Kempten

Für ein Gesicht reichen schon zwei Punkte und zwei Striche

Kinder-Uni

Kinder-Uni

Bild: Martina Diemand

Kinder-Uni

Bild: Martina Diemand

Kinder-Uni Professorin Sabine Buchwieser verrät, wie wichtig für Spiele-Designer Mimik und Körpersprache ihrer Figuren sind
##alternative##
Von buc
17.05.2019 | Stand: 17:05 Uhr

Punkt, Punkt, Komma, Strich – es sind nur vier kleine Zeichen, und doch reichen die für ein ganzes Gesicht: Ein fröhliches, ein ängstliches, ein wütendes – eben so, wie die Punkte und Striche gesetzt sind. Das hatten die Mädchen und Buben, die zur Kinder-Uni an die Hochschule Kempten gekommen waren, natürlich schon vorher gewusst. Dank Professorin Sabine Buchwieser (Fakultät Informatik) wissen sie jetzt auch, warum Mimik und das Zeichnen von Gesichtern, Emotionen und Körpern fürs Game Engineering, also dem Programmieren von Spielen, so wichtig sind.

„Augen, Nase, Mund – dafür reichen diese vier kleinen Zeichen, und schon haben wir das Gefühl, uns schaut jemand an“, erklärte die Diplom-Designerin. In Gesichtern zu lesen sei die erste Sprache, die Menschen noch als Babys lernen. Und Babys – wenn sie nicht gerade schreien – beherrschen es gut, ohne Sprache, also nonverbal nur über ihre Mimik, ihre Gesichtsausdrücke zu kommunizieren. Gesichter mit all ihren Emotionen seien auch beim Programmieren von Spielen, für Filme und andere Anwendungen immens wichtig, wecken beim Betrachter Emotionen, tief verankerte Urinstinkte – Stichwort „Kindchenschema“: Ovale und runde Formen, eher kleine, oft knubbelige Nasen, große Kulleraugen und dazu kurze, gedrungene Körper – solche Figuren wirken in vielerlei Formen niedlich, egal ob als Baby-Saurier, bei den Aristocats, dem legendären R2-D2 oder als Olaf, dem Schneemann aus der „Eisprinzessin“.

Spiele-Designer, sagt Sabine Buchwieser, müssen ihre Charaktere von Anfang an so gestalten, dass die Anwender später allein von deren Aussehen – etwa der Form des Mundes oder der Augen und der Körperhaltung – auf bestimmte Eigenschaften schließen: zufrieden, erschrocken, bösartig, hilflos, lieb, erfreut, gierig, hinterlistig oder einfach nur fies.

Verdeutlicht wurde dies durch Fotos Prominenter, die auch den jungen Gasthörern ein Begriff sind – von Mr. Bean („der freut sich“) über Angela Merkel („die schaut aber genervt“) und Jogi Löw („glücklich“) bis hin zu da Vincis Mona Lisa. Allerdings sahen die Kinder da kein geheimnisvolles Lächeln, sondern stellten kurz und gnadenlos fest: „Die schielt!“