Tennis

"Wie auf Eiern" - Ex-Profi Zimmermann über den Spitzensport

TSV Kottern Tennis: Marcel Zimmerman

Schlägt inzwischen wieder auf: Ex-Profi Marcel Zimmermann spielt am Wochenende wieder für den TSV Kottern.

Bild: Matthias Becker

Schlägt inzwischen wieder auf: Ex-Profi Marcel Zimmermann spielt am Wochenende wieder für den TSV Kottern.

Bild: Matthias Becker

In der Tennisakademie Allgäu arbeitet Ex-Profi Marcel Zimmermann mit Talenten. Was er über den Spitzensport denkt.
13.07.2021 | Stand: 15:28 Uhr

Ohne Frage, Wimbledon sei ein cooles Turniers, sagt Tennislehrer und Ex-Profi Marcel Zimmermann. Und dennoch nicht gerade seins. „Die Ballwechsel sind eher kurz und auf Rasen läuft man sowieso wie auf Eiern“, erklärt der 36-Jährige, der in Emmerich am Rhein geboren wurde, in Kaufbeuren aufwuchs und inzwischen Mitinhaber der Tennisakademie Allgäu ist. Wimbledon sei irgendwie eine eigene Welt und nicht vergleichbar mit anderen Grand Slam-Turnieren, etwa in New York oder Paris.

Mit Djokovic müsse man immer rechnen

Verfolgt hat Zimmermann das zweiwöchige Event dennoch. Überraschungen seien großteils ausgeblieben. „Es war zu erwarten, dass es mit Federer nicht mehr klappt“, sagt Zimmermann über das deutliche Viertelfinal-Aus des Schweizers. Und mit Djokovic, der am Sonntag seinen 20. Grand Slam-Titel einsackte, müsse man ohnehin immer rechnen. „Alexander Zverev ist vielleicht etwas früh ausgeschieden“, bilanziert Zimmermann die Leistung der deutschen Nummer eins. Im Achtelfinale war Schluss.

Ein Sensations-Coup wie bei Boris Becker sei nicht mehr möglich

Erfreulich, aber auch fernab der großen Bildfläche, war das Abschneiden der jungen Nastasja Schunk: Die 17-jährige Mainzerin stand im Endspiel der Juniorinnen – und unterlag dort der Spanierin Ane Mintegi del Olmo. Ein Freifahrtschein seien starke Leistungen im Teenie-Alter derweil nicht. „Es sind eigentlich zwei unterschiedliche Sportarten“, vergleicht Zimmermann Junioren- und Senioren-Tennis und meint dabei nicht nur die ganz andere Athletik der erwachsenen Spielerinnen und Spieler. „Plötzlich geht es um Geld, da werden die Ellbogen ausgefahren. Der Weg für junge Spieler ist noch extrem weit.“ Ein Sensations-Coup, wie er einst Boris Becker 1985 mit dem Wimbledon-Sieg im zarten Alter von 17 Jahren gelang, sei heute nicht mehr möglich.

Dass Zimmermann sich die Spiele aus London ansehen konnte, ist dieser Tage nicht selbstverständlich. Er steht viel auf dem Platz und unterrichtet. Das war in den zurückliegenden Monaten nicht immer so. Während des ersten Corona-Lockdowns beklagte der ehemalige Profi (beste ATP-Platzierung: 299), dass ihm allein pro Woche um die 1600 Euro Einnahmen fehlen würden. Froh war er, dass er zumindest ab November 2020 Unterstützung vom Staat bekam. So wurden die Unkosten gedeckt. „Es war eine harte Zeit“, sagt er mit Blick auf den Winter-Lockdown, in dem er maximal zwei bis drei Stunden pro Tag auf dem Platz stand, um mit Kaderathleten zu trainieren. „Das war nicht der Rede wert.“

Einige Anfragen, aber kein großer Andrang

Als Tennis dann wieder erlaubt war, noch ehe wieder Eishockey oder Fußball gespielt wurde, hätte er immerhin ein paar zusätzliche Anfragen erhalten, erzählt Zimmermann, der am Wochenende wieder für den TSV Kottern in der Bayernliga spielt. Einen „Monsterandrang“ habe es aber nicht gegeben.

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Vielleicht sei es gelungen, immerhin ein paar Kinder und Erwachsene „auf unsere Seite zu ziehen“, meint er. Dauerhafte Einbußen sieht er nicht. Die Menschen würden inzwischen wie früher zu ihm kommen. Im Tennissport, insbesondere im Allgäu, fehle es in der Breite an Spielern. Daher sei es „brutal schwer“, die großen Talente zu finden. Einige wenige würde es freilich geben. Mit ihnen arbeitet Zimmermann eifrig. Dabei fokussiert er sich nicht auf einen Ort, sondern schlägt in Memmingen, Bad Wörishofen und Landsberg auf. „Somit decken wir einfach mehr ab“, sagt Zimmermann.

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