allgäu ist von „Solidarischer Landwirtschaft“ begeistert und packt auf dem Gemüsefeld eines Hofs im Oberallgäu mit an.

Woche 10: Alternativen zu Kuhmilch

Leckerer Käse, frischer Joghurt und Milch aus dem Allgäu –was will man mehr, wenn man alles vor der Nase hat. Doch leider ist das bei uns Vieren nicht immer nur positiv zu sehen. Der Konsum von Milchprodukten in jeglicher Form führt bei uns regelmäßig zu diversen Problemchen. Nur schmeckt uns das traditionelle Frühstücksmüsli leider nicht mit lauwarmem Wasser. Also musste eine Lösung her. Mittlerweile ist es aber nicht mehr so schwer, Alternativen zu finden, wenn man auf Kuhmilch verzichten sollte oder auch möchte.

Milchalternativen: Das Angebot ist groß – aber nicht regional

Wir haben uns durch viele Alternativen durchprobiert. Angefangen vom Haferdrink bis hin zu diversen nuss-basierten Getränken. Regional lässt sich das Thema im Milchland Allgäu etwas schwerer bedienen. Nach längerer Suche sind wir schließlich fündig geworden, zumindest wenn man den Großraum Augsburg mit in Betracht zieht. Dort gibt es den Anbieter Bayernglück, der im Freistaat angebauten Hafer verarbeitet. Diesen gibt es bereits in Supermärkten zu kaufen. Wir sind gespannt und hoffen, dass sich auf dem Markt noch einiges tun wird. Ansonsten heißt es halt Selbermachen – mit Haselnüssen aus dem Garten oder der Region, Wasser und einem Hochleistungsmixer. Das ist dann definitiv regional.

Woche 9: Eiersammeln und Kuscheln mit Hennen

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Einzelhandel

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Nachdem unsere Gockel noch eine schöne Zeit auf dem Schochenhof in Ottobeuren verbringen dürfen, war der Wunsch nach Geflügelfleisch vor allem bei den Kindern mal wieder groß. Zugegeben, so viel Geflügel wird bei uns nicht verzehrt. Zumal wir bis jetzt immer ein paar Widersprüche in Bezug auf Haltung und Fütterung der Tiere im Hinterkopf hatten. Wir haben uns deswegen sehr gefreut, als wir gehört haben, dass auf dem Husenhof in Ungerhausen (Unterallgäu) die Hühner und Gockel in Freilandhaltung mit viel Wiese und gutem Futter gehalten werden. Was passte somit also besser als ein Besuch auf dem Hof?

Glückliche Kinder und Tiere

Als wir in Ungerhausen ankamen, durften wir uns zudem auch die reinrassigen Iberico-Schweine und deren Ferkel anschauen. Eine absolute Seltenheit. Die Tiere, die ursprünglich aus Spanien stammen, sind für ihren Fettgehalt bekannt. Das Fleisch ist deshalb besonders zart. Ein Traum für jeden Fleischliebhaber. Dass es auch solche Schätze im Allgäu zu entdecken gibt, freut uns besonders. Weiter ging es dann zu den hauseigenen Enten und natürlich zu den Hühnern. Die Kinder waren glücklich, als sie beim Eiersammeln helfen durften und natürlich wurde ein ausgiebiges Kuschelprogramm mit den Hennen durchgeführt. Wir waren bestimmt nicht das letzte Mal als Kundschaft auf dem Hof, wo es frisches Geflügelfleisch, Eier und selbstgemachte Nudeln gibt.

Woche 8: Es ist Geduld gefragt

Ein besonderer Tag stand kürzlich an – und auf den mussten wir lange warten. Aber fangen wir von vorne an: Vor einiger Zeit haben wir uns bei der Metzgerei Sontag in Kißlegg ein tolles Stück Rinderrücken einer über zwei Jahre alten Färse geholt. Das ist eine Kuh, die noch nicht gekalbt hat. Da das Tier dort in der unmittelbaren Umgebung aufgewachsen ist und sogar mittels Weideschuss auf der Wiese erlegt wurde, konnten wir uns guten Gewissens ins Auto setzen, um das zehn Kilo schwere Stück zu uns zu bringen.

Konstante Temperatur

Den Rücken haben wir dann für sechs Wochen bei konstanter Luftfeuchtigkeit und Temperatur in unseren Reifeschrank gehängt. Das Fleisch wurde von außen immer trockener und dunkler. Nach Ablauf der Reifezeit haben wir den Rücken dann mit Knochensäge und scharfen Messern in haushaltsübliche Mengen zerlegt. Dabei kam uns schon nach dem Abschneiden der angetrockneten Außenseiten ein wunderbar rotes, saftiges und herrlich nussig riechendes Fleisch entgegen. Da hat sich das Warten gelohnt.

Woche 7: Alle packen mit an

„Stall ausmisten“ war diese Woche wieder angesagt. Doch diesmal nicht den Stall unserer eigenen Wachteln. Im Mai hatten wir ein tolles Projekt mit dem Schochenhof bei Ottobeuren gestartet. Nicht nur unsere Schweine und Vakim, der Ochse, sind dort zuhause, sondern auch eine Gruppe von Bruderküken. Sie stammen aus einer Rassezucht, in der meist nur die weiblichen Tiere benötigt werden. Zugegeben, um Küken handelt es sich dabei schon länger nicht mehr. Die gelben Flauschkugeln sind mittlerweile schon ziemlich groß geworden. Zusammen mit Familie Bär vom Schochenhof wird die bunte Bande großgezogen.#

Hähnchen für den Eigenbedarf

Die Kleinen kamen als Mini-Küken auf den Hof und dürfen dort ein tolles Leben mit hochwertigem Futter und in artgerechter Haltung genießen. Da die Tiere nicht so schnell wachsen wie die allseits bekannten Hähnchen aus dem Supermarkt, können die Hähne dort eine schöne Zeit haben. Das regelmäßige Misten des Stalls wird von uns übernommen, dafür versorgt Familie Bär die Tiere unter der Woche. Im Herbst freuen wir uns dann alle auf bestes Hähnchenfleisch für den Eigenbedarf.

Woche 6: Bio-Ring Allgäu und seltene Tierarten

Nachdem es in den vergangenen beiden Jahren aufgrund der Pandemie schwer war mit Veranstaltungen, flatterte uns neulich die Einladung des Bio-Ring Allgäu ins Haus. Endlich konnte wieder eine Mitgliederversammlung stattfinden. Also machten wir uns auf den Weg zum Arche Hof Birk in Weitnau (Oberallgäu). Zuerst gab es eine interessante Hofführung, auf der wir Näheres zu seltenen Tierarten wie dem original Allgäuer Braunvieh, dem Augsburger Huhn oder dem Braunen Bergschaf erfuhren. Dann startete die Mitgliederversammlung. Der Bio-Ring Allgäu ist ein klasse Verein, bei dem es immer neue Tipps und Anregungen zum lokalen Einkaufen gibt. Online oder in Papierform kann man sich über regionale Bio-Anbieter von Lebensmitteln oder aber auch über den Direktvertrieb von Kleidung und sonstigen Artikeln informieren.

Auf dem Hof anpacken

Unsere Kids Tim und Paul durften in der Zwischenzeit auf dem Hof helfen. Hühner streicheln, Kühe von der Weide holen, im Melkstand dabei sein und Kälbchen füttern – das war natürlich das Highlight des Tages. Zum Abschluss deckten wir uns noch mit den hofeigenen Produkten ein. Leckerer Käse sowie selbst gemachte Wurstspezialitäten wurden fleißig probiert. Ein rundum gelungener Tag.

Woche 5: Streicheleinheiten und kochen auf offener Flamme

Endlich Urlaubszeit. Nach ein paar Tagen mit dem Camper in der hektischen Großstadt Berlin zog es uns wieder in die Natur. Klar gab es für die Kids auch mal eine Currywurst, das gehört ja auch zum Urlaub dazu. Ansonsten haben wir in der Hauptstadt ziemlich konsequent nur Sachen gegessen, die wir selbst zubereitet und mitgenommen hatten. Nun stehen in Berlin die Rinder ja nicht gerade auf der Straße und der nächste Bauernhof ist auch nicht um die Ecke. Wir haben deshalb bei unserer Weiterreise einen Hof bei Hamburg ausfindig gemacht, auf dem es Highland-Rinder gibt.

Leckereien zum Mitnehmen

Bei der Ankunft wurden wir herzlich von der Bauernfamilie empfangen und die Kinder durften sofort den Stall unsicher machen, wo sie die zotteligen Tiere gestreichelt haben. Währenddessen haben wir uns über die noch lauwarmen Eier gefreut, die uns in die Hände gedrückt wurden. Zum Abendessen gab es Steak vom Highland-Cattle, das wir auf offener Flamme zubereitet haben. Als wir abgereist sind, haben wir uns noch ein paar Leckereien vom Hof mitgenommen – denn wir wussten ja jetzt, wo und wie die Tiere gelebt haben.

Woche 4: Auch im Urlaub wird auf den Einkauf geachtet

Ferienzeit: Der Sommer ist zwar durchwachsen, aber der Urlaub kann beginnen. So schön das Allgäu auch ist, man möchte natürlich auch mal verreisen. Nur ist dann die Frage, ob man Regionalität und Urlaub verbinden kann. Wir haben für uns eine gute Lösung gefunden. Durch das Verreisen mit dem Camper ist es einfach, überall vor Ort nach regionalen Produkten Ausschau zu halten. So versuchen wir, egal wo wir sind, immer bei lokalen Bauern, deren Automaten oder einfach auf Wochenmärkten einzukaufen.

Vielfalt gibt es überall

Die Vielfalt ist fantastisch und man lernt oft viele neue Produkte aus der jeweiligen Region kennen. Ob sich das Ganze nun in Deutschland oder im Ausland abspielt, ist dabei zweitrangig. So kann Regionalität auch im Urlaub gelebt werden, denn die bezieht sich für uns immer auf den aktuellen Aufenthaltsort. Zudem unterstützt man die kleinen Betriebe und Höfe vor Ort. Auf längeren Reisen nutzen wir auch gerne das „Landvergnügen“ für Zwischenstopps. Dabei kann man meistens kostenlos auf Höfen übernachten. Im Gegenzug kauft man dann im Hofladen ein.

Woche 3: Die Rohmilch kommt von der Tankstelle

„Mama – kannst du uns eine Erdbeermilch machen?“, kommt es vom Frühstückstisch. Die Erdbeeren vom letzten Markteinkauf liegen zwar noch im Obstkorb, aber die Milch fehlt. Wo bekommen wir die am Sonntag her? Da wir nicht nur beim Fleisch oder Gemüse auf die Regionalität achten, sondern generell, versuchen wir dies natürlich auch bei der Milch. Hier bieten sich die Milch-Häuschen an, die direkt bei den Höfen in der Umgebung stehen – davon gibt es immer mehr. Zwischen Bio und konventioneller Milch kann man sich je nach Angebot des Hofes entscheiden.

Wir nehmen immer unsere eigenen Flaschen mit und haben somit auch die Möglichkeit, wirklich nur nach Bedarf einzukaufen. Wo bekommt man sonst frischeste Rohmilch auch in kleinen Mengen her? Im Laden ist dies selten der Fall. Wenn es geht, kaufen wir immer Rohmilch – denn die schmeckt uns einfach am besten.

Die Milch-Tankstellen freuen auch die Kinder, denn die Kühe sind meist nicht weit. Wir glauben: Wer einmal den Geschmack einer frischen Rohmilch kennenlernen durfte, dem schmeckt die „normale“ Milch meist ohnehin nicht mehr.

Woche 2: Besuch auf der Mini-Festwoche

Mensch, haben wir uns gefreut, dass es mal wieder etwas Leben in Kempten gab. Am vergangenen Samstag haben wir das Wochenende genutzt und sind in die Stadt gelaufen, um uns die „Minifestwoche“ im Stadtpark anzuschauen. Da wir versuchen, uns möglichst mit regionalen Lebensmitteln und Produkten zu versorgen, hat sich uns schon vor längerer Zeit die Frage gestellt: Wie und wo bekommt man gute und regionale Lebensmittel und Produkte eigentlich her, ohne dass man sich zum Schluss doch wieder an den Kassen des liebsten Supermarktes oder Discounters wiederfindet?

Wichtig: Mit Vereinen wie dem Bio-Ring Allgäu Kontakt aufnehmen

Letztendlich ist es gar nicht so schwer, Informationen zu sammeln. Durch gezieltes Nachfragen zum Beispiel auf Wochenmärkten oder eben durch Besuche auf heimischen Regionalmessen kommt man doch recht leicht an Infos über Direktvermarktung. Am Wochenende zum Beispiel haben wir viele interessante Gespräche geführt. Unerlässlich ist dabei auch die Suche im Internet oder die Kontaktaufnahme mit diversen Vereinen, zum Beispiel dem Bio-Ring Allgäu.

Auch kann man gerade als Familie super die Augen offen halten, wenn man draußen unterwegs ist – bei Spaziergängen, Fahrradausflügen und so weiter. Denn mittlerweile gibt es eine immer größer werdende Zahl an Verkaufsautomaten direkt an den Höfen und Metzgereien, die zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffnet sind.

Woche 1: So kaufen wir ein

Wenn wir im Supermarkt einkaufen, sieht das eigentlich nicht anders aus als bei anderen Familien. Da steht man und überlegt: Worauf haben wir heute Lust und was soll es im Laufe der Woche noch zu essen geben? Währenddessen versucht der Jüngste die Regale auszuräumen mit der Begründung, man kann nie genug Süßkram haben. Also tief durchatmen und los geht’s.

Wir versuchen uns beim Einkaufen auf das zu beschränken, was wir wirklich brauchen. Auf dem Zettel stehen vor allem Dinge des täglichen Bedarfs. Der Blick geht dann immer auf die Herkunft des Produkts und die Zutatenliste.

Wagners im Supermarkt: Statt der Avocado vom anderen Ende der Welt nur Produkte aus dem Allgäu

Um einige Lebensmittel machen wir von Haus aus einen Bogen. Muss die Avocado oder die Melone vom anderen Ende der Welt wirklich sein? Auch an der Frischetheke des Supermarktes laufen wir vorbei: Fleisch und Wurst gibt es bei uns von den eigenen Tieren, die auf einem Hof im Unterallgäu aufwachsen. Käse und Milchprodukten konsumieren wir nur selten, und wenn, dann direkt von der Sennerei.

Das Obst kaufen wir gerne auf dem Wochenmarkt. Unser Gemüse bekommen wir einmal in der Woche von unserer solidarischen Landwirtschaft. Da wird dann kreativ gekocht und verarbeitet, was die Natur gerade hergibt. Woran wir im Supermarkt aber nicht vorbei kommen, das sind die von den Kindern heiß geliebten Fischstäbchen.

Mehr zu den Wagners gibt's hier.