Tierschutz

Rehkitze sollen am Leben bleiben

Kitze

Die Landwirtin und angehende Jägerin Larissa Leiß aus Lechbruck ist eine der Protagonistinnen in einem neuen Imagefilm des Bayerischen Jagdverbandes zur Rehkitzrettung.

Bild: BJV/Pierre Johne

Die Landwirtin und angehende Jägerin Larissa Leiß aus Lechbruck ist eine der Protagonistinnen in einem neuen Imagefilm des Bayerischen Jagdverbandes zur Rehkitzrettung.

Bild: BJV/Pierre Johne

Landwirte und Jäger arbeiten im Ostallgäu eng zusammen, um junge Rehkitze vor dem Mähtod zu bewahren. Sogar ein Film wurde gedreht.
04.07.2021 | Stand: 06:16 Uhr

Rehkitze sollen leben. Das ist Landwirten und Jägern ein Anliegen. Deshalb arbeiten sie eng zusammen, um den Mähtod der jungen Wildtiere zu verhindern. In Eisenberg etwa wurde ein neuer Verein zur Rehkitzrettung gegründet und der Bayerische Jagdverband (BJV) setzt auf Filme. Nach einem Dreh mit der bayerischen Jungbauernschaft im Frühjahr entstand nun im Füssener Land ein Imagefilm. „Darin wollen wir der breiten Öffentlichkeit zeigen, was Jäger und Landwirte leisten“, sagt Isabel Koch, Vorsitzende der BJV-Kreisgruppe Füssen und Leiterin der BJV-Kommunikationsabteilung.

Der Film soll unter anderem über Youtube und soziale Medien deutschlandweit verbreitet und im Regionalfernsehen gezeigt werden. Wichtig ist laut Koch, dass auch Menschen in urbanen Gebieten, mit wenig Bezug zu Natur und Landwirtschaft, die die Natur aber nutzen, Zusammenhänge verstehen. „Umweltbewusstsein, Natur- und Artenschutz sind die Topthemen der heutigen Gesellschaft und je besser man sie den Leuten zugänglich macht, desto eher lässt sich Fehlverhalten ausschließen“, sagt Koch. Gleichzeitig sei der Film ein „Dankeschön an alle Landwirte, Jäger und Helfer, die auf vielen Wegen versuchen, Kitze zu retten“. An die 90 000 kleine Rehe konnten laut BJV durch sie heuer bayernweit vor dem Mähtod bewahrt werden.

Rehkitze sollen am Leben bleiben: Kein erhobener Zeigefinger

Die Produzenten setzen auf Information ohne Ermahnen und vor allem auf Gefühle. „Es sind zweieinhalb Minuten ohne Sprecher. Wir wollen über das Bildmaterial Emotionen transportieren. Wir brauchen keinen weiteren erhobenen Zeigefinger, sondern Verständnis“, erklärt Koch. Gedreht wurde in Seeg und Berghof mit authentischen Menschen, wie der Landwirtin und angehenden Jägerin Larissa Leiß aus Lechbruck, dem Jäger und Drohnenpilot Stefan Holstein aus Seeg (einem der ersten, der aus der Luft Rehkitze suchte) und Heinz Baur aus Seeg, der seit über 30 Jahren Kitze rettet und einer der Pioniere auf diesem Gebiet ist.

Das Thema Kitzrettung spielt laut Koch auch in der Bevölkerung eine zunehmend größere Rolle. „Uns rufen immer mehr Privatleute an, die fragen, wer Kitze sucht, wenn gemäht wird, und anbieten zu helfen“, berichtet sie. Auch Fotos von vermähten Kitzen bekämen die Jäger nicht selten geschickt.

Unter den Landwirten nähmen besonders die jungen das Thema sehr ernst. Dass es bei älteren Generationen anders war, liegt aber nicht an fehlender Rücksicht auf die Wildtiere, sondern daran, dass es früher noch keine so große Rolle spielte. Die Verluste waren insgesamt geringer, da später gemäht wurde und die Technik eine andere war. Die Fahrzeuge zum Beispiel waren langsamer, die Mähwerke weniger breit.

Gute Netzwerke: Damit der Mähtod verhindert werden kann, setzen sich Landwirte und Jäger für Rehkitze ein

Damit die Kitzrettung funktioniert, sei die Kommunikation zwischen Landwirten und Jägern das Allerwichtigste, sagt Koch. Dafür gebe es mittlerweile gute Netzwerke. In Eisenberg etwa haben Jäger Mathias Hipp und Grundschulleiter Hans Berktold jetzt den Verein Rehkitzrettung-Eisenberg gegründet. Dieser hat sich zwei Drohnen gekauft und damit heuer an die 40 Tiere gerettet. Das Projekt wurde auch im Gemeinderat vorgestellt.

Beim Einsatz einer Drohne mit Wärmebildkamera kann das Kitz anhand der Temperaturdifferenz seiner Körpertemperatur und der Umgebung geortet und in Sicherheit gebracht werden. Aus dem Grund haben sich Jäger und ehrenamtliche Helfer zusammengeschlossen, um Landwirte in Eisenberg bei der Kitzsuche zu unterstützen. Zur Koordination der Suchzeiten existiert eine WhatsApp-Gruppe.

Die Drohnensuche ist auch deshalb wichtig, weil sich „Ricken häufig an Vergrämungsmaßnahmen, wie Flatterbänder und elektronische Signalgeber gewöhnen“, sagt Hipp. Sie legen ihre Jungtiere dann trotzdem ins hohe Gras, und dort sind diese nur schwer zu finden. Sie ducken sich bei Gefahr instinktiv und rennen erst weg, wenn sie älter sind.

Berktold möchte auch seine Grundschüler im Unterricht für das Thema Wild sensibilisieren. Seiner Ansicht nach leisten die Landwirte einen sehr guten Beitrag zum Natur- und Artenschutz, indem sie die Kulturlandschaft pflegen und auf das Wohl der Tiere bedacht sind. Er selbst war von Anfang an als Drohnenpilot im Einsatz.

Landwirt Marco Kössel aus Weizern hat den Dienst des neuen Vereins bereits in Anspruch genommen. Er findet die Unterstützung großartig. Auch die Kontaktaufnahme und Terminvergabe funktioniere reibungslos. „Natürlich kennt man seine Felder, in denen die Rehkitze liegen könnten. Aber mit Hilfe der Drohne und den Helfern wird man viel leichter und um schneller fündig“, sagt Kössel.

Wärmebildkamera nötig

Es bleibt die Frage: Warum kaufen sich Landwirte nicht eigene Drohnen? „Mit handelsüblichen Modellen funktioniert die Kitzsuche nicht. Nur Drohnen mit Wärmebildkamera und passender Software kommen in Frage und die sind teuer“, erklärt Berktold. Bei den Fördermaßnahmen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bleibt der Landwirt in Sachen Rehkitzrettung außen vor. Seit März 2021 werden nur eingetragene Vereine gefördert, zu deren satzungsgemäßen Aufgaben die Pflege und Förderung des Jagdwesens sowie die Wildtier-Rettung gehören.

Durch die Neugründung konnte der Eisenberger Verein von dem Programm profitieren. Außerdem beteiligte sich die VR-Bank Augsburg-Ostallgäu mit einer Spende von 1000 Euro an den Drohnen. Für die restlichen Anschaffungskosten hoffen die Vereinsmitglieder auf Spenden auf das Konto Rehkitzrettung-Eisenberg e.V., DE73 7209 0000 0002 0993 90. Für Fragen zur Kitzrettung steht Hipp unter Telefon 0152/53852058 zur Verfügung.